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Tradition trifft Engagement

Momos und gute Taten: Die Lhasa Boys gehören am Albanifest zum Inventar

Momos verkaufen, traditionelle Tänze aufführen – das macht der Verein Lhasa Boys mit Wurzeln im Tösstal seit bald 50 Jahren am Albanifest. Doch dahinter steckt wesentlich mehr, als man zunächst denkt.

Die Lhasa Boys sind nicht die Einzigen, die am Albanifest Momos verkaufen. Doch sie sind schon seit Jahrzehnten dabei.

Fotos: Verein Lhasa Boys

Momos und gute Taten: Die Lhasa Boys gehören am Albanifest zum Inventar

Momos verkaufen, traditionelle Tänze aufführen – das macht der Verein Lhasa Boys mit Wurzeln im Tösstal seit bald 50 Jahren am Albanifest. Doch dahinter steckt wesentlich mehr, als man zunächst denkt.

Angefangen hat alles mit Fussball. Mehrere junge Tibeter – die meisten aus Rikon und Oetwil am See – taten sich Ende der 1960er Jahre zu einer Mannschaft zusammen, um am Grümpelturnier in Zell anzutreten.

In Anlehnung an die tibetische Hauptstadt gaben sie sich den Namen Lhasa Boys. «Mein Schwiegervater und der Onkel meiner Frau waren Teil davon», erzählt Jampa Samdho an einem lauen Sommermorgen auf seinem Balkon in Turbenthal, im Schatten der traditionellen farbigen Gebetsfahnen.

Heute ist Samdho Präsident des Vereins. Trotz dem noch immer gleichen Namen wird bei den Lhasa Boys mittlerweile nicht mehr getschuttet – sondern gekocht.

Verein Lhasa Boys am Albanifest.
Jampa Samdho ist Präsident des Vereins Lhasa Boys.

«Einige Jahre nach der Gründung sagte man sich: Jetzt ist die Gelegenheit da, lasst uns am Albanifest in Winterthur Momos verkaufen und mit dem Gewinn jemanden unterstützten», erklärt Samdho.

1976 nahmen die Lhasa Boys zum ersten Mal am Stadtfest teil. Heute ist das Albanifest ihre wichtigste Einnahmequelle – alle 60 Mitglieder stehen am Festwochenende im Einsatz. Dieses Jahr ist der Verein bereits zum 49. Mal in Folge dabei. Mit der anfänglichen Idee legten die Gründer das Fundament für die gemeinnützige Arbeit, die der Verein bis heute leistet.

Seit der ersten Teilnahme fliessen die Gewinne, die die Lhasa Boys mit ihrer Festwirtschaft und dem Verkauf von Momos – das sind tibetische Teigtaschen – und Nudelgerichten am Albanifest erzielen, vollumfänglich an Projekte in Indien. Sie kommen der tibetischen Exilbevölkerung zugute. Die meisten der rund 150’000 Exiltibeterinnen und -tibeter leben dort.

Von Politikerlöhnen zu Dalai Lamas Geburtstagsparty

Insgesamt rund 650’000 Franken hat der Verein laut Jampa Samdho über die Jahre hinweg gespendet. «Vor ein paar Jahren haben wir zum Beispiel 25 Schüler über einen Zeitraum von zehn Jahren bei der Ausbildung finanziell unterstützt.»

Ausserdem spendet der Verein noch bis 2030 regelmässig Geld an die aktuell 23 Kinder, die im SOS-Kinderdorf im nordindischen Dharamsala leben – dort hat auch die tibetische Exilregierung ihren Sitz. Und das, obwohl wegen des strengen Grenzregimes und des Anspruchs Chinas auf Tibet mittlerweile fast keine Kinder mehr für die Ausbildung nach Indien geschickt würden.

Daneben gibt es noch viele weitere kleinere und grössere Projekte, die die Lhasa Boys unterstützen. «Wir haben während fünf Jahren alle Löhne der tibetischen Exilminister bezahlt», sagt Samdho, der bis 2021 als einer von zwei Europa-Vertretern selbst im tibetischen Parlament sass.

Ausserdem habe man kleinere Bauprojekte in tibetischen Dörfern in Indien finanziert, etwa Strassenbauten oder die Renovation eines Gemeindesaals. Dieses Jahr fliessen 1000 Franken an die dortigen Feierlichkeiten zu Ehren des Dalai Lama, der am 6. Juli 90 Jahre alt wird. «Damit können sie neue Stühle kaufen und den Raum für die Festlichkeiten dekorieren.»

Die Momos entstehen frisch

Inzwischen erhält die engagierte Gruppe auch immer wieder Spendenanfragen. «Nach dem Fest schauen wir dann, wie viel Geld zusammengekommen ist und wofür wir es einsetzen.»

Schliesslich schwanke der Umsatz auch Jahr für Jahr – besonders seit Ende der Corona-Pandemie spüre man, dass die Leute zwar wieder ans Albanifest kämen, aber tendenziell weniger ausgeben würden.

Trotzdem ist bereits klar: Ein merklicher Teil der Einnahmen wird an die Stiftung des Dalai Lama fliessen. 90’000 Franken haben die Lhasa Boys, passend zum runden Geburtstag, angekündigt.

Die Lhasa Boys betreiben indes nicht den einzigen Stand am Albanifest, an dem es Momos zu kaufen gibt – ganze fünf Stände verkaufen die traditionellen Teigtaschen, die sich inzwischen zum regelrechten Trend-Food gemausert haben.

Nicht ganz unparteiisch stellt Jampa Samdho fest: «Unsere sind natürlich die Besten, weil wir sie frisch vor Ort zubereiten.» Auch wenn man, je nach Andrang, etwas warten müsse – es lohne sich, das sehe man auch am gut gefüllten Zelt. Zusätzlich zum Essensangebot hat der Verein ein Festzelt mit Bühne, auf der die vereinseigene Tanzgruppe auftritt.

Trotz Planungssitzungen unter dem Jahr: Wenn sich andere am Freitagabend auf ein rauschendes Fest freuen, beginnt für die Vereinsmitglieder die Arbeit erst richtig. «Alle sind sich bewusst, dass das Albanifest-Wochenende für den Verein reserviert ist.»

Die Lhasa Boys findet man am Albanifest in Winterthur, das vom 27. bis 29. Juni stattfindet, am Kirchplatz Süd, ihre Festwirtschaftsnummer ist 052.

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