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Zum 25. Schweizer Mühlentag

Mit dieser Fischenthaler Mühle wird kein Getreide gemahlen

Am Mühlentag öffnet die Drechslerei Kleintal ihre Türen. Besucher erleben Wasserkraft live – und ein fast vergessenes Handwerk in Aktion.

Andreas Wegmann und Ruth Christen wissen alles über ein fast vergessenes Handwerk.

Foto: Mel Giese Pérez

Mit dieser Fischenthaler Mühle wird kein Getreide gemahlen

Am Schweizer Mühlentag öffnet auch die Drechslerei Kleintal ihre Türen. Statt Mehl gibt es hier Spindeln, statt Mühlrad eine Turbine. Und jede Menge Geschichten über ein fast vergessenes Handwerk.

Eine Mühle kann vieles. Sie kann die Gemüter des Oberlands in Wallung bringen, wenn es um erneuerbare Energien geht. Sie kann Getreide wie auch Kaffee mahlen. Und in Fischenthal kann sie sogar eine ganze Manufaktur in Bewegung setzen. Denn unter dieser Mühle wird kein Korn verarbeitet, sondern Kraft freigesetzt. Es handelt sich um die Drechslerei Kleintal in Steg.

Um 1858 bauten die Brüder Jakob und Heinrich Rüegg eine Drechslerei samt Sägerei im Kleintal. Das abgelegene Tobel hatte eine wertvolle Energiequelle, die ihr Unternehmen antreiben sollte: den Fuchslochbach. Mit einem Wasserrad von fünf Metern Durchmesser und Transmissionsriemen wurde die Werkstatt angetrieben.

Elf Jahre später bewilligte der Regierungsrat den Gebrüdern Rüegg auch den Bau eines Stauweihers mit einem Fassungsvermögen von rund 350’000 Litern. Das Wasserrad wurde durch eine Turbine ersetzt, und der Betrieb konnte mit mehr Leistung rechnen.

Doch der Bach war eine unzuverlässige Quelle. Wassermangel machte dem Betrieb zu schaffen, weswegen dieser zwischenzeitlich stillgelegt wurde. Erst um 1921 ist ein Elektromotor in die Drechslerei installiert worden, nachdem der Weiler an das Stromnetz angeschlossen wurde. Die Produktion verlief künftig ohne Zwischenfälle. Doch zur Produktion später mehr.

Das Gedächtnis des Vereins

Die Drechslerei Kleintal gilt als eine geschichtsträchtige Manufaktur, weswegen sie seit den 80ern unter Denkmalschutz steht. Aus dem Betrieb wurde ein Museum, das Gästen offen steht. Um den Erhalt der Drechslerei zu sichern, ist im Jahr 2001 ein Verein dafür gegründet worden – der heute 15 aktive Mitglieder zählt.

Zu dessen Aufgaben gehört unter anderem das Ölen und Sauberhalten der Maschinen, das Kuratieren der Ausstellungen, den Kontakt mit dem Kanton bezüglich Fördergelder pflegen. «Und selbstverständlich muss man das Haus auch mal von den Spinnweben befreien», witzelt Ruth Christen.

Sie ist die Aktuarin des Vereins und schon seit dem ersten Tag im Drechslereimuseum involviert. «Die Mechanik fasziniert mich», sagt sie. Vor allem, wenn sie das vorbeirauschende Wasser aus einer Luke zur Turbine beobachtet. Noch heute kann die Drechslerei mit Wasserkraft betrieben werden.

Vereinspräsident Andreas Wegmann ist ein paar Jahre nach Christen dazugekommen. Auch er ist von der Anlage fasziniert. «Eine solche Mechanik gibt es heute einfach nicht mehr. Wir Älteren kennen diese zwar noch mehr oder weniger, aber die Jüngeren wahrscheinlich kaum.»

Ein Mann und eine Frau in gelben Shirts.
Ruth Christen und Andreas Wegmann sind schon seit Jahrzehnten Teil des Vereins.

Damit könnte Wegmann recht haben. Die Drechslerei könnte mehr und mehr aus dem Gedächtnis der Bevölkerung verschwinden – zum Handwerk kommen wir gleich, versprochen. Der Verein versucht, die Drechslerei so gut es geht im Gedächtnis der Gesellschaft zu behalten.

