Filme zwischen Airbus und Wüste – Wald rollt den roten Teppich aus
Amateur-Filmfestival
Im Schwertsaal in Wald flimmern am Wochenende selbst gemachte Filme über die Leinwand. Das kleine Festival zeigt, wie viel Herzblut und Kreativität in Amateurproduktionen stecken kann.
«Cannes – Berlin – Venedig – Wald: Auch wir können Filmfestival», steht auf der Webseite der Walder Amateurfilmer.
Zugegebenermassen dies in etwas bescheidenerem Rahmen als die grossen europäischen Filmfestivals, jedoch sei der hausinterne Event klein, aber fein.
Zum 54. Mal lädt die Schweizerische Interessengemeinschaft der Film-Amateure (SIFA) zum Amateur-Filmwettbewerb ein. Das Festival findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt. Ausgerichtet wird der traditionsreiche Anlass dieses Mal vom Filmclub in Wald.
Der grosse Unterschied zu anderen Filmfestivals in der Schweiz, wie zum Beispiel den Solothurner Filmtagen oder dem Kurzfilmfestival Winterthur: «Alle Filme kommen ohne Fördergelder oder externe Produzenten aus», betont Susann Morand, die Präsidentin des Walder Filmclubs. Zudem dürfen die Filme nicht länger als 23 Minuten dauern.

Das Festival im Schwertsaal in Wald bietet eine Bühne für Dokumentar- und Spielfilme, die aus purer Leidenschaft entstehen. «Wir machen alles selbst – von der Idee bis zum Schnitt», sagt Morand.
Von fernen Ländern
Selbst Filmemacherin, hat sie in der Vergangenheit vor allem Reisen filmisch festgehalten – zum Beispiel nach Usbekistan, Syrien und Surinam. «Die Landschaft, Kultur und Menschen in fernen Ländern interessieren mich vor allem.»
Dieses Jahr hat sie keinen eigenen Beitrag eingereicht, freut sich aber über die Vielfalt im Programm: vom Besuch im Tierwaisenhaus bis hin zu einer Expedition an einen der gefährlichsten Orte der Welt.
So nimmt etwa Ida Knupps Film «Auf dem Weg zum Hölloch der Schöpfung» das Publikum mit in die Danakil-Wüste im äussersten Nordosten Äthiopiens – ein Ort, an dem brodelnde Vulkane, Schwefelseen und Kamelkarawanen das Bild prägen.
Dokumentation am Flughafen
Ein weiterer Beitrag, «Geben und Nehmen, gleich Gassenküche» von Willi Waser, führt in die Gassenküche Schaffhausen, wo Menschen am Existenzminimum täglich eine warme Mahlzeit erhalten. In «Touchdown to Takeoff» dokumentiert Urs Schadegg minutiös die Abläufe hinter den Kulissen am Flughafen, rund um einen Airbus A330 – vom Moment der Landung bis zum Start. Schadegg hat bis zu seiner Pensionierung bei der SR Technics gearbeitet, und die Aufnahmen dazu seien kurz vor seiner Rente entstanden.
«Die Jüngeren filmen einfach anders als wir», sagt Morand und lacht. Der Anspruch an Schnitt und Qualität habe sich verändert – und ja, der Nachwuchs fehle. «Die Überalterung ist auch bei uns ein Thema.» Doch das tut der Begeisterung keinen Abbruch: Rund 60 bis 110 Filmfreundinnen und -freunde werden im Schwertsaal erwartet, wo die Jury – ebenfalls allesamt erfahrene Rentner – die besten Beiträge kürt.
Zum Vergleich: Während das internationale Kurzfilmfestival Winterthur in den vergangenen Jahren je rund 18’000 Eintritte verzeichnete, bleibt das Walder Pendant bewusst klein. Und genau das, sagt Morand, mache seinen Charme aus.
Dass die Walder Amateurfilmer auf eine lange Tradition zurückblicken dürfen, verdanken sie ihrem Gründer Hans Rudolf Wiget, der den Klub vor 45 Jahren ins Leben rief. Er hat vor allem Aufbauarbeit in der Filmtechnik geleistet. «Viele von uns schneiden auf dem Programm, das Wiget uns empfohlen hat», sagt Morand. Auch viele der diesjährigen Filme stammen aus seiner Schule.
SIFA-Filmfestival 2025 in Wald
Wann: Samstag, 25. Oktober 2025, ab 9.00 bis 18.00 Uhr
Wo: Schwertsaal, Wald ZH
Veranstalter: Schweizerische Interessengemeinschaft der Film-Amateure (SIFA) und Filmclub Wald
Eintritt: frei, Kollekte
Infos und Trailer: www.walder-amateurfilmer.ch / www.sifa-filmer.ch