Kultur

Diese zwei Frauen bringen frischen Wind in die Schöntal-Ateliers

In Rikon steht die 34. Atelierausstellung vor der Tür. Gelegenheit für die zwei neuen Künstlerinnen, sich und ihre Werke vorzustellen.

Diese zwei Frauen bringen frischen Wind in die Schöntal-Ateliers

Die Neuen bringen Vielfalt

Seit 34 Jahren gibt es die Ateliers im Werkhof Schöntal in Rikon. In den letzten Monaten sind zwei neue Künstlerinnen eingezogen. Kurz vor der jährlichen Ausstellung stecken sie mitten in den letzten Vorbereitungen.

Im Schöntal in Rikon – dort, wo auch die Feuerwehr und der Werkhof beheimatet sind – wartet auf neugierige Besucher eine besondere Welt. Etwas versteckt, im hinteren Teil des Gebäudes, gelangt man über eine unscheinbare Treppe in die Kunstateliers.

Ein Reich voller Farben, Formen und Kreativität. Hier schafft Ulla Rohr ihre Kunstwerke – und das seit 34 Jahren. Sie ist, wie sie selber sagt, das «letzte Urgestein» der ursprünglichen Ateliergemeinschaft.

Davon zeugt nicht zuletzt ihre Arbeitsnische. An der Decke kleben alte Ausstellungsplakate, die Regale sind voller Kunstbücher und Prospekte, auf allen möglichen und unmöglichen Flächen reihen sich ihre Werke aneinander.

Ob Bilder oder Skulpturen – sie alle haben etwas gemein: den Menschen. Die 78-Jährige ist gerade dabei, aus dickem Draht einen menschlichen Körper zu formen. Die Kunst, insbesondere die Malerei, begleitet sie schon ihr ganzes Leben lang.

«Von ihr können wir alle nur lernen», sagt Esther Rathgeb. Die 63-Jährige hat sich vor Kurzem in der Nische direkt neben Rohr eingerichtet. Die alteingesessene Künstlerin hatte ihr diesen Bereich abgetreten, weil sie ihr Atelier verkleinern wollte.

Sie tritt zwar kürzer, aber ans Aufhören denkt Rohr noch lange nicht. Im Gegenteil. «Ich mache hier weiter, solange ich noch die Treppen hinaufkomme.» Sie war es, die sich damals gemeinsam mit Richi Heer – der im vergangenen Herbst 80-jährig verstorben ist – für die Künstlerateliers im Werkhof starkgemacht hatte.

Die Gemeinde war schliesslich einverstanden – mit der Auflage, dass die eingemieteten Künstler einmal im Jahr zeigen, was sie am Ort des Geschehens machen. Die Atelierausstellungen waren geboren. «Mittlerweile sind sie ein etablierter Treffpunkt», sagt Rohr.

Schon als Besucherin von den Ateliers begeistert

Immer eine regelmässige Besucherin war Esther Rathgeb. Von den Ateliers war die Rikemerin schon immer fasziniert. Dieses Jahr ist sie nun zum ersten Mal aktiver Teil davon. «Mich interessiert, was andere Künstler machen», sagt sie.

Die Ateliergemeinschaft sei ein idealer Raum, sich auszutauschen und seine Fähigkeiten weiterzugeben. «Neid ist keiner vorhanden. Jeder hat seine Sachen und Techniken.» Kreativität begleitet sie schon seit der Schulzeit, Malen und Zeichnen waren ihre Lieblingsfächer. Seit 2009 besucht sie regelmässig Kurse, um Fähigkeiten in der Malerei zu verbessern.

Die gelernte Kleinkindererzieherin, die auch elf Jahre im Büro der Stadtpolizei Winterthur gearbeitet hat, hat sich frühpensionieren lassen. Sie hofft, dass sie nun der Kunst noch mehr Zeit widmen kann. Trotzdem ist ihr eines wichtig: «Die Kunst ist ein Hobby, und das soll so bleiben.»

