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Mehr Mitspracherecht im Konflikt um Asylunterkünfte

Leser Karl Meier-Zoller findet, die Gemeinden brauchen mehr Mitsprache im Asylwesen: Asylunterkunft in Gossau. (Archiv)

Foto: Martin Zeller

Mehr Mitspracherecht im Konflikt um Asylunterkünfte

Leserbrief

Karl Meier-Zoller

Effretikon

Die Steigerung der Asylquote von 1,3 auf 1,6 Prozent der ­Bevölkerungszahl auf Mitte dieses Jahres beschäftigt die ­Gemeinden erneut. Container, Abbruchhäuser und Mietwoh­nungen werden dringend ge­sucht. Die Gemeinden sehen sich zunehmend in der Rolle, Entscheidungen des Bundes und der Kantone umsetzen zu müssen. Die von oben herab diktierten Massnahmen sind oft unkoordiniert und wenig förderlich.

Vor allem im Bereich des Flüchtlingswesens sollten die Gemeinden mehr Mitsprache­recht haben. Diejenigen, die unmittelbar betroffen sind, sollten entscheiden können, wie viele Flüchtlinge aufge­nommen werden, ohne dass es zu Konflikten bei der Wohn­raumbereitstellung kommt. ­Dadurch könnten die Maximal­bestände für jeden Kanton und letztlich für den Bund besser abgestimmt werden. Wenn der Bund der Ansicht ist, dass die Schweiz mehr Flüchtlinge auf­nehmen muss, als die Gemein­den melden, sollte er zusätz­liche Lösungen bereitstellen. Es ist positiv zu vermerken, dass der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr den Bund auffor­dert, ausreichend eigene Unter­künfte bereitzustellen.

Zudem hat der Druck von unten wohl dazu geführt, dass der Ständerat kürzlich ent­schied, den Status S für ukrai­nische Flüchtlinge aufzuheben, die aus Gebieten kommen, die von der Ukraine kontrolliert werden und in denen nicht ge­kämpft wird.

Was tut der Bund, um Asylanträge und damit auch den Bedarf an Asylunter­künften zu reduzieren? Hier gibt es noch Potenzial für Ver­besserungen. Es ist bekannt, dass Rückführungen in die Herkunftsländer oft schwierig sind, selbst bei abgelehnten Asylanträgen oder nachweis­lichem Asylmissbrauch. Der ­zuständige SP-Justizminister Beat Jans sieht jedoch keine Notwendigkeit, die Grenzüber­gänge verstärkt zu kontrollie­ren, da dies mit dem Schengen-Abkommen nicht vereinbar sei. Unsere Nachbarländer tun dies trotz Mitgliedschaft im Schengen-Raum.

Übrigens: Kürzlich meldete die NZZ, dass die Baukosten für eine Asylunterkunft in Gemein­den (Wohncontainer, grössere Umbauten) gemäss einem ­Bundesgerichtsentscheid bei einer Zürcher Gemeinde vors Volk gehören. Einmal mehr ein Schritt in Richtung mehr Trans­parenz und Beteiligung von unten nach oben.


«Gemeinden müssen erneut Platz für Tausende Asyl­suchende schaffen», Ausgabe vom 1. Juli

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