Zuerst kommt Uster
Leserbrief
Uster ist die grösste Stadt im Zürcher Oberland. Das heisst nicht, dass sie für alles und alle zuständig ist. Wer sich in unserer Stadt bewegt, weiss: Der Platz ist knapp. Es fehlt an Gewerbeflächen, und unsere Sportanlagen gelangen an ihre Kapazitätsgrenzen. Vereine suchen verzweifelt nach geeigneten Räumen. Der Boxclub Uster ist derzeit zwar noch im Zeughaus untergebracht, steht aber im Hinblick auf die anstehenden Bauarbeiten vor einer ungewissen Zukunft. Die Compagnie 1861, die über viele Jahre ein fester, engagierter Bestandteil des kulturellen Lebens im Zeughaus war, musste Uster bereits verlassen – nicht aus freien Stücken, sondern, weil sich keine passende Ersatzlösung finden liess.
Vor diesem Hintergrund ist es völlig realitätsfremd, wenn nun gefordert wird, dass Uster erneut einen Standort für einen Halteplatz für Fahrende suchen soll. Es war der Stadtrat, der 2020 einen solchen Standort nach gründlicher Prüfung aus nachvollziehbaren Gründen verworfen hat, und an dieser Einschätzung hat sich seither nichts geändert. Wenn der Kanton neue Halteplätze bereitstellen will, dann muss er das dort tun, wo Raum, Zustimmung und Tragbarkeit vorhanden sind, und nicht auf dem Rücken von Gemeinden, die bereits heute an ihrer Belastungsgrenze sind.
Uster hat genügend eigene Herausforderungen. Schauen wir zuerst unseren Vereinen, die tagtäglich viel ehrenamtliche Arbeit leisten, oder fokussieren wir uns auf die wirklich wichtigen Bauprojekte, die einer breiten Mehrheit einen Nutzen bringen. Wir können nicht die Probleme von allen anderen lösen, schon gar nicht, weil die linke Politik einmal mehr die Symbolik über die Lebensrealität der Bevölkerung stellt.
«SP-Gemeinderat fordert Halteplatz für Fahrende in Uster», Ausgabe vom 2. Mai