Hohe Mieten als Treiber für Bodenpreise
Leserbrief
Am 11. April titelt der ZO/AvU in grossen Lettern «Bodenpreise treiben die Mieten hoch». Die Aussage stützt sich auf die massiven Mietanstiege einer Zürcher Baugenossenschaft, die diese mit der sogenannten Kostenmiete begründet. Diese ist ein hochkompliziertes, akademisches Konstrukt. Aber die Aussage ist, ökonomisch betrachtet, völlig falsch. Zwei Faktoren treiben die Bodenpreise. Zum einen handelt es sich beim Boden um ein knappes Gut. Und wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, dann steigen die Preise; das ist das Gesetz des Markts. Als Beispiel diene das Wasser.
1000 Liter hochwertiges Trinkwasser kosten 4 Franken, weil es (noch) viel Trinkwasser gibt. 1000 Liter Mineralwasser kosten 500 Franken, weil es die Krämer als knappes Gut darzustellen vermögen. So spielt der Wassermarkt. Und der andere Preistreiber sind die erzielbaren Erträge, die Mieten und die Renten. Je höher diese sind, desto höhere Landpreise sind die Folge.
An der kürzlich in dieser Zeitung gezeigten Entwicklung in Pfäffikon ablesbar: die Huber+Suhner AG verlegt ihre industrielle Tätigkeit aus der «Fabrik am See» in den Witzberg. Industrieland ist billiger als Wohnbauland. Mieter und Hauseigentümer bezahlen mehr als gewerbliche Nutzer. Die zwei Hektaren der Huber+Suhner AG am See haben einen sehr hohen emotionalen und Nutzwert; Seesicht, Alpensicht, Lärmbelastung und Verkehrsanbindung sind perfekt. «Rente der Lage» nennt das der Ökonom. Die millionenteuren Miet- und Eigentumswohnungen werden wie warme Weggli weggehen und den Landpreis in astronomische Höhen katapultieren. Die Huber+Suhner AG gewinnt viele Millionen an der Wertsteigerung des Bodens, und die Gemeinde Pfäffikon gewinnt Millionen in Form der Grundstückgewinnsteuer mit.
«Hohe Mieten treiben die Bodenpreise hoch» muss der Titel heissen.
«Bodenpreise treiben die Mieten hoch», Ausgabe vom 11. April.

