Das Team der Gemeindebibliothek Fällanden gibt Lesetipps für die Sommerferien
Ein atmosphärischer Dschungel-Thriller, ein Buch im Stil eines Chat-Verlaufs und die Geschichte von einem Mann, der unser aller Leben gerettet hat: Das sind die Empfehlungen für den Lesesommer 2025.
Für Erwachsene

Colin Niel: «Darwyne»
Ein anonymer Anruf wegen Gefährdung des Kindswohls bringt die Sozialarbeiterin Mathurine in den Slum Bois Sec am Rand des Amazonas in Französisch-Guayana. Der Junge Darwyne hat eine leichte körperliche Beeinträchtigung und wirkt sehr verschlossen. Mathurine merkt aber, dass er eine ganz besondere Beziehung zum Wald hinter der kleinen Hütte seiner Mutter hat. Die Beziehung zwischen Darwyne, seiner Mutter Yolanda und dem inzwischen achten Stiefvater scheint oberflächlich normal, doch je weiter man in die Geschichte eintaucht, desto mehr Ungereimtheiten fallen dem Leser auf. Manchmal ist man sich nicht sicher, hat man das jetzt wirklich gelesen oder interpretiert man da zu viel hinein? Als stünde man mitten im Dschungel und könne seinen Sinnen nicht recht trauen bei dem Spiel von Licht und Schatten und all den Geräuschen um einen herum.
Niels Sprache ist atmosphärisch und vielschichtig, wie der Amazonas, der beinahe eine eigene Persönlichkeit im Buch wird. Die Grenze zwischen Realität und Fantastischem scheinen immer mehr zu verwischen und ziehen den Leser in seinen Bann. Kein Thriller im eigentlichen Sinn, aber dennoch atemberaubend. (Tipp von Manuela Letsch)
Aus dem Französischen von Anne Thomas. Suhrkamp 2024, 302 Seiten, ISBN 978-3-518-47424-2

Peter Huth: «Der Honigmann»
Der Roman spielt in einem Vorort von Berlin. Für die meist zugezogenen Mittelschichtfamilien, so auch für Fine und Tim, ist es die perfekte Idylle, in der sie ihre Kinder grossziehen und eine gute Nachbarschaft pflegen wollen. Alle lieben den «Honigmann», den älteren Herrn, der einen Laden für Honig, Tee und Dekoartikel eröffnet, bis ein düsteres Gerücht über ihn die Runde macht. Die Ruhe im Ort scheint gefährdet. Doch wie weit geht man, um seine heile Welt zu schützen? Sehr bald geht es mithilfe von Social Media um Fragen wie Solidarität, Gerechtigkeit und sogar Selbstjustiz.
Der Roman wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so lernt man die einzelnen Figuren dieser heilen Nachbarschaft besser kennen. Das Buch, in das der Autor viel Gesellschaftskritik verpackt hat, liest sich trotzdem leicht und vor allem spannend wie ein Krimi. (Tipp von Andrea Muntwyler)
Droemer 2024, 255 Seiten, ISBN 978-3-426-44982-0

Anne Stern: «Wenn die Tage länger werden»
Lisa, eine alleinerziehende Musiklehrerin, verbringt den Sommer zum ersten Mal allein, während ihr Sohn verreist ist. In dieser Zeit stösst sie bei der Restauration ihrer alten Geige auf Hinweise zur verdrängten Vergangenheit ihrer Familie. Die Begegnungen mit neuen Menschen führt sie zu wichtigen Erkenntnissen über sich selbst und ihre Herkunft.
«Wenn die Tage länger werden» ist ein berührender Roman über Selbstfindung, familiäre Geheimnisse und Konfrontation mit der Vergangenheit. Er eignet sich besonders für Leserinnen und Leser, die sich für tiefgründige Familiengeschichten interessieren und Freude an gut ausgearbeiteten Charakteren haben. (Tipp von Milena Zogg)
Aufbau Verlag, 383 Seiten, ISBN 978-3-351-04236-3

Lukas Maisel: «Wie ein Mann nichts tat und so die Welt rettete»
«Wenn Sie diese Geschichte lesen, wissen Sie schon, wie sie ausgehen wird: Dass Sie leben, ist der Beweis dafür, dass sie gut ausgegangen ist» steht im Klappentext. Lukas Maisel erzählt die wahre Geschichte des sowjetischen Oberstleutnants Stanislaw Petrow, der 1983 einen drohenden Atomkrieg verhinderte. In der Nacht vom 25. auf den 26. September meldete das sowjetische Frühwarnsystem den Start einer Atomrakete in den USA. Petrow entschied sich, nicht zu handeln, da er das Ganze für einen Fehlalarm hielt. Eindringlich werden die 17 Minuten geschildert, in denen er abwartet und den Fehler im Computersystem suchen lässt, während der Start weiterer vier US-Atomraketen gemeldet wird.
Petrows besonnene Haltung steht im Mittelpunkt der Erzählung. Lukas Maisels Sprache ist präzise und unaufgeregt, was sehr gut zur Situation passt. Der Roman erinnert daran, wie entscheidend das Zögern eines Einzelnen für das Schicksal der ganzen Welt sein kann. (Tipp von Manuela Letsch)
Rowohlt 2025, 120 Seiten, ISBN 978-3-498-00730-0

