Windräder im Nebel
Leserbrief
Danke für den sachlichen Beitrag mit dem Beispiel der drei Windräder von Sainte-Croix. Es kamen beide Seiten, Pro und Kontra, zu Wort. Die gezeigte Schwachwind-Nebelschwaden-Fotografie mit den drei unscharfen Windturbinen ist sehr rücksichtsvoll: Der Konflikt mit der Umgebung wird weichgezeichnet. Bei klarem Wetter wäre die Brutalität dieser Installation in der Hügellandschaft unübersehbar. Aber an einen solchen Anblick werden auch wir uns gewöhnen müssen, wenn das neue Stromgesetz angenommen wird. Es ist doch bizarr: Da ist jene Pfadi-Hütte im Wald, die wegen einer nach Jahren plötzlich geforderten Baubewilligung zum Entsetzen der Pfadfinder definitiv abgebrochen werden musste, weil die geltenden Vorschriften auch beim besten Willen keinen Ausweg boten.
Da ist die Oberlandautobahn, die wegen des Naturschutzgesetzes in flachem Gelände unterirdisch gebaut werden muss, damit man sie nicht sieht. Weitherum unübersehbar wären aber 120 geplante Oberländer Windturbinen. Im optischen Vergleich dazu können die oft inbrünstig bekämpften und viel kleineren Handy-Antennen gerne vernachlässigt werden. Der Bau einer Windkraftanlage ist ein gigantisches Unternehmen. Um die bis zu 240 Meter hohen Türme (das entspricht sechsmal der Höhe des Walds; eine ausgewachsene Tanne misst 40 Meter) im Boden verankern zu können, muss eine unglaubliche Menge an Material verbaut werden. Zur Stabilisierung der Statik werden pro Windturbinenturm bis zu 10 000 Tonnen Beton als Fundament im Boden versenkt. Mit so viel Beton kann man bis zu 20 Einfamilienhäuser bauen. Die Wald-Eingriffsfläche beträgt 4000 Quadratmeter pro Anlage – das wäre dann so viel wie für 150 verbotene Pfadi-Hütten. Mein Fazit: Stromgesetz nein.
«Die Windräder drehen, der Widerstand bleibt», Ausgabe vom 13. Mai
