«Wir setzen bewusst nicht auf die Kassenschlager»
Open-Air-Kino im Tösstal feiert Jubiläum
Das Schöntalkino in Rikon feiert seine 20. Ausgabe. Es ist zugleich die letzte für Mitgründer Manuel Lindt. Im Interview verrät er, was das Kino von anderen unterscheidet. Und warum es nicht alternativ sein will.
Ab Donnerstagabend steigt in Rikon die Jubiläumsausgabe des Schöntalkinos. Am diesjährigen «Freiluftfilmerlebnis» kommt es zu einem Novum: An zwei der drei Abende dürfen die Besucher den gezeigten Film selbst wählen.
Manuel Lindt, Sie gehören zu den Gründern des Vereins Schöntalkino. Dieses Jahr feiert das Kino sein 20-Jahr-Jubiläum. Was war die bisher grösste Panne in der Geschichte?
Manuel Lindt: Wir haben schon alles Mögliche erlebt. Ich erinnere mich an ein Jahr, da stand unsere Bar 30 Zentimeter unter Wasser, weil es so fest geregnet hat. Wir mussten die Besucher – zum Glück nicht viele – mit Wägeli zur Bar chauffieren. Ein anderes Mal mussten wir den Film pausieren, weil der Sturm die Leinwand beinahe umwehte.
Das «Freiluftfilmerlebnis» ist eine feste Grösse im Kulturangebot im Tösstal. Wie ist es entstanden?
Begonnen hat alles mit Menschen aus dem Winterquartier des Circolino Pipistrello, die einfach Lust hatten, zusammen draussen Filme zu schauen. Das war 2004, damals noch in ganz kleinem Rahmen: mit einem Feuer und einem 16-Millimeter-Analogprojektor, der die Filme aus einem Wohnwagen heraus an eine Leinwand projizierte. Der Anlass konnte über die Jahre organisch wachsen, sodass wir einige Jahre später den Verein Schöntalkino gegründet haben. Dass wir im Winterquartier in Rikon nach wie vor das Gastrecht geniessen, schätzen wir sehr.
Open-Air-Kinos gibt es in Hülle und Fülle, so auch am Pfäffiker- und am Greifensee. Was hebt Sie von anderen ab?
Das Ambiente – zwischen Zirkuswagen, mitgestaltet auch von den Menschen, die hier leben – ist das, was uns ausmacht. Es geht bei uns nicht primär um den Film, nicht nur ums Kino an sich, sondern vielmehr um das Erlebnis: Das fängt beim Film an, reicht über das Rahmenprogramm und endet beim Essensangebot, das wir auf den jeweiligen Film abstimmen. Als Verein sind wir zudem nicht gewinnorientiert.
Sie bieten also ein alternatives Open-Air-Kino?
Damit bin ich vorsichtig. Beim Wort «alternativ» hat man oft gewisse Vorstellungen. Das könnte auch einige Leute abschrecken. Wir wollen nicht in Schubladen denken, sondern alle ansprechen, die Freude an Filmen und einem geselligen Abend mit Menschen haben.

Die Filme, die Sie zeigen, sind aber mehr als alternativ.
Vielleicht ist «authentisch» das treffendere Wort. Das Kinoprogramm ist so, wie wir als Organisatoren ticken. Wir setzen bewusst nicht auf die Kassenschlager, auch wenn wir damit vielleicht viele Leute anlocken würden. Sondern eher auf Liebhaberfilme und Klassiker, die uns auch persönlich gefallen.
Dieses Jahr können die Besucher an zwei von drei Tagen aus jeweils zwei Filmen auswählen. Konnten Sie sich nicht entscheiden?
Als es darum ging, uns etwas Besonderes zum Jubiläum zu überlegen, musste ich an eine Kindheitserinnerung denken. Damals lief an Sonntagen im Sommer jeweils ein Wunschprogramm im Fernsehen. Da konnte man anrufen und abstimmen, welcher Film am Abend nach den Nachrichten läuft. Wir haben beschlossen, das auszuprobieren, und haben aus allen Filmen, die wir in den letzten 19 Jahren gezeigt haben, eine Vorauswahl getroffen. Am Samstag zeigen wir dann einen fix eingeplanten Film – eine kleine Perle, in der es viel um Bewegung, Begegnungen, Tanz und das Anderssein geht.
Plötzlich kommt jemand mit einem Instrument um die Ecke und spielt vor dem Filmstart noch ein paar Stücke.
Manuel Lindt
Mitgründer Verein Schöntalkino
Wie wählen Sie Filme aus, wenn Sie den Entscheid nicht ans Publikum delegieren?
Innerhalb des Vorstands haben wir eine Filmgruppe. Jeder bringt Vorschläge ein. Wir schauen uns alle Filme an und diskutieren – teils auch kontrovers – darüber, bis wir einen Konsens finden. Dabei hat jedes Mitglied ein Vetorecht, wenn ihm ein Film gar nicht zusagt.
Was erwartet die Besucher der Jubiläumsausgabe sonst noch?
Am Samstag nach dem Film veranstalten wir eine Filmmusik-Disco mit Bar und Tanzfläche. Und so, wie ich uns kenne, wird es bestimmt auch an den weiteren Tagen den einen oder anderen Programmpunkt geben. Wir sind da sehr spontan: Plötzlich kommt jemand mit einem Instrument um die Ecke und spielt vor dem Filmstart noch ein paar Stücke.
Bislang zeigten Sie alle Filme analog, also ab Filmrolle. Ab diesem Jahr nur noch digital. Warum?
Analoge Filme haben einen ganz besonderen Charme – wenn es knistert und flackert, macht das etwas mit den Zuschauern. Leider ist das heutzutage auch eine Preisfrage. Seitdem die ganze Filmbranche vor zehn Jahren auf digital umgestellt hat, ist es sehr schwierig geworden, an analoge Kopien heranzukommen. Viele Verleiher geben sie gar nicht mehr heraus. Alles, was nach 2013 in die Kinos kam, ist analog gar nicht mehr verfügbar. Auch deshalb haben wir uns entschieden, auf digitale Filme umzusteigen.

Nach dieser Ausgabe beenden Sie Ihr Engagement im Vorstand. Wie geht es weiter, wenn Sie weg sind?
Ich und zwei weitere Gründungsmitglieder sind zum Entschluss gekommen, dass wir jetzt kürzertreten wollen, auch um Platz für neue Gesichter zu machen. Wir bleiben dem Verein bei Bedarf als Helfer erhalten. Ich schaue freudig in die Zukunft. Der neue Vorstand soll frei in seine Richtung gehen können – ohne jeglichen Anspruch, dass alles so weitergeht wie bisher. Das Leben ist Veränderung, wie man so schön sagt.
Das Schöntalkino findet vom Donnerstag 13. Juli bis Samstag 15. Juli im Winterquartier des Circolino Pipistrello in Rikon statt. Weitere Informationen und Tickets gibt es unter www.schoentalkino.ch.