Alina Bronsky: «Pi mal Daumen»
In diesem Roman geht es um die ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem hochbegabten 16-jährigen Oscar mit Adelstitel und autistischen Zügen und der liebenswerten Moni. Sie ist Anfang 50, Grossmutter, hat diverse Nebenjobs und kümmert sich stets um alle. Die beiden lernen sich im Hörsaal der Universität in einer Vorlesung für Mathematikstudenten im ersten Semester kennen. Nein, Moni ist nicht die Putzfrau oder eine Mitarbeiterin der Mensa, wie Oscar erst denkt: Sie will sich den Traum von einem Mathematikstudium erfüllen. Aus dieser Konstellation ergeben sich viele lustige, aber auch berührende oder gar tragische Szenen.
Der Roman ist aus Sicht von Oscar geschrieben. Er gibt uns Einblick in sein nicht einfaches Leben als Aussenseiter und auch in den komplizierten, chaotischen Alltag von Moni. (Tipp von Andrea Muntwyler)
Kiepenheuer & Witsch 2024, 270 Seiten, ISBN 978-3-462-00425-0

Anne Cathrine Bomann: «Rosa»
Vigga ist eine sehr introvertierte Frau, die zurückgezogen lebt. Der Kontakt zu anderen Menschen fällt ihr schwer. Nur mit ihrer besten Freundin Maiken ist es anders. Doch als diese ein Kind erwartet, zieht sich Vigga auch von ihr zurück und stellt ihr ganzes Leben infrage. Was für ein Glück, dass Vigga während eines Praktikums im Kopenhagener Aquarium dem Oktopus Rosa begegnet. Durch diese berührenden Begegnungen mit dem intelligenten, ebenfalls einzelgängerischen Wesen, wird ein zartes Band zwischen Mensch und Tier geknüpft. Und Vigga erkennt, dass es ohne Strömung und Bewegung unmöglich ist, zu leben.
Ein tiefgründiger und feiner Roman, der sich den grossen Themen des Lebens widmet. (Tipp von Jannik Anne Birkeland)
Aus dem Dänischen von Franziska Hüther, hanserblau 2024, 234 Seiten, ISBN 978-3-446-28154-7

Für Jugendliche

Houssein Kahin und Kornelia Wald: «Die Tasche»
Mohammed soll als Musterschüler stellvertretend für die ganze Schule den Diversitätspreis entgegennehmen. Er will diesem Event jedoch fernbleiben und hat mit seinen zwei Freunden ganz andere Pläne für diesen besonderen Tag. Doch Mohammed hat seine Sporttasche vor der Aula liegen gelassen und taucht trotzdem vor der Schule auf. Dies setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die niemand erwartet hätte. Denn was der 17-Jährige nicht weiss, ist, dass auch seine Mitschülerin Emilia andere, dunkle Pläne hat. Und so endet der Tag, der eigentlich gefeiert werden sollte, in einer Katastrophe.
Durch die verschiedenen Perspektiven von Mohammed, Emilia, Mitschülern, Lehrern oder dem Schuldirektor bekommt man viele unterschiedliche Eindrücke zu der im Kern gleichen Geschichte. Der chronologische Aufbau vom Vormittag bis hin zur Preisverleihung macht es sehr spannend und man wird schnell in den Bann gezogen, wie alles seinen Lauf nimmt. Schonungslos ehrlich, sehr bewegend und voller Vorurteile. Eine grosse Leseempfehlung, auch für Erwachsene, die zum Nachdenken anregt. (Tipp von Jannik Anne Birkeland)
Jugendbuch ab 14 Jahren, Arena 2024, Paperback, 218 Seiten, ISBN 978-3-401-60782-5

