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Dreimal daneben

Dreimal daneben

Leserbrief

Uwe Scheibler, Wetzikon

Auch 169 Kantonsräte können irren. 21 Millionen aus dem Lotteriefonds für die Beibehaltung der wenig ergiebigen Was­serkleinkraftwerke am Aabach zu verschenken, mag sich wie eine nette Geste anfühlen. Was im Jahr 2015 als Lieblingsprojekt des damaligen Baudirektors Kägi widerspruchslos durchgewinkt wurde, erweist sich bei näherem Betrachten erstens als Mogelpackung, zweitens als energiepolitischer Unsinn und drittens als Zementierung der extremen Eingriffe in das Gewässer. Das Parlament hatte damals gleichzeitig beschlossen, den besonders schädlichen Schwall-Sunk-Betrieb am Stauwehr in Robenhausen auf den 1. Januar 2020 aufzuheben und für die Wasserkraftnutzung das natürliche Abflussregime vorzuschreiben. Das bedeutet aber einen Umbau der Kraftwerke, neue Turbinen und neue Turbinengehäuse, und damit ­ginge der angepeilte historische Charakter verloren. Hier ist noch festzuhalten, dass das Awel als zuständiges Amt es nun seit über vier Jahren versäumt hat, den Schwall-Sunk-Betrieb ­aufzuheben. Oder steckt da womöglich – horribile dictu – sogar Absicht dahinter?

Die Kette der zwölf ehemaligen Kraftwerke hat den Aabach seit 1861 seiner ursprünglichen Natur beraubt und aus dem grössten Teil der Strecke zwischen Pfäffiker- und Greifensee eine Abfolge technischer Kanäle und Restwasserstrecken gemacht. Der geringe gewässerökologische Wert bedarf schon lange einer Aufwertung, die aber durch den Kantonsrat verunmöglicht wurde. Nach dem Entscheid des Bundesgerichts eröffnet sich eine neue Chance, denn die verlangten Neukonzessionierungen dürften trotz hohen Subventionen einige Anlagen unrentabel machen. Und die Strommenge kann etwa allein durch die geplante Anlage auf dem Dach der Mercedes-Halle im Industriegebiet an der Mo­torenstrasse mehr als wettgemacht werden.

Das gute Vorbild wäre vorhanden, nämlich das Ensemble im Neuthal. Dort ist die echte, historische Substanz in der ganzen Funktionalität vorhanden. Man hat sich konsequent für die Erhaltung entschieden und ein Museum von hoher Qualität geschaffen, ohne sich diese Werte durch eine unbedeutende Stromproduktion mit hohem Umweltschaden zu verscherzen.

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