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Die Glunggephoniker aus Weisslingen zeigen sich im neuen Gewand

In Weisslingen tüftelte die Gugge lange an ihren neuen Kostümen. Die Arbeit beginnt schon ein Jahr vorher und bedeutet viele Stunden an der Nähmaschine. Doch das Ergebnis lässt sich sehen.

Jule Bolliger schneidert die neuen Kostüme der Glunggephoniker.

Foto: Mel Giese Pérez

Die Glunggephoniker aus Weisslingen zeigen sich im neuen Gewand

Düstere Kostüme

Die Gugge aus Weisslingen hat an ihren neuen Kostümen getüftelt. Der Prozess beginnt schon im Jahr zuvor und verlangt viele, viele Stunden an der Nähmaschine.

30 mit Namen versehenen Säcke standen am Sommerfest der Glunggephoniker – die Fasnachtsgugge aus Weisslingen – für die Mitglieder bereit. Darin befanden sich weinrote Stoffe, glänzende Stoffe, Lederimitate, ein paar schwarze Stoffe, einige in Weiss.

Damit begann die neue Gwändli-Ära der Glunggephoniker. «Voodoo – Tanz der dunklen Kräfte» heisst ihre neue Devise.

In den letzten Jahren musizierten sie mit Kostümen, die den Elementen gewidmet waren: Von violett-blauen «Out of Space»-Outfits, inspiriert von der Luft, bis hin zu grünen Märchenwald-Kreationen, die das Element Erde verkörperten. Nun wurde es jedoch Zeit für eine neue Ausrichtung.

Eine fünfköpfige Gwändligruppe, bestehend aus aktiven Mitgliedern der Gugge, erarbeitete das Konzept der neuen Kostüme. Sie analysierten die Farben, die sie zuvor trugen, überlegten sich eine neue Kombination und ein dazu passendes Motto.

Über «Voodoo» als neue Thematik musste nicht lange diskutiert werden. Die Gugge sieht sich selbst als eine mystische, düstere Gruppe. Ein Sujet wie beispielsweise «die Untoten» wäre jedoch nicht infrage gekommen, denn der Begriff sollte nicht negativ konnotiert sein. «Ausserdem durfte die Magie nicht fehlen», sagt Stefanie Brack, Glunggephonikerin und Teil des Gwändliteams.

Brack und ihr Team setzten die Anteile der Farben und Stoffe fest. Das Material zahlen die Glunggephoniker aus ihrer Vereinskasse. Sie bestellen sie vom Textilwarengeschäft Bolli in Winterthur. Der komme der Gugge mit dem Preis etwas entgegen. «Aber ein Gwändli-Jahr ist immer ein teures Jahr», so Stefanie Brack.

Ein Kostüm, viele Möglichkeiten

Wie die Mitglieder aus ihren Stoffanteilen ein neues Gwändli machen, ist ihnen selbst überlassen. Einige geben den Auftrag ihren Mamis.

Andere nähen die Kostüme selbst. Sie suchen sich Schnittmuster aus und passen diese an. «Ich mache oft erst einen Prototyp, wenn ich etwas noch nie genäht habe», erzählt eine Glunggephonikerin, die sich selbst um ihr Kostüm kümmert.

Der Aufwand dabei ist riesig. «Es sind viele Wochenenden und Nachtschichten, bis die Kostüme fertig sind.» Dafür sei die Vorfreude umso grösser, wenn man das Kostüm endlich anziehen kann.

Eine Frau sitzt an der Nähmaschine und näht ein Kostüm.
Es kann Wochen dauern, bis ein Kostüm fertig genäht ist.

Dann gebe es auch noch den Trick 37. Solche, die weniger Wert auf ein ausgefallenes Kostüm legen, nähen die Stoffe einfach auf Jacken und Hosen, die gerade passen.

Und für die, die keine Nadel oder Faden in die Hand nehmen möchten – oder können –, steht Julia Bolliger bereit. «Sie näht wie ein Gott», schwärmt Brack.

Die Göttin mit Nadel und Faden

Wäre Julia Bolliger eine Göttin, so wäre ihr Nähatelier der Olymp. Im Keller ihres Hauses in Hettlingen hat sie sich ein Reich aus Mercerie, Scheren, Stoffe und Zeichnungen geschaffen. Hier entstehen keine Kostüme, sondern Kunstwerke.

Bolliger, die 20 Jahre in der Modeindustrie arbeitete, hat sich vor drei Jahren selbständig gemacht. Beim Auftrag der Glunggephoniker blüht sie regelrecht auf, da ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt werden.

