Demokratie verteidigen
Leserbrief
Die politische Elite von Uster argumentiert zurzeit mit Leidenschaft gegen Nänikon, Werrikon und Greifensee und für ein Gross-Uster. Ihre Argumente zeigen allerdings sehr schön, was in dieser Diskussion schiefläuft. Sie bestärken Werrikon und Nänikon darin, von Uster wegzuwollen. Und sie beerdigen die sowieso kaum vorhandene Lust von Greifensee, mit dem grossen Nachbarn zu fusionieren. Denn grob gesagt hört man nur zwei Argumente.
Erstens wird behauptet, eine Abspaltung der beiden Aussenwachten von Uster wäre gegen die Interessen der restlichen Stadt. Mal ganz abgesehen davon, dass für diese Behauptung bis jetzt keine Beweise vorgelegt wurden. Es ist bezeichnend, wer in diesem Argument nicht vorkommt: die Näniker und die Werriker. Was sind ihre Interessen? Egal. 90 Prozent von ihnen wollen den Gemeindewechsel ernsthaft prüfen? Interessiert im Ustermer Stadthaus keinen.
Zweitens wird behauptet, dass grössere Gemeinden grundsätzlich effizienter seien. Für dieses Argument hat man in Greifensee mit seiner schlanken, effizienten Verwaltung und seinem tieferen Steuersatz verständlicherweise nur ein müdes Lächeln übrig. Zwar stimmt es, dass die Gemeinde Greifensee punktuell und erfolgreich mit ihren Nachbarn zusammenarbeitet. Nicht nur mit Uster, sondern zum Beispiel auch mit Schwerzenbach oder Volketswil. Das ist echte Demokratie: Welches die beste Lösung für eine Gemeinde mit dörflichem Charakter wie Greifensee/Nänikon/Werrikon ist, wird vor Ort entschieden und nicht in einem fernen Stadtparlament.