Bei sich zu Hause hat sie eine Galerie, wo ihre Bilder entstehen. Bestimmte Themenschwerpunkte hat Rathgeb nicht. Sie lässt sich lieber von Techniken und Materialien leiten. So kommen etwa Kleister, Kaffeesatz, Steinmehl, Sand und natürlich Farben zum Einsatz. «Das Ganze dann mit Pinsel oder Spachtel auf Leinwand aufzutragen, ergibt interessante Werke», ist sie überzeugt.

Rathgeb ist aber nicht nur in der Malerei zu Hause. Sie kreiert auch Figuren aus verschiedenen Rohstoffen wie Zement, Ton oder Schwemmholz. Kunstwerke, die sie gerne in neue Hände geben möchte, hat sie nun in ihrer Ateliernische platziert. Alle anderen, von denen sie sich noch nicht trennen kann, hat sie zu Hause gelassen.

Auf die Vielfalt, die eine gemeinsame Ausstellung mit sich bringt, freut sie sich besonders: «Jeder von uns bringt seine eigenen Leute mit. Das verspricht einen spannenden Austausch.»

Die Freude am kreativen Schaffen vermitteln

Rathgeb ist aber nicht das einzige neue Gesicht in der Ateliergemeinschaft. Das zweite trifft man im grossen Raum direkt nebenan. Hier, wo früher das Reich von Richi Heer war, wirkt nun Susanne Krummenacher.
Sie konnte das ganze Atelier übernehmen – mitsamt der Ausstattung und der Kunstwerke, die noch da waren.

Keine so einfache Aufgabe. «Was macht man Bildern, die man nicht selbst gemacht hat?», meint sie.
So musste sich Krummenacher zuerst zurechtfinden. Zwei von Heers Bildern, die prominent an der Wand hängen, hat sie weiterentwickelt und mit einer eigenen Note versehen – das eine mit Vögeln, das andere mit einem grossen Schwan.

Krummenacher ist keine Unbekannte in der Region. Die 50-Jährige unterrichtet an der Sekundarschule Zell als Fachlehrerin Zeichnen, Gestalten und Werken. Vielen Jugendlichen hat sie schon die Freude am kreativen Arbeiten vermittelt. Sie ist überzeugt, dass jeder, der will, Kunst erschaffen kann.

Deswegen zeigt die gebürtige Walderin an der Ausstellung nicht nur ihre eigenen Werke, sondern auch die von ihren Schülerinnen und Schülern der dritten Sek. Auf einem Tisch hat sie bereits erste Bilder ausgelegt, es sollen noch Zeichenhefte und Fotos folgen.

Momentan ist sie noch ganz damit beschäftigt, ihr Atelier für die Eröffnung herzurichten. Tatkräftige Unterstützung erhält sie dabei von ihrer Hündin Gina. Schwanzwedelnd begrüsst diese alle potenziellen Besucher und ergattert sich so ihre Streicheleinheiten. Der perfekte Icebreaker. «Sie vervollständigt mich», meint Krummenacher und belohnt ihre Begleiterin mit einem Kopfkraulen.

Tiere sind es denn auch, die in der Kunst von Krummenacher allgegenwärtig sind – ob in Bildern, Skulpturen oder Collagen. Andere Themen, die sich in den Werken finden, sind Musik, Farben und Linien.

Obwohl sie mit ihrem Arbeitspensum an der Schule und dem eigenen Hof in Langenhard mehr als ausgelastet wäre, findet sie immer noch Zeit fürs kreative Schaffen – und wenn das abends um elf ist.

So sind etwa die Bilder, die sie an der Ausstellung zeigt, alle in den letzten Monaten entstanden. Trotzdem sind für Krummenacher die ganzen Vorbereitungen mit viel Spass verbunden: «Ich liebe es, Ausstellungen zu machen.»

Die 34. Atelierausstellung findet vom 1. bis 10. November im Werkhof an der Schöntalstrasse 10 in Rikon statt (Eingang hinten). Die Ausstellung ist wie folgt geöffnet:

Freitag, 1. November: ab 17 Uhr (Vernissage)

Samstag, 2., und Sonntag, 3. November: 14 bis 17 Uhr

Mittwoch, 6. November: 14 bis 17 Uhr

Samstag, 9., und Sonntag, 10. November: 14 bis 17 Uhr (Finissage)

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