Sarah Jäger: «Und die Welt, sie fliegt hoch»
In den Sommerferien sitzen Ava und Juri, beide 14 Jahre alt, in ihren jeweiligen Zimmern. Sie hat Hausarrest «wegen so einer Sache», wie sie sagt. Er fühlt sich nur in seinem Zimmer sicher, wenn er wieder das Gefühl hat, dass bald alles hochfliegt. Beim Aufräumen findet Ava Juris Nummer, den sie aus der Grundschule kennt. Die beiden schreiben sich für den Rest der Ferien Nachrichten und tauschen sich aus. Über Kolibris aus Papier, über schlimme Geburtstage, über Vorsätze und Ängste. Und plötzlich werden aus ihren Zimmern ganze Universen.
Dieser Roman besteht aus Text- und Sprachnachrichten, die sich zwischen linker und rechter Buchseite abwechseln. Untermalt werden die Gespräche mit wunderschönen Illustrationen. Witzig, berührend, feinfühlig und originell liest sich das Buch wie ein Chat-Verlauf. (Tipp von Jannik Anne Birkeland)
Jugendbuch ab 12 Jahren, Rotfuchs 2024, Hardcover, 270 Seiten, ISBN 978-3-499-01293-8
Für Kinder und Jugendliche

Tom Crestodina: «Schiff ahoi!»
Wer wollte nicht schon immer mal wissen, wie die Arbeit auf einem Krabbenkutter aussieht oder wie es ist, auf einem Küstenwachboot zu arbeiten? Ganzseitige Querschnitte bieten einen tollen Einblick in das Innenleben der verschiedenen Schiffe und in den Alltag der Menschen, die auf ihnen im Einsatz sind. Mit vielen Sachinformationen wunderschön illustriert. Ein tolles Buch für kleine und grosse Leser. Selbst Erwachsene werden ihre Neugier stillen können. (Tipp von Jannik Anne Birkeland)
Sachbuch ab 8 Jahren, Gerstenberg 2025, 56 Seiten, ISBN 978-3-8369-6322-0
Für Kinder

Maite Pérez / Xaviera Torres / Paula Bossio: «Wie Haie in die Heia gehen – eine Reise durch die abenteuerliche Welt des Schlafs»
Wie, wo und auch wann schlafen Tiere? Eine Frage, die sich gerade Kinder sehr häufig stellen, nicht selten abends vor dem Einschlafen. Bei vielen Tieren ist dies noch nicht vollständig erforscht und immer noch ein Rätsel. Ob und wie genau Haie zum Beispiel schlafen, darüber muss noch viel spekuliert werden.
Dieses auffallend bunt illustrierte Sachbilderbuch für Kinder liefert viele interessante und auch kuriose Fakten zum Thema Schlaf von Tieren in verschiedenen Lebensräumen. Wussten Sie, dass das Gehirn von Vögeln zweigeteilt ist? Während die eine Hälfte schläft, bleibt die andere wach und passt auf. Und Seeotter können auf dem Rücken liegend im Wasser schlafen; Händchen haltend mit anderen. Das humorvolle geschriebene Buch bietet tolle Unterhaltung und ist ideal zum Anschauen vor dem Schlafengehen. (Tipp von Andrea Muntwyler)
Sachbilderbuch ab 5 Jahren. Aus dem Spanischen von Ilse Layer und Illustrationen von Paula Bossio. Thienemann 2024, 44 Seiten, ISBN 978-3-522-46068-2
Sommer-Lese(s)pass 2025
Lesen lernen ist für die Kinder Pflicht und manchmal ein Muss. Doch gerade in den Ferien soll Lesen einfach nur Spass machen. Deshalb gibt es dieses Jahr bei uns den Sommer-Lese(s)pass für Kinder und Jugendliche ab der ersten Klasse bis 16 Jahre. Unser Leseförderungsprojekt soll Kinder und Jugendliche zum Lesen animieren.
Ob Abenteuerreise in die Arktis, ein Flug zum Mars, ein haarsträubender Kriminalfall oder ein witziger Comic … Die Bibliothek hat Lesestoff für alle. Wer bei unserem Sommerprojekt mitmachen will, kann ab dem 1. Juli den Sommer-Lese(s)pass kostenlos in der Gemeindebibliothek Fällanden abholen.
Die Kinder können auf dem Pass sämtliche Bücher, die sie im Verlauf dieses Sommers lesen, eintragen und bewerten. Jeder Sommer-Lese(s)pass, der bis am Montag, 25. August 2025, abgegeben wird, nimmt zudem automatisch an der Verlosung von attraktiven Preisen teil. So macht Lesen gleich doppelt Spass!
Öffnungszeiten während der Sommerferien
Die Gemeindebibliothek Fällanden hat während der Sommerferien reduzierte Öffnungszeiten:
Freitags: 15.00–18.30 Uhr
Samstags: 8.30–11.30 Uhr
Ausnahme: am 2. und 3. August bleibt die Bibliothek geschlossen
