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Kultur

Comeback von Sens Unik: «Ich freue mich auf das Herzklopfen vor dem Auftritt»

Sens Unik feiern ihr Comeback – 2025 live auf den Festivalbühnen, darunter auch am H2U in Uster.

Sens Unik sind wieder vereint: Carlos, Bio, Jiggy Jones, Deborah und Just One beim Interviewtermin am 23. Februar in der Hometown Lausanne.

Foto: Yvain Genevay

Comeback von Sens Unik: «Ich freue mich auf das Herzklopfen vor dem Auftritt»

Carlos Leal im Interview

Sens Unik, stilbildend für den französischsprachigen und den Schweizer Rap, sind für die Open-Air-Saison 2025 wieder vereint – und treten auch am H2U in Uster auf. Sänger Carlos Leal zeigt sich im Exklusivinterview stolz auf frühere Hits, Old School und weisse Bärte.

Francois Barras

Die Mittagspause hat Sens Unik mit ein paar Hamburgern in ihrem alten Lausanner Flonquartier überbrückt. Zu den Urgesteinen Carlos Leal, Just One, Deborah und Bio hat sich für die Reunion der Schweizer Rap-Pioniere neu Jiggy Jones gesellt.

Das erste Wiedersehen mit den Fans steht am 31. Juli am Bierhübeli-Festival in Bern an. Am nächsten Tag gehts am Open Air Estavayer weiter; mindestens zwei weitere Auftritte sind danach noch geplant. Auch für Fans in der Deutschschweiz gibt es Grund zur Freude: Sens Unik treten am 16. August am H2U in Uster auf. Deshalb heisst es nun proben: Für den ersten gemeinsamen Tag seit der Trennung 2010 treffen sich die Musiker in den Proberäumen von EJMA. Und Leadsänger Carlos Leal, zuletzt vor allem erfolgreich als Schauspieler, beantwortet ein paar Fragen zum Comeback. Offen lässt er, ob dieses länger dauert als eine Festivalsaison.

Carlos Leal, warum sind Sens Unik plötzlich wieder da?

Carlos Leal: Seit einigen Jahren gibt es ein Wiederaufleben bei Künstlern der 1990er-Jahre, der Zeit der frühen Hip-Hop-Kultur. IAM hat nie aufgehört, aber tourt viel, MC Solaar auch, und die Fonky Family hat sich wieder zusammengefunden. Auf der Strasse wurde ich stets gefragt: «Wann kommen Sens Unik zurück?» Mehrere Freunde in Lausanne oder Los Angeles, wo ich lebe, drängten uns dazu und sagten, es wäre schön, wenn wir wieder auf der Bühne stehen würden. Die Welt ist nicht besser als früher, vielleicht sogar ein bisschen schlechter. Wenn ich mir die Diskografie von Sens Unik noch einmal anhöre, denke ich, dass unsere Geschichten immer noch ihren Platz und ihre Aktualität haben.

Was funktioniert heute in der Gruppe, was 2010 oder 2011 nicht mehr funktioniert hat?

Es gab nie einen Zusammenstoss, zumindest nicht in dieser Formation. Nur Überdruss und den Wunsch, dass jeder seine eigenen Erfahrungen machen kann. Ausserdem fühlten wir uns ein wenig vom französischen Rap der damaligen Zeit abgehängt. Heute stehen wir eher zu unserer Old-School-Seite.

Man sieht eine Band.
Im Flon zogen sie schon in der Jugend zusammen herum, heute haben sie Kinder: Carlos hat zwei, Deborah eines, Just One drei – und der Neue Jiggy Jones (nicht im Bild) auch eines. Insgesamt sind es sieben Sens-Unik-Kinder.

Welches Publikum erwarten Sie an den Auftritten 2025?

