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Wohnen darf nicht zu einem Privileg werden

Leser und SP-Geschäftsleitungsmitglied Jonathan Assenberg findet, es gebe in Wetzikon nicht genügend bezahlbaren Wohnraum.

Foto: Simon Grässle

Wohnen darf nicht zu einem Privileg werden

Leserbrief

Jonathan Assenberg

Wetzikon

Die Aussage von Stadtrat Stefan Lenz, in Wetzikon gebe es genügend bezahlbaren Wohnraum, verkennt die Realität vieler Menschen. Besonders betroffen sind jene, die aufgrund veränderter familiärer Um­stände oder nach einer Kündigung ihrer bisherigen Wohnung plötzlich vor einer ungewissen Zukunft stehen.

Bereits heute verschlingen die Mietkosten für viele Wetzikerinnen und Wetziker einen grossen Teil ­ihres Einkommens – sie leben ständig unter finanziellem Druck. Diese Menschen mögen vielleicht nicht zu den von Lenz bevorzugten «guten Steuerzahlenden» gehören, dennoch sind sie ein ebenso wertvoller Teil unserer Gemeinschaft.

Wohnen ist ein Grundrecht und darf niemals zum Privileg einiger weniger werden – auch nicht hier in Wetzikon! Besonders ­irritierend empfinde ich zudem Lenz’ Aussage, Wetzikon erwache aus dem «Dornröschenschlaf». Wenn ein Vertreter der Stadtregierung unsere Stadt implizit als «schlafend» bezeichnet, offenbart dies eine beunruhigende Distanz zur ­Realität und zum täglichen Engagement all jener Menschen, die Wetzikon zu einem lebenswerten Ort machen.

Die Freude über das Nein zur Wohninitiative finde ich ebenfalls befremdlich. Immerhin haben 44 Prozent der Stimmberechtigten Ja gesagt und damit deutlich signalisiert, dass die hohen Mieten ein reales Problem darstellen. Diese Menschen erwarten zu Recht konkrete Lösungen, statt auf überholte Marktmechanismen und untaugliche Rezepte der Vergangenheit zu setzen.


Artikel «Wetzikon erwacht aus dem Dornröschenschlaf», 4. April

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