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Im «Gwunderland» in Dübendorf

Hier muss man genau hinschauen, um die Kunst zu entdecken

In der Oberen Mühle bekommen Künstler den wohl winzigsten Ausstellungsraum im Land zur Verfügung gestellt. Das scheint sie angespornt zu haben, denn die Werke überborden fast vor Kreativität.

Dieses Jahr ergänzen rund 20 kleine Chalets das «Gwunderland» vor der Oberen Mühle. Wer durch die Gucklöcher schaut, kann in fremde Welten entführt werden.

Foto: Fiorella Koch

Hier muss man genau hinschauen, um die Kunst zu entdecken

Im «Gwunderland» in Dübendorf

Bei der Oberen Mühle in Dübendorf bekommen Künstler den wohl winzigsten Ausstellungsraum im Land zur Verfügung gestellt. Das scheint sie angespornt zu haben, denn die Werke überborden fast vor Kreativität.

Diesen Winter hat die Obere Mühle eine Kunstausstellung der etwas anderen Art lanciert. In kleinen Holzkisten können Künstler ihre Werke zum Thema «Verborgene Welten» präsentieren. Die Boxen werden je zu viert in rund 20 kleinen Holzchalets mit Gucklöchern im Winterdorf «Gwunderland» noch bis zum 18. Januar zu sehen sein.

Die Ausstellung zeigt eine Diversität sondergleichen. Neben selbst gebastelten Phantasiewelten, die Wimmelbildern gleichen, finden sich Skulpturen wie zum Beispiel von Einhörnern (natürlich von Dübendorfer Künstlern), abstrakten Witzen (eine verschnittene Kantonsflagge auf einem Teller, als Züri-Gschnätzlets betitelt), aber auch Auseinandersetzungen mit nachdenklichen Themen wie zum Beispiel einer Arktis-Szene, in der ein Eisbär auf einem schmelzenden Eisberg balancieren muss.

«Wie Mäuse Weihnachten feiern» von Ursula Christen, Dübendorf

Wenn das Gefühl von Weihnachten Gestalt annehmen würde, dann mit diesem Werk. Mit einem unglaublichen Sinn fürs Detail hat die Künstlerin eine kleine Mäusefamilie gestrickt, mitsamt zwei Kindern auf einem Schaukelpferd und einer strickenden (wie ironisch: doppelt gestrickt) Oma. Die Szene mit gebastelten Miniaturmöbeln, einem gewebten Teppich und Dekoration ist mit so viel Liebe kuratiert, dass man sich am liebsten gleich dazusetzen möchte.

«Bhairav Nightmare» von Christoph Schmid, Dübendorf

Dieses Werk entführt den Betrachter in eine Traumwelt. Auf den ersten Blick erscheint sie idyllisch, ein glänzender, mit Spiegeln gesäumter Weg führt durch eine Winterlandschaft, in der Miniaturen spazieren und sich mit Schlitteln vergnügen. Doch der Weg führt auf einen grossen Spiegel zu, der die Illusion einer weiterführenden Welt schafft. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man in der Spiegelwelt Bhairav, die zerstörerische Inkarnation des Hindu-Gottes Shiva. Die Fratze ist perfide an der Rückseite der Box befestigt und nur durch den Spiegel erkennbar.

«In Bewegung» von Monika Rutschi, Fällanden

Wenn Alberto Giacomettis berühmte Bronzeskulpturen, wie sie auf der alten 100er-Note zu sehen waren, Sportler wären, dann würden sie wohl so aussehen. Die lang gezogenen, schlaksigen Figuren treiben in einem silbern glänzenden Raum Sport. Auch wenn sie sich für den Betrachter still halten, scheinen sie so, als ob sie mit ihren langen Gliedern im nächsten unbeobachteten Moment den Ball ins Weite schiessen würden.

«The mind of a teenage girl» von Aline Brügger, Uster

Diese Künstlerin hat in einer kleinen Box sehr bildstark dargestellt, wie es ist, als pubertierendes Mädchen die Welt zu erleben. Der Raum ist zwar mit pinken Farbspritzern getränkt, aber auch mit herausragenden Nägeln durchstochen. Laptop, Handy und Kopfhörer sind willkürlich im Raum verteilt, aber eine geöffnete Tür offenbart mit der Aufschrift «YOUR FUTURE» den Blick auf eine brennende Erdkugel. An der Wand hängen rosa Kleider und rote High Heels, aber auf dem Schminkspiegel steht: «not pretty enough», nicht hübsch genug. Typisch kitschig, aber berührend ehrlich.

«Kukkamuu» von Taina Thoma, Zürich

Manchmal muss man sich von der realen Welt so weit wie möglich entfernen und sich einer Phantasiewelt hingeben. Das hat diese Künstlerin gemacht und fünf kleine Wesen geschaffen, mit farbbespritzten Körpern, glitzernden Augen, Kugeln, Perlen und Sternen auf der Haut und einer wild wuchernden Frisur aus Blumen, Pfeifenputzern und Stoff. Die Spiegel in der Box geben die Illusion einer kleinen Herde dieser lustigen Dinger, die dem Betrachter mit euphorischer Lebensfreude entgegengrinsen.

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