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Vorsicht beim Bärlauchpflücken!

Beim Pflücken von Bärlauch kommt es immer wieder zu Verwechslungen. (Archiv)

Foto: Seraina Boner

Vorsicht beim Bärlauchpflücken!

Leserbrief

Astrid Kellenberg Lottenbach

Grüt

Herzlichen Dank für den «Pro und Kontra»-Beitrag über den Bärlauch. Seit über 20 Jahren biete ich Heilpflanzen- und Wildkräuterspaziergänge im Zürcher Oberland an und habe mich köstlich über die unterschiedlichen Meinungen amüsiert. Als würde ich Pro und Kontra zu einer Abstimmung ­lesen, da denke ich auch, ­irgendwie haben alle Parteien gute Argumente, was es jeweils nicht einfacher macht. Zum Glück sind wir im Zeitalter des «sowohl als auch» und nicht mehr des «entweder oder» angelangt.

Der Bärlauch war schon bei den Kelten, Römern und Germanen sehr beliebt, als Salat, aber auch als Heilpflanze. Schon die Braunbären assen ihn nach ihrem Winterschlaf, um die Verdauung wieder in Gang zu bringen – daher der Name Bärlauch –, und glauben Sie mir, die Bären sind schlau, die spüren, was ihnen guttut, ganz ohne Google.

Der berühmte Kräuterpfarrer Künzle meinte: «Wohl kein Kraut der Erde ist so wirksam zur Reinigung von Magen, ­Gedärme und Blut wie der ­Bärlauch.» (Allerdings hat er da wahrscheinlich nicht Bärlauchbratwurst oder -chips gemeint.)

Ich persönlich freue mich ­jeden Frühling auf mein erstes Bärlauchpesto und habe fest­gestellt, dass sich (im Gegensatz dazu, wenn ich Knoblibrot esse) die Fahne, wenn überhaupt, kaum bemerkbar macht. Sonst gibt es ja noch ­Petersilie zum Nachtisch (ausser man braucht danach einen Sitzplatz im Zug, danke für den Tipp, Frau Koch).

Bei der Verwechslungsgefahr gebe ich Herrn Marti wirklich recht. Genau wie bei den Pilzen sollte man sich 100-prozentig sicher sein, ansonsten Finger weg und mit einer kräuterkundigen Person einen Spaziergang machen (Schleichwerbung). Es ist im Zürcher Oberland selten, dass Bärlauch mit Maiglöckchen- oder Herbstzeitlosenblättern am selben Ort wächst, aber es kommt vor. Wichtig ist auch, nicht gierig alles abzugrasen, sondern sich die Zeit zu nehmen, jedes Blatt einzeln zu pflücken, weil zum Teil wirklich giftige Pflanzen inmitten der Bärlauchblätter wachsen (habe ich vor drei ­Tagen erlebt).


«Bärlauch – kein Kraut für alle», Ausgabe vom 24. April

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