Sprachliche Schludrigkeit und Greenwashing
Leserbrief
«Gut für die Umwelt» oder «grüne Energie», so oder ähnlich tönen viele Sprüche nicht nur in der Werbung, sondern auch in ganz gewöhnlichen Medientexten. Leider bedeuten sie meist nicht das, was die meisten Leserinnen und Leser auf den ersten Blick vermuten, und für einen zweiten fehlen oft Zeit und Geduld.
Auf einer Werteskala von böse und gut können deshalb alle relativen Verschiebungen im negativen Bereich gar nicht «gut» sein, auch wenn sie vielleicht «besser» als andere Verhaltensweisen sind. Aber eben, auch ein solches «besser» kann immer noch im negativen Bereich liegen – und tut das auch fast immer. «Gut» für die Umwelt sind fast nur Massnahmen des Nichtstuns, des Seinlassens und des Rückbaus.
Und seit die EU den Strom aus AKWs als «grüne Energie» deklariert, ist definitiv das Ende der ursprünglichen Bedeutung von «grün» eingeläutet. Aber es geht noch viel weiter, und da dürfen auch die Atom-Reaktionäre frohlocken, sogar Strom aus Wasserkraft oder Windkraft ist keineswegs «grün» im Sinne von nicht umweltschädlich. Jede bereitgestellte Energie erzeugt auf der Produktionsseite eine Umweltbelastungsseite, die durchaus in der Wissenschaft und auch in der Gesellschaft wahrgenommen wird. Die andere Seite der Medaille, dass nämlich mit dieser Energie in der Regel umweltbelastende Aktivitäten vorgenommen werden, fällt meist ausser Betracht.
Auch aus diesem Grund können elektrisch betriebene Fahrzeuge in rein klimabezogener Betrachtung zwar «besser» als vergleichbare Benziner sein, auf die gesamte Umwelt bezogen verbleibt die Sache immer noch im negativen, sprich umweltbelastenden Bereich. Wer also die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte als Nachhaltigkeitsbeitrag verkauft, der betreibt – bewusst oder unbewusst – Greenwashing.
