Feuchtgebiete versus Kulturland
Leserbrief
Ernst Hauser, Turbenthal
Kürzlich habe ich von einer aus der Gemeinde Gossau stammenden Freundin ein wertvolles Buch geschenkt bekommen mit dem Titel «Das verlorene Paradies». Es wurde handschriftlich verfasst von Migg Zollinger, der in Herschmettlen aufgewachsen ist.
Darin beschreibt er den in den 1940er Jahren ausserordentlich engagierten Kampf um den Erhalt des Gossauerriets als Naturparadies. Es sei ein einmaliges und wertvolles Gebiet für die Biodiversität.
Damals musste aber die Obrigkeit andere Prioritäten setzen: Die Ernährungssicherheit für die Bevölkerung hatte Vorrang, und so wurde mit der Anbauschlacht neues Kulturland geschaffen.
Dieses Projekt wurde im Gossauerriet trotz grossem Widerstand umgesetzt und kostete für damalige Verhältnisse viel Geld.
Heute, gut 80 Jahre später, lese ich im «Zürcher Oberländer»/«Anzeiger von Uster»: «Kanton will weniger Kulturland und mehr Feuchtgebiete im Gossauerriet.» Das mittlerweile kostbare Kulturland soll wieder für viel Geld versumpft und damit der Zustand vor 1940 wiederhergestellt werden. Die Prioritäten liegen nicht mehr bei der Ernährung der Bevölkerung. Dazu haben wir ja Hof- und Dorfläden sowie vor allem die Grossverteiler. Was diese im Inland nicht beschaffen können, wird einfach importiert. Ermöglicht wird diese Umkehr der Priorisierung durch unsere satte Wohlstandsgesellschaft, die der Obrigkeit immer öfter und immer seltsamere «Aufträge» erteilt.
Interessant für mich: Damals wie heute kämpfen zwei Herschmettler an vorderster Front. In den 1940er Jahren war es Migg Zollinger, heute ist es Elmar Hüppi.
«Kanton will mehr Feuchtgebiete im Gossauerriet – Bauern sind skeptisch», Ausgabe vom 5. Juli
