Förderklassen als sinnvolles Angebot
Leserbrief
Die integrative Schule ist kein Erfolgsmodell. Der pädagogische Aufwand für Sonderbetreuung und stabilisierende Massnahmen ist enorm, doch die Resultate sind ernüchternd. Lehrkräfte kommen an den Anschlag, die integrierten Schüler fühlen sich überfordert, und in manchen Klassen wird konzentriertes Lernen zur Ausnahme.
Benötigen einzelne Schüler stets höchste Aufmerksamkeit, beeinträchtigt dies den Lernfortschritt einer ganzen Klasse. Schwache Schüler wiederum, die mit dem Schulstoff generell überfordert sind, fallen im Unterricht zwar weniger auf.
Aber sie sind die eigentlichen Verlierer, da ihnen die zentralen Erfolgserlebnisse fehlen und sie sich im Schulbetrieb oft ausgegrenzt fühlen. Die Integration aller Schüler in die Regelklassen führt zu stillen Tragödien, die sich im Rahmen einer gut betreuten Förderklasse nicht abspielen würden.
So viele Kinder wie möglich in die Regelklassen zu integrieren, bleibt das generelle Ziel. Damit dies wirklich gelingt, muss die Schule aber gewisse Belastungsfaktoren reduzieren. So wären Überforderungen leistungsschwächerer Schüler seltener, wenn der überladene Lehrplan entschlackt und die zweite Fremdsprache aus dem Bildungsprogramm der Primarschule gekippt würde.
Mehr Zeit zum Üben der Grundlagen im Deutsch und in der Mathematik käme vielen Schülern entgegen, die nicht gleich im ersten Anlauf einen Stoff verstehen. Doch in der Bildungspolitik fehlte bisher der Mut, den Hebel am richtigen Ort anzusetzen.
In Schulen, wo die Belastung der Lehrpersonen durch die Integration das Zumutbare übersteigt, sind schulinterne Förderklassen für alle Beteiligten ein sinnvolles Angebot. Jede Schule sollte aber selbst entscheiden können, ob sie spezielle Förderungen in Kleinklassen oder unter günstigen Verhältnissen in einer Schulinsel durchführen möchte. Ein kategorischer Verzicht auf separative Förderung ist hingegen nicht zielführend, da pragmatische Lösungen so verhindert werden.
Moderne Kleinklassen, geführt von Fachpersonal, sind kein Fremdkörper in einem Schulhaus, wenn die Zusammenarbeit im Schulteam klappt. Kleinklassen sind sicher nicht zum Nulltarif zu haben, aber um einiges günstiger als ein schrankenloser Ausbau eines Fördernetzes mit zusätzlichem Fachpersonal.
Wir können die Volksschule nur weiterentwickeln, wenn auf starre Dogmen verzichtet wird. Das hilft den Kindern mehr, als weitere 20 Jahre der unerfüllbaren Utopie einer Integration für alle nachzujagen.
Reaktion auf den Artikel «Hier finden schwierige Kinder Ruhe», Ausgabe vom 5. September