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Kultur

Filmabend im Freien in Rikon

«Der Winter verleiht dem Open-Air-Kino seinen ganz eigenen Charme»

Kommenden Samstag findet auf dem Spielwerkplatz in Rikon zum 16. Mal das Winter-Open-Air-Kino des Vereins Schöntalkino statt. Vorstandsmitglied Conni Stüssi erzählt im Interview, warum dort auch bei Kälte ein Film läuft.

Seit dem Jahr 2010 führt der Verein Schöntalkino neben dem Sommer- auch ein Winter-Open-Air-Kino durch. (Archiv)

Foto: privat/Severin Kolb

«Der Winter verleiht dem Open-Air-Kino seinen ganz eigenen Charme»

Filmabend im Freien in Rikon

Kommenden Samstag findet auf dem Spielwerkplatz in Rikon zum 16. Mal das Winter-Open-Air-Kino des Vereins Schöntalkino statt. Vorstandsmitglied Conni Stüssi erzählt im Interview, warum dort auch bei Kälte ein Film läuft.

Die Menschen kuscheln sich in Wolldecken, wärmen ihre Hände an heissen Getränken, entspannen in dampfenden Badewannen und geniessen Risotto und Salat. Auf der Leinwand flimmert der Film «Last Dance» – eine feinfühlige, mal komische, mal tragische Geschichte über den 75-jährigen Germain, der nach dem Tod seiner Frau im zeitgenössischen Tanz neuen Lebensmut findet.

So oder ähnlich könnte es diesen Samstag beim Winter-Open-Air-Kino des Vereins Schöntalkino auf dem Spielwerkplatz in Rikon zu erleben sein. Im Interview erzählt Vorstandsmitglied Conni Stüssi, was es mit den Badewannen auf sich hat und warum sich ein Besuch lohnt.

Open-Air-Kinos im Sommer gibt es ja mittlerweile en masse, auch der Verein Schöntalkino organisiert seit 2004 jährlich eines. Seit 2010 veranstalten Sie – eher ungewöhnlich – zusätzlich ein Winter-Open-Air-Kino. Wie kam es zu dieser Idee?

Conni Stüssi: Eine Veranstaltung pro Jahr war uns auf Dauer einfach zu wenig. Wir wollten mehr. Die Idee, dass Kino auch im Winter unter freiem Himmel veranstaltet werden kann, hatte bereits das Kino Xenix in Zürich, das jeweils am 24. Dezember Filme draussen präsentiert. Dieses Format hat uns angesprochen, weil viele von uns gerne draussen sind oder im Freien arbeiten. Der Winter ist für uns kein Hindernis, sondern verleiht dem Open-Air-Kino seinen ganz eigenen Charme.

Wieso hat sich der Verein dieses Jahr für «Last Dance», einen Feelgood-Film der Schweizer Regisseurin Delphine Lehericey, entschieden?

In unserem Verein gibt es eine Film-Auswahlgruppe, die entscheidet, was gezeigt wird. Dabei geht es weniger darum, was beim Publikum besonders beliebt sein könnte, sondern darum, was wir selbst spannend finden. Meist sind das Filme, die nur kurz im Kino liefen, weil sie kommerziell nicht erfolgreich waren. Früher zeigten wir im Winter vor allem alte Schweizer Werke, deren Kopien schwer zu bekommen waren. Heute präsentieren wir zwar weiterhin Schweizer Produktionen, aber aktuellere, denn wir sind vor gut vier Jahren vom analogen Film auf digitale Formate umgestiegen.

In einem Interview mit dem ehemaligen Vereinsmitglied Manuel Lindt hiess es, Ihr Verein setze bewusst nicht auf Kassenschlager. Wen möchten Sie mit Ihrem Programm ansprechen?

Wir haben keine spezifische Zielgruppe. Bei uns sind alle willkommen.

Manuel Lindt hat damals ebenfalls gesagt, dass es beim Schöntalkino nicht nur um den Film geht, sondern auch um das Gesamterlebnis. Was macht dieses Erlebnis konkret aus?

Unser Open-Air-Kino an der Töss ist einfach besonders. Es herrscht eine lockere, gemütliche Stimmung, man steht und sitzt eng beieinander, es ist sehr familiär. Im Winter kommt noch ein grosses Feuer hinzu, an dem sich die Besucherinnen und Besucher wärmen können. Es sieht manchmal fast so aus, als sei die Zeit stehen geblieben. Schliesslich ist es kein kommerzielles Filmfestival, und genau das wird von den Gästen sehr geschätzt.

Auf den Flyern ist eine Badewanne zu sehen. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher genau?

Auf dem Gelände stehen einige Badewannen mit heissem Wasser bereit. Handtuch und Badehose müssen die Besuchenden selbst mitbringen, eine Garderobe gibt es nicht. Von der Wanne aus kann man den Film weiterverfolgen. Nach der Pause wird gewechselt. Und wer keinen Platz im Wasser ergattert, findet ausreichend andere Sitzmöglichkeiten.

Man sieht einen Mann in der Badewanne beim Winterkino.
Wolldecke oder Badewanne, das Publikum hat die Wahl. (Archiv)

Für Samstagabend sind Schnee und tiefe Temperaturen angesagt. Sind Sie wirklich auf alle Wetterlagen vorbereitet?

Ja, auf jeden Fall. Ausser es kommt ein Wintersturm. Wir halten für alle genügend Wolldecken, Wärmeflaschen und Chriesisteisäckli bereit. Letztes Jahr hat es geschneit: Am Ende der Vorstellung fuhren die Autos aus dem Filmstreifen geradewegs in eine sommerliche Landschaft in Südfrankreich, während vor der Leinwand ein paar Flocken fielen. Das war ein grossartiges Bild.

Was möchten Sie Menschen sagen, die noch nie im Schöntalkino waren, aber mit dem Gedanken spielen, vorbeizukommen?

Wer die Kombination aus Natur und Kultur mag, sollte unser Kino auf jeden Fall besuchen. Denn bei uns verschmelzen diese beiden Komponenten zu einer Einheit. Aber Achtung, der Anlass ist nichts für «Gfrörli». (Lacht.)

Zum Event

Die Veranstaltung findet am Samstag, 10. Januar, auf dem Spielwerkplatz in Rikon statt. Ab 17 Uhr gibt es Essen («es hät, solangs hät»), und um 19 Uhr beginnt die Filmvorführung. Der Eintritt zum Winter-Open-Air-Kino ist frei wählbar. In der Pause und am Ende der Vorstellung geht ein Hut herum. Mehr Informationen zur Aufführung gibt es auf schoentalkino.ch. Dort wird auch kommuniziert, falls die Vorstellung abgesagt werden muss. (tin)

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