Wachstum als Selbstzweck?
Leserbrief
Bevölkerungswachstum überall, in allen Oberländer Gemeinden und im ganzen Kanton. Und das nicht erst seit Kurzem, nein, schon seit rund 100 Jahren wächst die Bevölkerung mit einer Rate von einem Prozent pro Jahr.
Kein Wunder, kommen wir kaum hinterher mit dem Bau von Wohnungen und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Aber auch kein Wunder, dass damit der Flächenverbrauch für Siedlung und Verkehr, der Material- und Energieverbrauch sowie die Abfallproduktion ständig anwachsen. Das Dumme an dieser Entwicklung ist nur, dass diese zunehmenden Ansprüche und Verbräuche im Ungleichgewicht mit den vorhandenen natürlichen Lebensgrundlagen stehen. Das Beispiel Boden und Ernährung zeigt das: Vor 100 Jahren lebten eine halbe Million im Kanton, und jeder Mensch hatte durchschnittlich die Mindestgrösse von knapp 2000 Quadratmetern Kulturland zur Verfügung. Heute zählen wir 1,6 Millionen und müssten theoretisch noch von 430 Quadratmetern leben. Das reicht bei Weitem nicht, und bis 2050 geht das kantonale Amt für Raumentwicklung sogar von zusätzlichen 400 000 Menschen aus.
Da wir heute schon im Verhältnis 4 zu 1 über der verfügbaren Umweltkapazität leben, geht das nur noch stärker auf Kosten anderer Regionen und künftiger Generationen. Vielleicht sollten wir uns bei den anstehenden Ortsplanungsrevisionen nicht nur Gedanken über neue Baugebiete und Verdichtungen machen?
