Zum Abschied von Papst Franziskus
Leserbrief
Wie so viele hat auch mich die Nachricht vom Tod von Papst Franziskus betroffen gemacht und traurig gestimmt. Umso mehr trage ich heute die Erinnerung an eine ganz besondere persönliche Begegnung mit ihm in mir – eine, die ich nie vergessen werde.
Am 23. April 2013 (also vor fast genau zwölf Jahren), kurz nach seiner Wahl, durfte ich ihn anlässlich einer kleinen Feier seines Namenstags im privaten Kreis im Gästehaus Santa Marta im Vatikan mit dem Stück «Pájaro Chogüí» auf meiner paraguayischen Harfe empfangen und überraschen.
Er war sichtlich erfreut, kam nach meinem Auftritt direkt zu mir, nahm herzlich meine Hand, beglückwünschte mich – und gab mir links und rechts auf die Wange ein Küsschen! Ich war komplett verdattert und brachte nur ein «Felicitaciones, Felicitaciones» hervor. Er schmunzelte und bat mich mit leiser, aber ernster Stimme: «Por favor, prega per me» – «Bitte bete für mich.»
Seine Herzlichkeit, seine schlichte Würde, sein argentinischer Charme haben mich tief berührt. Es gibt kein Foto davon – keine Fotografen, keine Kameras waren erlaubt. «Sonst sei der Anlass ja nicht mehr privat», meinte er und hatte damit wohl recht.
Und so ist dieses Erlebnis eine reine, unauslöschliche Erinnerung. Ein stiller, kostbarer Schatz meines Lebens und meiner musikalischen Reise. Ruhe in Frieden, Franziskus. Deine Wärme, dein Humor und deine Menschlichkeit bleiben.
«Oberländer Reaktionen auf den Tod von Papst Franziskus», Ausgabe vom 24. April