Die Modedesignerin hegt eine Faszination für Cosplay-Kostüme. Dabei verkleidet man sich als eine Figur aus einem Anime, einem Manga oder einem Videospiel. Damit diese Verkleidungen so authentisch wie möglich aussehen, verwendet man die verschiedensten Materialien – nicht nur Stoffe. So arbeitet auch Bolliger.

Sie versetzt die Kostüme deshalb beispielsweise mit Stacheln aus Schaumstoff, mit Stickereien und Airbrush-Motiven. Oder mit LED-Lichtstreifen. Passend zum düsteren Thema hat sie sogar eine kleine Nebelmaschine in ein Kostüm eingebaut. «Das ist für den Major. Man sieht ihn meistens nur von hinten, deshalb hat er eine kleine Überraschung auf seinem Rückenteil», sagt Bolliger voller Vorfreude.

Ein Blick auf die Kleiderstange in «Jules Circus» – das Atelier der Designerin – verrät, dass sie nicht nur viele, viele Stunden Arbeit in die Kostüme investiert, sondern auch viel Leidenschaft in jedes Stück gesteckt hat. Schon bei den Zeichnungen erkennt man ihre Liebe zum Detail.

«Ich habe mir meine Arbeit damit aber definitiv nicht einfacher gemacht, dass jedes Teil ein Unikat auf Mass ist und so viele Verzierungen hat», sagt Bolliger verschmitzt und zeigt die Knopfleiste eines Mantels, der bis zum Boden geht.

Insgesamt zwölf Kostüme hat sie in sechs Monaten hergestellt: jeweils eine Hose, einen Mantel und ein Bühnenoutfit. Für einen Dreiteiler verlangt sie bis zu 1400 Franken, je nach Design, Schnitt und Details. «Am Ende zählt für mich nicht nur meine investierte Zeit, sondern auch die Begeisterung der Musiker, die meine Kostüme tragen.»

Aufwand, der sich lohnt

Wenn es um ihre Gwändli geht, sieht man die Begeisterung der Glunggephoniker schon auf den ersten Blick. Nicht nur die Kostüme sehen wie Meisterwerke aus, auch die Schminke sitzt mit ihren vielen Details perfekt. Egal, ob die Kleidung selbst oder von der Schneiderin genäht wurden; einheitlich sehen sie durch die Vorbereitung des Gwändliteams allemal aus.

Der Aufwand ist enorm. Deshalb würde es auch bloss alle drei Jahre ein neues Gwändli geben. «So bleibt unsere Arbeit möglichst lange erhalten», sagt Brack. Und eine Voodoo-Gugge mit solch ausgeklügelten Kostümen kann man getrost an mehreren Fasnachten bewundern.

Gwändlipräsentation der Glunggephoniker

Wer neugierig auf die neuen Kostüme der Voodoo-Gugge ist, kann sich an der öffentlichen Gwändlipräsentation der Glunggephoniker selbst verzaubern lassen. Am 25. Januar um 11 Uhr enthüllen sie ihre Kostüme auf dem Vorplatz des Wisliger Märt.

Endlich ist wieder Fasnacht!

In wenigen Tagen beehren wieder die ersten Guggen und Masken die Strassen der Region. Und so viel dazu: das Oberland hat ein paar Schmuckstücke im Fasnachtskalender eingetragen. Schon am 31. Januar beginnt es in Hittnau an der Jugendfasnacht laut und bunt zu werden. Im Verlauf des Wochenendes wird es dort auch für Erwachsene Gelegenheit zum Tanzen und Anstossen geben. Auch im Glattal geht es schon am 1. Februar in Dübendorf los mit der Familienfasnacht unter dem Motto Heldinnen und Helden.

Am 8. Februar sind es die Glunggephoniker, die an der Wisliger Fasnacht den Ton angeben. Der Umzug startet um 13.33 Uhr beim Chalcheren. Nach dem Umzug gibt es Festwirtschaft, Kinderanimation und die Maskenprämierung. Am Abend lädt die Gugge zum Maskenball ein, der mit einem pompösen Setting das Publikum begeistern wird. Der Ball beginnt um 19.30 Uhr im Widum und geht bis tief in die Nacht. Auch das Tösstal kommt nicht zu kurz und fasnächtelt am 15. Februar in Turbenthal beim Kinderumzug.

Wer von der Konfetti-Fest-Zeit nicht genug kriegen kann, hat noch bis Mitte März die Gelegenheit, sich in ein Kostüm zu stecken. In Wald beispielsweise wird vom 7. bis am 11. März gefeiert. Mit Motto, Beizenfasnacht, Chääs Bölle Wähe und ganz vielen Guggen. So, wie es sich eben gehört.

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