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Kultur

Das «Couscous» in Nänikon bietet mehr als nur Griesskügelchen

Das «Gleis 1» heisst jetzt «Couscous». Doch es gibt wieder Kultur am Bahnhof Nänikon-Greifensee. Ein Augenschein.

Lars Erbach ist der neue Pächter des diesjährig eröffneten Restaurants Couscous. Er freut sich auf den kulturellen Abend.

Foto: Eleanor Rutman

Das «Couscous» in Nänikon bietet mehr als nur Griesskügelchen

Theater, Talk und Tatar

Das ehemalige Lokal am Bahnhof feiert sein kulturelles Comeback. Ein Abend mit Theatermann Daniel Rohr, handgemachten Coral-Plättli – und Nostalgie der Vorgänger-Crew.

Schon vor der Tür heisst der neue Pächter des ehemaligen Bistros «Gleis 1» die Gäste willkommen. Im «Couscous», dem frisch eröffneten Restaurant, herrscht an diesem Abend Hochbetrieb. Stühle werden zurechtgerückt, direkt am Tresen platziert Lars Erbach noch zusätzliche Exemplare, die er von der Terrasse holt.

«Schön wärs, wenn wir immer so viele Gäste hätten wie heute», sagt der gelernte Ingenieur, der seit Anfang Jahr voll im Gastrobetrieb arbeitet. Gemeinsam mit seiner Frau hat er das «Gleis 1» von den Vorgängerinnen übernommen. Seit diesem Jahr ist das Lokal wieder offen. Dies nach einer längeren Umbauphase. «Wir sind Quereinsteiger», sagt Erbach enthusiastisch – auch wenn er einräumt: Stressig sei es schon.

Menschen im Restaurant – vor der Veranstaltung.
Das Restaurant Couscous ist wegen des speziellen Gastes gut besucht.

«Als Theatermacher Daniel Rohr Ende Januar zugesagt hat, wussten wir, dass heute viele Gäste kommen werden», sagt Pächter Erbach. Auf der Speisekarte stehen an diesem Abend passend zum T des Theaters zwei Tatar: ein klassisches vom Rind und eine vegane Variante aus dem Hause Hiltl – dem ältesten vegetarischen Restaurant der Welt.

Vorbereiten bis nach Mitternacht

Beide sind stilvoll angerichtet – mit einem kleinen, essbaren Dekorblättchen obendrauf. «Diese Coral-Plättli haben wir gestern Abend noch bis nachts um zwei Uhr selbst gemacht», sagt Erbach. «Es ist eine Herzensangelegenheit.»

Der Abend ist ein besonderer. Denn neben kulinarischem Genuss – «keine Angst, es wird auch sonst nicht nur Couscous bei uns geben» – steht ein Gespräch mit Daniel Rohr auf dem Kulturprogramm. Der Schauspieler aus Bubikon leitet das Theater Rigiblick seit 21 Jahren. Im Dialog mit dem ehemaligen NZZ-Feuilletonisten Manfred Papst erzählt Rohr, wie er das Theater zum Erfolg geführt hat.

Theaterexperte aus Bubikon zu Besuch

Auch Rohr zeigt Herzblut: Der Bubiker Theatermacher erzählt, wie er das Theater Rigiblick in Zürich zum Erfolg geführt hat – mit wenig Subventionen, aber mit viel persönlichem Einsatz. «Jede Produktion muss irgendwie auch eine Cashcow sein», erklärt er. «Wir produzieren Stücke, die teilweise seit 17 Jahren laufen», – wie «The Dark Side of the Moon», geschrieben von Bestsellerautor Martin Suter.

Rohr hat sogar ein eigenes Genre «erfunden»: Das biografische Musiktheater. Unter diesem Label bringt er Stücke auf die Bühne wie «Tribute to Johnny Cash» oder «Tribute to Queen».

Solche Kassenschlager werden immer wieder gespielt. «Manchmal muss ich Texte von 15 Stücken präsent haben, weil wir sie abwechselnd wieder ins Programm aufnehmen.» Wichtig sei vor allem das Team – und die Lebenszeit. «Hauptsache, man verbringt sie mit guten Leuten.»

Die Kultur kam zu kurz

Was Rohr auf der Bühne erzählt, passt auch zum wiedereröffneten «Couscous». Ohne Engagement geht es nicht. Die Gäste des Abends sind sich einig: «Super, dass wieder jemand Energie in dieses Bistro steckt», sagt ein Besucher. Zudem sorgt die Rückkehr der Kulturveranstaltungen für Begeisterung.

Viele der Anwesenden sind alte Bekannte, die sich hier schon zu Zeiten des «Gleis 1» zum Kulturgenuss mit Lesungen und Musik getroffen haben. «Die Kultur stand auf der Kippe – ich bin so froh, dass es weitergeht», sagt eine Besucherin aus Nänikon. Denn diese sei wichtig – gerade hier. Eine andere Stimme ergänzt: «Hauptsache, es gibt wieder Literatur am Gleis.»

Kurt Meier, ein Gast der ersten Stunde, scherzt: «Ausser dem Namen ist im neu eröffneten Lokal alles perfekt.» Couscous sei kulinarisch nicht so sein Fall – aber dass das Kulturcafé wieder offen sei, freue ihn sehr.

Der Name ist neu, der Geist bleibt: Aus «Gleis 1» wurde «Couscous». Doch der Kulturverein, der den Abend veranstaltet, trägt weiterhin den vertrauten Namen «Kultur am Gleis».

Meiers Schwiegertochter Regula Meier war einst Köchin im ehemaligen Lokal. An diesem Abend sitzt sie vor der Veranstaltung draussen und geniesst die Austern. «Lecker», kommentiert sie, bevor sie in Erinnerungen schwelgt. Gemeinsam mit Kollegin Marianne Surber erzählt sie von alten Zeiten.

«Das ‹Gleis 1› war wegen der Nähe zum Bahnhof viel mehr als nur ein Lokal», erinnert sie sich. Gäste hätten hier ihre Taschen deponiert, um mit den Inlineskates um den See zu fahren. «Eigentlich hätten uns die SBB für unsere Servicearbeit einen Zustupf geben können», witzelt Meier.

Ältere Menschen hätten gefragt, wie man am Automaten ein Billett löst. «Einmal Rapperswil retour – weisst du noch?», sagt sie lachend und stupst ihre Kollegin Surber an. Einmal habe es sogar eine Verhaftung während eines Konzerts gegeben.

Der Abend gestaltet sich leicht und lebendig. Die Gäste hängen während des Gesprächs an Rohrs Lippen und lachen viel. Literaturkritiker Manfred Papst stellt Fragen, die zum Schmunzeln anregen. Der Theatermacher muss sich nicht zweimal bitten lassen: Er weiss natürlich, wie man ein Publikum unterhält.

Volle Tische, voller Betrieb

Das neue Team des «Couscous» darf sich unterdessen noch etwas einspielen. An manchen Stellen ist der Geschirrspüler oder die Kasse noch etwas laut – oder ein Gespräch in der Küche übertönt den Schauspieler zeitweise auf der Bühne. Eine ehemalige Angestellte des «Gleis 1» sagt dazu: «Auch früher war bei unseren Veranstaltungen jede Menge los, und wir hatten hinter den Kulissen alle Hände voll zu tun», – das ist also nichts Neues.

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