Immer mehr wollen
Leserbrief
Nach diesem Bericht scheint der Mensch keine Lösungen zu finden für die grossen Probleme der Erde. Fünf Beispiele zeigen aber, wie es funktionieren könnte. Endlich hat jemand das Kernproblem der Menschheit angesprochen, nämlich dass sie dabei ist, die Erde zu zerstören und damit letztlich sich selbst auszurotten. Nun sind diese Bestrebungen für eine Lösung sicher positiv und gut gemeint. Das Hauptproblem der Sache liegt jedoch im Menschen selbst. Und wenn dieses nicht endlich radikal angegangen wird, nützen all die kleinen, gut gemeinten Aktionen wenig.
Das Grundübel liegt in einem im Menschen innewohnenden und scheinbar unauslöschlichen Trieb, dem «immer mehr wollen». Den meisten ist das gar nicht bewusst – höchstens noch, dass sie immer mehr Geld haben wollen. Deshalb redet kaum jemand ernsthaft darüber, und auch vonseiten der Psychologen hört man kaum etwas davon. Vielleicht ist es ihnen zu banal. Tatsache ist, dass dieser Trieb sämtliche Lebensbereiche betrifft. Wir wollen einfach alles verbessern, vergrössern, verschönern, ausbauen, verstärken, optimieren usw. Das ging Jahrtausende gut und war für unsere Entwicklung auch wichtig. Aber nun sind wir mit der explosionsartigen totalen Technisierung auf allen Ebenen an einem Punkt angelangt, wo es unweigerlich in der Selbstzerstörung endet, wenn nicht eine radikale und schnelle Kehrtwende geschieht.
Der Mensch muss endlich lernen, mit diesem Trieb vernünftig umzugehen. Er muss einsehen, dass nur in Wohlstand und Überfluss zu leben, nicht gut für ihn ist. Das Leben wird nicht schöner, glücklicher und zufriedener, wenn man ständig in der Welt herumfliegt, sich unterhält oder vor dem Fernseher sitzt. Er hält Untätigkeit auf Dauer nicht aus. Er muss etwas tun, leisten, erschaffen, sei es stricken, nähen, weben, töpfern, schreinern, malen, oder spielen, singen und musizieren. So wie es noch vor 50 Jahren ganz normal war. Jeder nach seinen Fähigkeiten und Anlagen und gegen Depression und Langeweile. Vielleicht ist es noch nicht zu spät!
«Wo die Welt schon etwas besser geworden ist», Ausgabe vom 19. April