In einer Erlebniswoche für Schulen beispielsweise hat der Verein mit den Kindern Kugelschreiber gedrechselt. «Man muss etwas Konkretes mit den Kindern machen und ihnen zeigen, was das überhaupt ist.» Doch solange der Verein existiert, so lange wird die Drechslerei nicht vergessen. Und das ist für Wegmann wie auch für Christen essenziell.

Aufsteckspindel-Spulenhalter … Wie bitte?

Nun zum Handwerk: Beim Drechseln rotieren Holzstücke auf einer Drehbank und werden mit einem Eisenwerkzeug entsprechend geformt – heute ist natürlich an Material und Werkzeugen alles möglich.

Doch was wurde in der Drechslerei Kleintal überhaupt produziert? «Das können wir mühelos zurückverfolgen», sagt Christen. Im Museum sind Quittungen von damals erhalten – ja, Quittungen aus dem 19. Jahrhundert.

Das Oberland war früher ein wichtiger Standort für die Textilindustrie. Dementsprechend ist es nicht weit hergeholt, dass die Drechslerei Kleintal Teile für ebendiese Industrie herstellte. Zum Beispiel Aufsteckspindel-Spulenhalter. Wie bitte? «Ja, Aufsteckspindel-Spulenhalter sind Teile, die man für Spinnereien oder Nähmaschinen brauchte. Dort wurde das fertige Garn aufgespannt», erklärt Wegmann, ohne sich am Wort zu verhaspeln.

Kurz gesagt: Die Brüder Rüegg produzierten hauptsächlich Spindeln und Spulen aus Holz. Diese wurden über die Grenzen des Oberlands hinaus verkauft. «Wir haben eine Quittung für eine Bestellung von 13’000 Spulen gefunden», erinnert sich Christen. Diese wurden ins Glarnerland geliefert.

Als die Spulen und Spindeln jedoch mehr und mehr aus Plastik hergestellt wurden, verloren die Rüeggs ihre Aufträge. Also erweiterten sie ihre Palette und produzierten beispielsweise Spielzeuge, Griffe oder beispielsweise Zierelemente für Vorhangstangen. 1965 war es mit dem Betrieb aber endgültig vorbei.

Gedenktag für Schweizer Mühlen

Zwischen der Strasse Chlital und dem Fuchslochbach steht das Drechslereimuseum Kleintal – so unauffällig, dass man die Einfahrt leicht übersieht. Und doch erzählt es so unmittelbar von der Industriegeschichte des Tösstals. Fabriken wie diese, eingebettet in die Landschaft, sind selten geworden. Wasserkraft war einst ihr Antrieb, was man meist nur noch aus Erzählungen kennt.

Einmal im Jahr rückt der Schweizer Mühlentag solche Orte ins öffentliche Bewusstsein. Zum 25. Mal öffnen über 200 historische Mühlen, Sägen und ähnliche Anlagen schweizweit ihre Türen – viele davon sind noch immer funktionstüchtig.

Auch die Drechslerei Kleintal ist dabei. Der Verein zeigt die laufenden Maschinen, führt durch das Museum, bewirtet die Gäste und zeigt das Handwerk, das einmal Alltag war. Eine Mühle kann nun mal vieles. Korn mahlen, Energie erzeugen und die Technik von gestern begreifbar machen.

25. Schweizer Mühlentag: Samstag, 31. Mai, und Sonntag, 1. Juni

Am Wochenende vom Samstag, 31. Mai, findet der 25. Schweizer Mühlentag statt. Unter dem Motto «weiterverarbeitendes Gewerbe» stehen in diesem Jahr traditionelle Handwerksbetriebe im Mittelpunkt, die eng mit der Mühlentechnik verbunden sind: etwa Drechslereien, Zimmereien, Wagnereien oder Mühlenbauer. Auch in der Region sind einige Betriebe zu finden.

Thommen-Sagi, Hinteregg: mit Führungen, Unterhaltung und Festwirtschaft

Sagi-Maur und Ortsmuseum Mühle, Maur: mit Führungen, Kinderprogramm und Festwirtschaft

Frohkost – Acherschollä, Wetzikon: Ausstellung

Alti Sagi Stockrüti, Bäretswil: mit Sagi-Wettbewerb und Festwirtschaft

Museum Neuthal Textil- und Industriekultur: mit Vorführungen, Unterhaltung und Festwirtschaft

Drechslereimuseum Kleintal VED, Steg im Tösstal: mit Vorführungen und Festwirtschaft

Weitere Infos zu Öffnungszeiten oder Festprogramm finden Sie auf www.muehlenfreunde.ch unter «Schweizer Mühlentag».

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