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Ein laienhafter Abriss zur Finanzpolitik für gewöhnliche Leute

Der Chef des Energiekonzerns Axpo verdient 1,8 Millionen Franken im Jahr. (Symbolbild)

Foto: Keystone

Ein laienhafter Abriss zur Finanzpolitik für gewöhnliche Leute

Leserbrief

Brigitte Rohrbach

Wetzikon

Die Aktiengesellschaft – erfunden im Mittelalter

Im späten Mittelalter, als nicht mehr nur die Königshäuser es sich leisten konnten, Schiffe zu bauen und in die Welt hinaussegeln zu lassen, um dort zu plündern und Handel zu treiben (Piraterei war einst ein ­angesehener und anerkannter Beruf), kamen findige Geschätsleute auf die Idee, sich die Risiken und Kosten grosser Handelsschiffe zu teilen, indem mehrere Investoren dafür Aktien kauften. So wurden die Aktiengesellschaften erfunden. Dumm, wenn ein Schiff verloren ging wegen eines Sturms – oder weil es von Piraten gekapert worden war, dann gingen die Aktionäre leer aus. Schön, wenn das Schiff wieder in den heimatlichen Hafen zurückkam, reich befrachtet mit Gütern aus fernen Ländern, mit Sklaven, Gold und Edelsteinen usw., die durch Tauschhandel, Räuberei, Krieg und andere Gaunereien erworben worden waren.

Heute: Eine gerechte Aktiengesellschaft?

Heute geht das natürlich viel gesitteter, zivilisierter und auch sozialer zu und her. Bei den ­Aktiengesellschaften, die der Öffentlichkeit gehören, ist es da zuerst mal der Staat, der für seine Bürgerinnen und Bürger Infrastrukturen einrichtet – eine saubere Trinkwasser- und eine sichere Energieversorgung, Strassen und Spitäler. Diese Werke dürfen von allen gleichermassen genutzt werden. Wobei die einen schon etwas gleicher sind als andere. Finanziert wird das Ganze durch Steuern und Gebühren, die auch von allen zu begleichen sind.

Nun aber haben schlaue Bürger die Gemeinschaft davon überzeugt, dass es keine Auf­gabe des Staats sei, ein Spital zu betreiben oder Energie zu produzieren, sondern dass diese Aufgaben besser von einer Ak­tiengesellschaft geregelt werden können. Die Allgemeinheit bezahlt dafür saftige Gebühren. Viele von uns ächzen unter den steigenden Strom-, Gas-, Wasser- und den teuren Spitalkosten.

Einige der Aktiengesellschaften machen Gewinn – wie früher die Schiffsgesellschaften. Und diese Gewinne – bei der Axpo handelt es sich um 1,8 Milliarden allein letztes Jahr – dienen nicht dazu, den Strom billiger zu machen, nein, damit wird investiert, um weitere Gewinne zu generieren, und nur lumpige 8,6 Millionen wandern in die Taschen der Chefetage. Christoph Brand erhielt als Jahreslohn für die tolle Arbeit 1,8 Millionen bei einem Unternehmen, das zu 100 Prozent dem Staat gehört. Und die Strompreise steigen weiter.

Und bei Fehlkalkulationen?

Sollte aber eine dieser Aktiengesellschaften einmal in Schief­lage geraten, so trifft der Verlust weder die Konzernleitung noch den Verwaltungsrat, sondern der wird solidarisch von der Gemeinschaft – also von uns allen – getragen: durch Steuergelder, noch hö­here ­Gebühren, schlechtere Versorgung. Wer dabei ans Spital Wetzikon denkt, liegt nicht einmal so falsch. Man fragt sich: Piraterei, Ausbeutung, die Macht des Kapitals – ob Mittelalter oder heute: Wer findet den ­Unterschied?

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