Die Förderklassen ergänzen das integrierende Schulsystem
Leserbrief
Ein bis sechs Schüler pro Klasse würden sich während einer Unterrichtslektion öfters auffällig oder störend verhalten, war kürzlich im ZO/AvU zu lesen. Sie müssten eigentlich zeitweise eins zu eins betreut werden, um sie wieder in richtige Bahnen lenken zu können. Diese Aussage machte die Präsidentin des Zürcher Lehrerverbands im Rahmen eines Interviews über die Einführung von Förderklassen.
Die grosse Zahl von Schülern mit intensivem Betreuungsaufwand macht stutzig. Wieso ist konzentriertes Lernen in manchen Klassen so schwierig geworden? Sicher stark ins Gewicht fällt, dass die Erwartungen ans individualisierte Lernen gewaltig gestiegen sind. Lehrpersonen sollen bitte massgeschneiderte Wege für jedes einzelne Kind finden und individuelle Ziele festlegen. Dieses Lernkonzept hört sich zwar vielversprechend an, vermindert aber die Anpassungsleistungen der einzelnen Schüler an stabilisierende gemeinsame Normen im Klassenunterricht. Manche Kinder werden fordernder und ungeduldiger. Nicht geeignet für die Führung quirliger Klassen ist dabei auch ein als fortschrittlich geltendes Rollenbild, das Lehrkräfte als zurückhaltende Lernbegleiter und erst in zweiter Linie als Führungspersonen sieht.
Förderklassen sind nicht dazu da, den Grossteil der teils hausgemachten Schwierigkeiten unserer Volksschule aufzufangen. Der überladene Lehrplan, das belastende Frühsprachenkonzept und unsinnig hohe Ansprüche ans Individualisieren erschweren eine Konzentration auf ein übersichtliches Bildungskernprogramm. Diese Fehlentwicklungen sorgen für viel Hektik und Unruhe in den Klassen. Es gilt deshalb, parallel zur Einrichtung von Förderklassen bei den genannten Baustellen gründlich aufzuräumen.
Die meisten verhaltensauffälligen Schüler benötigen keine separative Förderung. Time-out-Lösungen mit Schulinseln können einiges abdecken. Doch es gibt die happigen Fälle mit einem erheblichen Störpotenzial. Solche Schüler benötigen intensive Betreuung in Kleinklassen durch eine Lehrperson mit heilpädagogischen Fähigkeiten.
Förderklassen sind eine nötige Ergänzung in einem integrierenden Schulsystem. Sie verhindern, dass Regelklassen völlig aus dem Ruder laufen und nur noch durch teure externe Sonderschulungen stabilisiert werden können. Mit dem Ja des Kantonsrats zugunsten von Förderklassen sind die richtigen Schritte eingeleitet worden.
Dieser Leserbrief bezieht sich auf den Aritkel «Die Initiative würde die Lehrpersonen null entlasten» vom 26. März 2025.
