Wildnis statt Nostalgie
Uwe Scheibler, Wetzikon
Das Schlusslicht im Naturschutz in Europa, das ist die Schweiz heute. Die natürlichen Lebensgrundlagen eines ganzen Lands werden Tag für Tag mit Füssen getreten: Fruchtbarer Boden wird überbaut, die Landschaft wird zersiedelt, die Biodiversität befindet sich im Sinkflug, und das ganze Land wird überdüngt und mit giftigen Stoffen wie PFAS verunreinigt. Über diese Entwicklung liest man wenig.
Macht es Sinn oder nicht?
Nun hat eine Katastrophe ein Alpendorf zerstört, und alle Medien überbieten sich in der Berichterstattung. Reflexartig wird eine Wiederherstellung des alten Zustands gefordert. Bevor jetzt aber viel Geld in die Restaurierung gesteckt wird, muss die Sinnfrage erlaubt sein: Wiederaufbau eines Dorfs, das mehrheitlich Tages- und Wochenpendler beherbergt, aus vielen Ferienhäusern besteht und dessen Landwirtschaft ohne erhebliche Subventionen aus dem Mittelland gar nicht existenzfähig wäre?
Fazit: Die Schweiz braucht kein Dorf mehr wie Blatten, dringend hingegen mehr Wildnis und mehr Lebensraum für unsere Flora und Fauna, vom Apollofalter bis zum Wolf!
Zu den Artikeln über Blatten und über alpine Naturgefahren, Ausgaben vom 30. und 31. Mai.