Nicht die Angst ist das Problem, sondern das Wegschauen
Leserbrief
Es stimmt: Politik soll nicht lähmen, sondern leiten. Sie soll Perspektiven aufzeigen. Doch genau dazu gehört auch, unbequeme Entwicklungen frühzeitig zu benennen – und ja, auch vor Risiken zu warnen, wenn sie absehbar sind.
Die «Titanic» galt als Wunderwerk der Technik, als Symbol menschlicher Fortschrittskraft. «Unsinkbar» nannte man sie. Und genau das wurde ihr zum Verhängnis. Nicht der Eisberg war das eigentliche Problem, sondern der Glaube, es könne nichts passieren – und die Arroganz, Warnungen zu überhören.
Zürich steht wirtschaftlich gut da, keine Frage. Doch wer daraus ableitet, es sei alles in bester Ordnung, der vergisst, dass unser Standort täglich im Wettbewerb steht. Der Trend, dass netto mehr Unternehmen den Kanton verlassen als zuziehen, ist besorgniserregend. Denn damit wandert nicht nur Steuersubstrat ab, sondern es verschwinden auch Arbeitsplätze, Lehrstellen und Innovationskraft.

