Landverkauf steht quer in der Landschaft
Heinz Girschweiler, Nänikon
Da reibt sich der aussenstehende Beobachter verwundert die Augen: Während landauf, landab immer mehr Gemeinden beschliessen, prinzipiell keinen kommunalen Boden mehr zu verkaufen, wollen das Illnau-Effretiker Stadtparlament und der Stadtrat das Grundstück Alter Werkhof verkaufen. Nicht zu einem tiefen Preis mit Auflagen, nicht zu einem moderaten, sondern ausdrücklich ohne jede Auflage zum maximal erzielbaren Preis, wie es eine Initiative von SVP und FDP verlangt.
Kommt der Verkauf auf diese Art zustande, so scheinen die Folgen klar: Auf dem teuerst möglichen Boden werden teuerst mögliche Wohnungen entstehen, weil wohl renditeorientierte Investoren zulangen werden. Von verantwortungsvollen Politikerinnen und Politikern dürfte man Besseres erwarten. Die Abgabe im Baurecht etwa mit klaren Auflagen und Kostenmiete. Nur wer den gemeinnützigen Wohnungsbau stärkt, erzeugt Druck auch auf die Marktpreis-Angebote.
Die verkaufen gar nichts
Alles sozialistisches, linksgrünes Gedankengut? – mitnichten. Seit Jahrhunderten agieren Alpgenossenschaften in den Schweizer Stammlanden und Burgergemeinden in diversen Städten nach diesem Prinzip. Sie verkaufen gar nichts, sondern vergeben an ihren Ländereien Nutzungsrechte.
Mit den kontinuierlichen Einnahmen betreiben sie zum Beispiel Altersheime oder sponsern Kulturelles. Kurzfristige Gewinnmaximierung sieht anders aus – siehe Illnau-Effretikon.
«Das Grundstück Alter Werkhof in Effretikon soll ohne Auflagen verkauft werden», Ausgabe vom 6. September und Leserbrief «Günstiger Wohnraum? – zu teuer für die Stadt», Ausgabe vom19. September