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Demokratie verteidigen

Sollen Nänikon und Werrikon zu Greifensee oder Uster gehören? Diese Frage beschäftigt einen Leser.

Foto: Simon Grässle

Demokratie verteidigen

Leserbrief

Ueli Sonderegger

Greifensee

Die politische Elite von Uster argumentiert zurzeit mit Leidenschaft gegen Nänikon, ­Werrikon und Greifensee und für ein Gross-Uster. Ihre Argumente zeigen allerdings sehr schön, was in dieser Diskussion schiefläuft. Sie bestärken Werrikon und Nänikon darin, von Uster wegzuwollen. Und sie ­beerdigen die sowieso kaum vorhandene Lust von Greifensee, mit dem grossen Nachbarn zu fusionieren. Denn grob gesagt hört man nur zwei Argumente.

Erstens wird behauptet, eine Abspaltung der beiden Aussenwachten von Uster wäre gegen die Interessen der restlichen Stadt. Mal ganz abgesehen ­davon, dass für diese Behauptung bis jetzt keine Beweise vorgelegt wurden. Es ist bezeichnend, wer in diesem Ar­gument nicht vorkommt: die Näniker und die Werriker. Was sind ihre Interessen? Egal. 90 Prozent von ihnen wollen den Gemeindewechsel ernsthaft prüfen? Interessiert im ­Ustermer Stadthaus keinen.

Zweitens wird behauptet, dass grössere Gemeinden grundsätzlich effizienter seien. Für dieses Argument hat man in Greifensee mit seiner schlanken, effizienten Verwaltung und seinem tieferen Steuersatz verständlicherweise nur ein müdes Lächeln übrig. Zwar stimmt es, dass die Gemeinde Greifensee punktuell und erfolgreich mit ihren Nachbarn zusammen­arbeitet. Nicht nur mit Uster, sondern zum Beispiel auch mit Schwerzenbach oder Volketswil. Das ist echte Demokratie: Welches die beste Lösung für eine Gemeinde mit dörflichem Charakter wie Greifensee/Nänikon/Werrikon ist, wird vor Ort entschieden und nicht in einem fernen Stadtparlament.

Denn was die Ustermer Regierung angeht, gilt leider nach wie vor, was der Kommentator des ZO/AvU kürzlich sehr treffend zusammengefasst hat: «Uster versteht seine Dörfer nicht.» Bleibt anzufügen: Es kann sie nicht verstehen, denn die Lebensrealität ist einfach zu verschieden.

Es hat damals jahrzehntelang gedauert, bis die Bevölkerung von Adelboden eingesehen hat, dass es sie nichts angeht, ob das ferne Moutier zum Kanton Bern oder zum Jura gehören will. Seien wir aber zuversichtlich, dass die Niederustermer da heute sehr entspannt unterwegs sind und die demokratischen Rechte der Näniker und der Werriker respektieren. Zu hoffen ist, dass sie auch ihren Politikern Beine machen, damit diese in einen ernsthaften Dialog mit Greifensee, Nänikon und Werrikon treten.

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