Persönlicher Blick auf Windkraft
Leserbrief
Unsere Fähre verliess an einem sonnigen Nachmittag den Hafen von Liverpool mit Kurs auf Douglas, Isle of Man. Schon bald verschwand die Küste Englands hinter dem Horizont. Unerwartet für uns Fremde tauchte bald ein riesiger Windpark auf offenem Meer auf. Hunderte gewaltige Windturbinen standen in Reih und Glied, so weit das Auge reichte, schnell drehten sich ihre riesigen Flügel. Ich und meine Schweizer Reisebegleiter waren fasziniert, und seit diesem Tag bin ich ein Bewunderer dieser, wie es scheinen will, Perpetua mobilia, die 24 Stunden an 365 Tagen Energie liefern. Weit draussen, für keinen Menschen, kein Tier hör- und sichtbar.
Ich stehe vor meinem Haus auf dem Unterbachtel, das vor über 300 Jahren erbaut wurde und seit Generationen unser Zuhause ist, und blicke über den Obersee auf den Glärnisch. Der Frieden trügt: Jeder von uns hat «seinen schönsten Platz» auf dieser Welt. Für mich ist es das Bachtelhörnli, etwas über 300 Meter südlich von unserem Hof. Mein Ort der Kraft. Hier, genau hier soll eine Windmaschine errichtet werden, so, wie in der Irischen See, nur sehr viel grösser, ja, fast so gross wie der Eifelturm.
Durch unsere Wälder und Auen am Bachtel, dem geschützten Naherholungsgebiet, müsste eine Piste gebaut werden, damit Schwertransporter die gewaltige Maschine auf den Berg transportieren können, nachdem in ein riesiges Loch 3000 Tonnen Eisenbeton gegossen wurden.
Die Piste wird bestehen bleiben, damit die Maschine unterhalten werden kann. Meine Welt wäre nicht mehr die- selbe, mein Bachtel wird zum Industriegebiet. Und all das kann über unsere Köpfe entschieden werden? Auch meine Schweiz wäre nicht mehr dieselbe.
In einem demokratischen Prozess zu unterliegen und seine eigenen Interessen und Bedürfnisse zum Wohl des Volks zurückzustellen, akzeptiere ich demütig. Aber wenn die demokratischen Mittel übergangen werden?
