«Ich glaube nicht an übernatürliche Fähigkeiten bei Menschen»
Gedankenleser Tobias Heinemann tritt in der Oberen Mühle in Dübendorf auf. Im Interview erzählt er, dass Männer schlechte Lügner sind und weshalb er nicht aufs Pokern setzt.
Guten Tag Herr Heinemann, muss ich meine nächste Frage selber stellen, oder haben Sie sie schon in meinen Gedanken gelesen?
Tobias Heinemann: Ja, es ist die übliche Einstiegsfrage, die mir in Interviews gestellt wird.
Wirklich? Und ich dachte, ich sei besonders originell. Sind Sie bereits genervt von dieser Frage?
Nein, es gehört dazu.
Und wie lautet die übliche Antwort?
Was ich mache, ist nichts Übernatürliches. Ich glaube auch nicht an übernatürliche Fähigkeiten bei Menschen.
Männer lügen grundsätzlich mehr, aber schlechter als Frauen.
Wie funktioniert das Gedankenlesen bei Ihnen?
Es sind verschiedene Techniken, die ich verwende. Manchmal mache ich es über den Körperkontakt. Ich halte beispielsweise eine Person am Handgelenk und stelle ihr Aufgaben oder Fragen. Dann spüre ich, ob die Person ja, nein oder vielleicht denkt.
Zur Person
Tobias Heinemann führt als Mentalist und Gedankenleser auf der Bühne, im Fernsehen oder an Firmenanlässen weltweit seine Nummern auf. Der 53-jährige Zürcher erlangte unter anderem in der SRF-Fernsehserie «Der Gedankenjäger» nationale Berühmtheit. Heinemann hat in London Schauspielerei studiert. Als Hobby macht er Judo. In dem Sport hat er es bis zum zweiten Dan gebracht. Am 9. Januar feiert Heinemann mit seinem neuen Programm «The Story» Premiere in der Oberen Mühle. Tickets und weitere Infos sind unter www.oberemuehle.ch zu finden.
Sie fühlen den Puls der Leute?
Nein, ich kann es auch nicht genau sagen. Es ist immer etwas anderes und sehr individuell. Ich kann bei einer Person ziemlich schnell spüren, ob das ein Ja ist oder ein Nein. Oder ich stelle verschiedene Fragen, die jemand in Gedanken beantwortet. Aufgrund der Reaktion oder des Umstands, wie ich die Person einschätze – es kommen manchmal mehrere Sachen zusammen –, kann ich einschätzen, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Manchmal dauert das ein bisschen länger. Es gibt zum Beispiel nonverbale Signale, die aus unseren Grundemotionen ausgelöst werden. Grundemotionen wie Freude, Angst, Überraschung, Wut, Ekel und Trauer drücken wir alle im Moment des Gedankens und des Erlebens gleich aus.
Und die kann man so einfach ablesen?
Man braucht eine gute Beobachtungsgabe. Darwin war der Erste, der das entdeckt hat.
In Ihren Shows sind Sie auf Freiwillige aus dem Publikum angewiesen. Gibt es Personen, die sich nicht für Ihre Nummern eignen?
Nein, grundsätzlich nicht. Aber es gibt natürlich Personen, die geeigneter für gewisse Experimente sind.
Haben Sie ein Beispiel?
Wenn ich versuche, über meine Körpersprache oder Sprache mein Gegenüber psychologisch zu lenken, dann ist dies bei Männern generell einfacher. Sie reagieren sturer und verlassen einen eingeschlagenen Weg selten.
Das heisst, Männer sind ehrlicher?
Nein. Männer lügen grundsätzlich mehr, aber schlechter als Frauen.
Meine zweite Frage wäre übrigens gewesen, wie oft Sie in Ihrem Bekanntenkreis darum gebeten werden, eine Nummer aufzuführen.
Früher habe ich es immer zu Übungszwecken gemacht, aber jetzt eigentlich nur noch bei einem Engagement – ausser ich teste gerade etwas.
Spielen Ihre Freunde noch Ratespiele mit Ihnen?
Ich versuche, bei Gesellschaftsspielen nicht meine Fähigkeiten einzusetzen. Aber beispielsweise bei Activity kann ich das nicht abschalten und finde sehr schnell, was jemand darstellt. Beim Jassen stelle ich aber keine Fragen, um herauszufinden, welche Karten jemand hat. Ich spiele einfach.
Apropos Karten: Als Pokerspieler würden Sie bestimmt reich werden.
Ich habe schon ein paar kleinere Turniere gespielt und gewonnen. Das ist aber lange her. Im Heads-up, also am Schluss gegen eine einzelne Person, habe ich natürlich viele Vorteile, aber bei den ersten Runden ist Statistik wichtiger. Die Livespiele sind heutzutage fast so wie Onlinespiele. Dies ist nicht spannend für mich.
In der Oberen Mühle feiern Sie Premiere mit Ihrem neuen Programm. Was darf das Dübendorfer Publikum erwarten?
Ich führe komplett neue Experimente durch. Das Prinzip mit Gedankenlesen, dem Erkennen von Lügen, Suggestionen oder Gedächtnisnummern bleibt aber erhalten.