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Ein «neues» Stadtorchester rockt für Uster

Was haben Haydn und Hendrix gemeinsam? Sie werden im Ustermer Stadthofsaal am selben Abend gespielt.

Das Orchester setzt sich aus Profimusikerinnen und Laien zusammen.

Foto: Simon Grässle

Ein «neues» Stadtorchester rockt für Uster

Klassik trifft auf Moderne

Von Haydn bis Hendrix: Ein 30-köpfiges Orchester spielt am Freitagabend unter der Leitung von Peter Grob – es nennt sich «Beyond Silence» und mischt Stile.

«Zwei Gymnasiasten aus dem Oberland auf Erfolgskurs» – so titelte diese Zeitung 1997 und feierte damals die junge Klavierspielerin Simone Hänseler aus Rüti und den 19-jährigen Geiger Peter Grob aus Fehraltorf.

27 Jahre später haben sich Hänseler und Grob wieder zusammengeschlossen und gründeten den Verein Beyond Silence. Damit wollen sie Uster mit klassischer Musik erobern. Auf ihren Flyern steht, dass sie ein «neues Stadtorchester für Uster» sind.

Peter Grob wohnt zwar in Zürich, aber er kennt die Stadt gut: Bis 2023 hat er das Kammerorchester in Uster geleitet.

«Wir wollten im Zentrum von Uster anfangen, also im Stadthofsaal», sagt der Dirigent. Er könne sich aber durchaus vorstellen, auch einmal in einer Kirche zu spielen. «Die Akkustik eines Raums bestimmt das Programm», sagt er.

Streicher anstelle von E-Gitarre

An ihrer Aufführung im Stadthofsaal spielt das Orchester Haydn, Mendelssohn und Mozart, aber erstaunlicherweise auch «Purple Haze» von Jimi Hendrix. «Wir wollen etwas bieten, was zum heutigen Uster passt», sagt Grob. Für den 46-jährigen Dirigenten ist es wichtig, verschiedene Stile zu vereinen.

«Mein Ziel ist es, die Klassik zu revolutionieren, sie darf gerne etwas frischer daherkommen.» Deswegen wollte er ein Stück aus der Rock-Ecke ins Programm einfliessen lassen. Für Hendrix’ Stück wird dennoch keine E-Gitarre im Saal sein: Grob verwendet die Komposition von Daniel Schnyder, der das Stück für Streicher umgeschrieben hat.

«Ich habe in Zürich auch schon einmal Sofas in die Tonhalle gestellt, damit die Leute nicht so steif auf ihren Stühlen sitzen mussten», gibt Grob als weiteres Beispiel an, wie man ein klassisches Konzert etwas aus der staubigen Ecke holen könnte.

Grob liegt die Energie eines Stücks am Herzen. Auch mag er Vielfalt. So sind auch die Werke an dem Abend im Stadthofsaal durch dynamische Kontraste geprägt: «Mendelssohns Sinfonie beginnt zum Beispiel leise und fast mystisch, endet aber furios und sehr laut.»

Haydns Sinfonie beginnt hingegen irritierend laut. «Das war Konzept, denn er hat es für ein Pariser Publikum geschrieben – und dieses war bekannt für seine Unaufmerksamkeit», erklärt Grob.

Laien, aber kein «Jekami»

«Mit Benjamin Engeli konnte einer der berühmtesten Schweizer Pianisten gewonnen werden.» Er spielt in den grossen Konzertsälen Europas wie dem Concertgebouw Amsterdam oder der Wigmore Hall London, der Sala São Paulo oder dem Oriental Arts Center Shanghai.

Neben Engeli setzt sich das Orchester aus insgesamt dreissig Musikerinnen und Musikern und ambitionierten Laien zusammen. «Die Bläser sind alles professionelle Musiker», so auch die Stimmführer, wie die erste Geige.

Es sei aber nicht so, dass man sich als Laie einfach hinter der Hauptstimme verstecken könne. «Die Musiker kamen alle top vorbereitet zu den Proben», so Grob.

Das heisst, auch die Laienmusiker bringen ein hohes Level mit. «Das ist nicht einfach ein Jekami – Jeder-kann-mitmachen-Orchester.» Als Ausgleich sei es Grob wichtig, dass die Proben für die Laien eine Bereicherung darstellen, dass sie etwas lernen und mitnehmen können.

«Miteinander etwas entstehen zu lassen, bringt für mich einen entscheidenden Mehrwert», sagt Grob. Auch das passe für ihn zu Uster, einer Stadt, die aus seiner Sicht ein eigenes Orchester verdient habe.

«Beyond Silence» soll also ein neues Stadtorchester für Uster werden, genau so, wie es auf dem Flyer steht? Der Dirigent schmunzelt und beschwichtigt: «Ob wir das neue Stadtorchester für Uster werden, das müsste uns dann die Stadt bestätigen.»

Weitere Anschlussaufführungen oder Proben in einer neuen Konstellation seien jedenfalls noch nicht geplant. «Wir wollen jetzt erstmal sehen, wie die Premiere über die Bühne geht und dann allenfalls weitere Auftritte ansetzen», sagt Grob. Natürlich müsse dafür auch eine weiterführende Finanzierung gegeben sein.

Was Pause mit Stille zu tun hat

Warum sich der Verein Beyond Silence – jenseits der Stille – nennt, passt zum Konzept. Steht nämlich «Silence» in einer Komposition, ist damit das französische Wort «silence» gemeint – eine Pause. «Die Stille zwischen den Tönen erschafft erst die Spannung eines Werks», sagt Grob. Diese Stille könne somit auch lautstark sein und das Publikum für einen kurzen Augenblick in eine andere Welt mitnehmen.

«Beyond Silence» in Uster

Das Orchester spielt unter der Leitung von Peter Grob um 20 Uhr im Stadthofsaal Uster die Sinfonia in h-Moll von Felix Mendelssohn, die Sinfonie Nr. 83 La poule von Joseph Haydn und die Purple Haze Variations von Jimi Hendrix und Daniel Schnyder – mit dem renommierten Schweizer Pianisten Benjamin Engeli das Klavierkonzert in A-Dur KV 488 von Wolfgang Amadé Mozart.

Das Konzert findet im Ustermer Stadthofsaal statt, und zwar am Freitag, 1. November, Abendkasse ab 19 Uhr. Tickets hier.

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