Im Moment werden wir nur an Open Airs spielen. Das heisst, wir sprechen ein breites Publikum an. Ich hoffe, dass die Fans unserer Generation Spass daran haben, uns wiederzusehen, und dass junge Leute uns entdecken, vielleicht in Begleitung ihrer Eltern. Wir können auf jeden Fall versichern, dass wir eine grosse Show abliefern werden. Auch wenn wir lange nicht mehr gemeinsam auf der Bühne gestanden haben, kommen wir nicht zurück, um Kasperli zu spielen.

Soeben haben Sie Ihre Old-School-Seite erwähnt: Wie viele ältere Lieder werden denn 2025 im Repertoire sein?

Das ist eine Mischung aus vielen Jahren, aus sieben oder acht Alben mit insgesamt fast 120 Liedern! Ich habe das frühe Schaffen von Sens Unik nicht vergessen, gerade weil es auch der Beginn des französischen Rap war: Es gab Songs, die prägend waren und die das Publikum unserer Generation hören wollte. Aber im Laufe unserer Karriere haben wir interessantere Musik und vielfältigere Rhythmen entwickelt, die wir nun auch würdigen wollen.

«In den Anfängen des französisch­sprachigen Rap gab es drei wichtige Städte: Paris, Marseille und Lausanne.»

Ihre Lieder der 1990er-Jahre standen am Anfang des französischsprachigen Rap. Stolz?

Ich möchte betonen, dass ich sehr stolz auf unseren Werdegang bin. Schon die ersten Alben klangen gut, sehr professionell. Als wir anfingen, haben wir so oft gehört: «Das ist nicht schlecht für eine Schweizer Band!» Wenn ich mir heute unsere Platten noch einmal anhöre, finde ich, dass unsere Produktionen, unsere Instrumente genauso gut sind wie die der grossen Stars damals.

Laut Ihrem neuen Bandkollegen Jiggy Jones ist der Rap von 2025 Lichtjahre von jenem der 1990er und gar schon von jenem der 2000er entfernt. Sie wollen doch nicht etwa auf Autotune umsteigen?

Wir werden sehen! (lacht) Im Ernst, wir stehen zu unseren weissen Bärten, unserem 35-jährigen Bestehen und unserem Stil. Es würde nichts bringen, wenn wir uns zu jung geben würden.

Man sieht eine Band.
Eines der letzten Westschweizer Sens-Unik-Konzerte im Zelt des Paléo-Festivals 2010.

Sie leben in Los Angeles, Deborah in Lyon. Wie bringen Sie Ihre Terminkalender in Einklang?

Ich beginne im März mit den Dreharbeiten für einen Film in der Schweiz, das passt also gut. Ich werde im April zurück sein, um zu proben. Vor dem ersten Festival ziehen wir uns gemeinsam zurück, um alle technischen Aspekte vorzubereiten. Im Moment wählen wir vor allem die Titel aus und sehen, wie sie sich anfühlen. Aber wir sind bereit zu arbeiten. (Just One wirft ein: «Im September spielst du dann die Hauptrolle im neuen James-Bond-Film und bleibst in Europa!»)

Sens Unik waren stark mit Renens und später Lausanne verbunden, mit der Groove-Kultur im Flonviertel. Was ist davon übrig geblieben?

Das ist unsere Identität, ganz klar. Alle Rap-Gruppen sind mit ihrer Stadt verbunden. In den Anfängen des französischsprachigen Rap gab es drei wichtige Städte: Paris, Marseille und Lausanne. Wir haben unsere Stadt immer in den Vordergrund gestellt, zuerst Renens, weil ich dort gewohnt habe, und dann Lausanne, weil das Publikum uns immer unterstützt hat. Ohne die Lausanne-Family würden wir nicht existieren. Zurückkommen bedeutet auch, diesen Moment der Musikgeschichte zu würdigen, in dem sich die Hip-Hop-Kultur mit dem aufkommenden Elektro vermischte, und diese neuartige Bewegung war in Lausanne sehr stark.

Was freut Sie an Ihrer Wiedervereinigung am meisten?

Das Treffen mit alten Freunden und das Herzklopfen vor dem Auftritt.

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