Die Regisseurin nahm den Sängern die Schuhe weg
Zeller Chortheater spielt Oper «Der Mond»
Das Zeller Chortheater widmet sich einer selten gespielten Oper von Carl Orff, dem Werk «Der Mond». Das «kleine Welttheater» handelt vom Besitzstreben und Nicht-loslassen-Können.
Fantastisches, Mysteriöses und Absurdes schwingt mit, wenn das Zeller Chortheater auf die Bühne kommt. In seinen ausverkauften Superheldenmusicals oder lokalen Adaptionen von Klassikern wie der «Zauberflöte» («Zellerflöte») werden grosse Emotionen beschworen. So auch in Carl Orffs «Der Mond», der Mitte November im Rikoner Singsaal Hirsgarten aufgeführt wird.
Nichts weniger als «ein kleines Welttheater» verspricht die Regisseurin Charlotte Joss. Das Bühnenbild und die Kostüme hat sie entworfen, mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Tochter Sarah Deissler, die unter anderem die Masken beisteuert. Sohn Kilian Deissler hat wie üblich die musikalische Leitung übernommen und spielt einige Instrumente selbst. Für diese Inszenierung hat er sogar Zither gelernt.
«Das Zeller Chortheater ist ein Familienunternehmen», sagt Charlotte Joss, «anders würde es nicht mehr gehen.» Geld hätten sie keines, aber viele künstlerische Ressourcen. «Wir können alles, was im Theater gemacht werden muss.»
Barfuss im Nachthemd
Die 71-jährige Schauspielerin, bis 2016 auch Dozentin an der ZHdK, lässt es sich nicht nehmen, im Werk «Der Mond» die anspruchsvolle Rolle des Erzählers selbst zu singen. «Ich nehme Gesangsstunden dafür», sagt sie, «es ist eine schwierige Stimmlage für mich.» Das Herausfordernde sei der stakkatoartige Rhythmus, die Töne müssten deutlich voneinander abgesetzt werden.
Für die Amateursängerinnen und -sänger im Alter von 27 bis 80 Jahren sei das anspruchsvoll und neu. «Aber die Proben geben ihnen unglaublich viel Energie; es ist ein Jungbrunnen», sagt Charlotte Joss. Zudem lässt sie den Chor barfuss auftreten, um das Archaische der Handlung zu unterstreichen. «Nachthemden, wo die Beine unten rauskommen, sind eine Augenweide!»


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Die 1939 uraufgeführte Oper erklingt in Rikon in einer autorisierten Fassung für kleines Ensemble. Nach einem Märchen der Brüder Grimm stehlen vier Burschen eine Mondlampe, um ihr Land zu beleuchten, in dem immer Dunkelheit herrscht.
Als sie sterben, will jeder ein Viertel des Mondes mit in den Sarg gelegt haben – doch dies hält sie vom «Schlafen» ab. In der Gruft wachen alle Toten aufgrund der Helligkeit auf, und es steigt eine wilde Party. Ein Engel kommt vom Himmel herab und feiert mit ihnen. Dann macht er sie betrunken und singt sie in den Schlaf. Der Mond kommt wieder zurück ins Dorf.
Das Nicht-loslassen-Können
Ein Kernthema des Stücks ist für Charlotte Joss das Nicht-loslassen-Können. «Man sieht das Besitzstreben, obwohl man nichts mitnehmen kann», sagt sie. «Junge Männer betrügen ihre Mitmenschen, und es gibt einen Nachbarschaftsstreit zwischen Ländern, die sich das Öl (für die Lampe, Anm. d. Red.) nicht gönnen.» Das Spiel sei fast holzschnittartig, auch wegen der über 40 für die Aufführung geschaffenen Masken.
Musikalisch erwartet das Publikum ein dramatisches Werk mit chorischem Sprechgesang, aber auch lyrischen Melodien.
Da der Engelburgsaal wegen Umbau nicht zur Verfügung steht, musste das Zeller Chortheater auf den weitaus kleineren Singsaal Hirsgarten ausweichen. Rund 130 Leute finden dort Platz; wer keine Karte ergattert, sollte die Website im Auge behalten. Eventuell gibt es zusätzliche Termine im Januar.
Derweil denkt Charlotte Joss schon weiter. Sie plant, mit 90 Jahren Schumanns «Dichterliebe» zu singen, «begleitet von einem Akkordeon, in einem Nebel versunken». Doch es sei hart, in 20 Jahren all das zu schaffen, was sie noch möchte. Immerhin: «Mein familiäres Umfeld trägt mich», sagt sie, «ich bin gefühlt etwa 50.»
«Der Mond», Sa, 2. und 16.11., 20 Uhr sowie So, 3. und 17.11., 18 Uhr im Singsaal Hirsgarten, Rikon. Karten: 35 Franken. Ausserdem Aufführung im Scala Wetzikon am So, 27.10., 20 Uhr. Mehr Infos auf www.zellerchortheater.ch
