Äcker und Bauern schwinden, Traktorenbestand wächst
Leserbrief
Das Dieselprivileg – die Übernahme der steuerlichen Belastung auf landwirtschaftliche Treibstoffe durch den Steuerzahler – war schon immer umstritten. Heute ist dieses vermeintliche Förderinstrument zum Symbol einer verfehlten Agrarpolitik geworden. Während die Anzahl der bäuerlichen Arbeitsplätze ständig und massiv zurückgeht und die landwirtschaftliche Nutzfläche in jeder Sekunde um einen Quadratmeter reduziert wird, nimmt der Bestand an Traktoren und vor allem an immer grösseren und schwereren Maschinen laufend zu.
Ein Gedankenspiel: Extrapoliert man die Entwicklung der letzten 30 Jahre ins Jahr 2100, dann würden wir eine Schweiz ohne Bauern mit nur noch drei Vierteln des Kulturlands haben, dafür führen aber so viele Traktoren herum, dass die Feldstrassen mindestens zweispurig ausgebaut werden müssten. Es geht also nicht um die Frage des Einsatzes von Steuergeldern für die Landwirtschaft, sondern um die Förderziele, die damit erreicht werden sollen.
Möglicherweise wären also agrarpolitische Ziele, welche die bäuerlichen Arbeitsplätze und eine umweltschonende Bewirtschaftung förderten, wesentlich sinnvoller, als unsere Steuern in Maschinen, Landschaftsdegradierung, Maschinisierung, Überdüngung und Pestizide zu versenken.
«Verlust des Dieselprivilegs», Ausgabe vom 18. Juni
