Tragödie in Crans-Montana hat Einfluss auf Feuerkunst-Shows im Oberland
Abgesagt und abgeändert
Die Katastrophe im Walliser Skiort Crans-Montana hat die Nation schockiert. Und beeinflusst die Wahrnehmung von Feuer im Kunst- und Kulturbereich. Das zeigt sich beispielhaft an Feuerkunst-Events in der Region.
«Glitzer, Glanz und Feuertanz» – unter diesem Titel tourt das Oberländer Künstlerduo Herz-Feuer um Lisa Bögli und Andreas Schwarzer aktuell durch das Land. Bei der Inszenierung gehen Seifenblasen einen «Tanz mit dem Feuer» ein. Auch in der Region machen die beiden halt. Nach Shows in Rüti, Kollbrunn und Wermatswil stehen an weiteren Orten «poetische Feuershows» auf dem Plan – in Dübendorf, Effretikon und Hinwil.
Doch die Brandkatastrophe von Crans-Montana in der Silvesternacht überschattet die Tournee. Nahezu grotesk mutet es heute an, wenn im Beschrieb der Veranstaltung vom «tanzenden, wilden und manchmal auch übermächtig scheinenden Feuer» die Rede ist.
Ein Veranstalter hat wegen der aktuellen Ereignisse bereits Konsequenzen gezogen. Der Stiftungsrat des Kulturlokals Obere Mühle in Dübendorf hat die für vergangenen Sonntagnachmittag angedachte Show abgesagt, «aus Rücksicht und Respekt vor den Opfern und ihren Familien», wie es auf der Website heisst.
Show beginnt mit Schweigeminute
Anders sieht es hingegen in Effretikon aus, wo das Duo am 11. Januar auf dem Märtplatz auftreten soll. Nur wenige Meter vom Stadthaus entfernt, wo die Fahnen auf halbmast hängen. Organisiert wird der kostenfreie Event vom Verein Forum 21, der sich in der Stadt für nachhaltige Entwicklung einsetzt.
«Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht», lässt sich der Veranstalter in einer Mitteilung zitieren. Feuer sei Freund und Feind zugleich, spende es doch auch Wärme und Licht. Vor diesem Hintergrund habe man sich entschieden, den Event nicht abzusagen. Allerdings soll die Aufführung mit einer Schweigeminute für die Opfer von Crans-Montana beginnen.

«Das Geschehene nehmen wir nicht auf die leichte Schulter», erklärt Christine Gerber Wüst vom Forum 21 auf Nachfrage. Die Vereinsmitglieder seien selbst tief betroffen von der Tragödie im Wallis. Man habe sich gut überlegt, ob es «völlig daneben» sei, die Veranstaltung trotzdem durchzuführen.
Der Verein tauschte sich auch mit dem Künstlerduo aus. «Grundsätzlich haben die Show und das Unglück nichts miteinander zu tun», so Gerber Wüst. «Der Event findet aus gutem Grund im Freien statt – weil sich auch die Künstler bewusst sind, dass vom Feuer ein gewisses Risiko ausgeht.» Sicherheitsbedenken gebe es aber keine, da vertraue man auf die erfahrenen Künstler.
Spekulationen vermeiden
Dass die fröhliche Show mit dem Unglück in Verbindung gebracht werden könnte, ist auch dem Verein klar. «Deshalb auch die Schweigeminute zu Beginn.» In Absprache mit dem Künstlerduo hat der Veranstalter zudem das Programm leicht angepasst.
Um Spekulationen zu vermeiden, soll das Finale, das mit kleineren pyrotechnischen Elementen hätte gestaltet werden sollen, ausbleiben. Auch wenn dieser Teil nicht gefährlicher sei als der Rest der Show. «Es geht nicht um das Risiko, sondern um die Signalwirkung.»
Der Verein rechnet dennoch damit, dass gewisse Leute der Vorführung aus aktuellem Anlass nicht beiwohnen werden. Für Projektleiterin Gerber Wüst ist klar: Hätte der Verein ein Feuerwerk oder Ähnliches geplant, hätte man sich vermutlich anders entschieden und die Show abgesagt.
Anders als bei einem Feuerwerk, das weitherum sicht- und hörbar sei, handle es sich bei «Glitzer, Glanz und Feuertanz» um ein vergleichsweise ruhiges Programm, das auf Poesie, nicht auf Spektakel ausgerichtet sei. «Der Vorteil bei dieser Show ist, dass man dem Event ausweichen kann, wenn es einem nicht wohl ist.»
Event als Raum der Hoffnung
Auch in Hinwil hält man am Event vom 16. Januar fest, wie die Gemeinde auf Nachfrage mitteilt. Die Ereignisse in Crans-Montana seien «zutiefst tragisch», die Gedanken bei den Opfern und Angehörigen. Dennoch wird der Anlass durchgeführt. «Die Gemeinde ist der Ansicht, dass es gerade in dieser dunklen Jahreszeit wichtig ist, einen Raum des Gedenkens, der Hoffnung und der Begegnung zu schaffen», begründet Gemeindepräsident Andreas Bühler (SP).
Aus Pietätsgründen wird aber, wie in Effretikon, die Pyroshow am Schluss aus dem Programm gestrichen. Zu Beginn der Veranstaltung wird ebenfalls eine Schweigeminute abgehalten.
Was die Sicherheit anbelangt, findet man Details in den «Technischen Bedingungen» des Künstlerduos, die sich an die Veranstalter richten. So bringen die Künstler beispielsweise einen Feuerlöscher mit. Die Sicherheit habe oberste Priorität, heisst es im Dokument.
Wie das Künstlerduo Herz-Feuer zu den Änderungen am Programm steht und ob eine Absage weiterer Events im Raum stand, ist nicht klar. Lisa Bögli und Andreas Schwarzer waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Update: Feuerkünstler Andreas Schwarzer nimmt Stellung
«Die tragische Nachricht aus Crans-Montana hat mich zutiefst erschüttert», schreibt Andreas Schwarzer vom Duo Herz-Feuer in einer Reaktion am Freitag. Anders als im Wallis führe man eine erprobte Feuershow im Freien durch.
«Wenn ein Veranstalter uns drei Tage nach so einem Vorfall absagt, respektieren wir das. Ich sehe aber keinen direkten Zusammenhang zu Crans-Montana und halte es für keinen Grund, die Tournee abzusagen», schreibt er und verweist auf die Erfahrung und Professionalität des Duos. «Wir tragen viel Verantwortung und nehmen diese schon seit Beginn unserer Feuerkunst-Shows ernst.»
Die Show und ihr Finale seien mit den nötigen Abständen unbedenklich. Die Platzverhältnisse kläre man jeweils weit im Vorfeld ab. Hinter dem einfach wirkenden Umgang stecke höchste Konzentration und ein Sicherheitskonzept. Dazu hätten sich Bögli und Schwarzer mit anderen Künstlern und Pyrotechnikern ausgetauscht und Kurse bei der Feuerwehr besucht.
Das Duo will Feuershows in Innenräumen aber bewusst jenen vorbehalten, die sich darauf spezialisiert haben. Abschliessend schreibt Schwarzer: «Wir wünschen uns, an den restlichen Tourdaten noch viele Herzen erleuchten zu können. Dann hat sich der enorme Aufwand gelohnt.» (zo)
