Der Circo Fantazztico kehrt wieder nach Nänikon zurück
Schweizer Premiere
Der costa-ricanische Zirkus tourt mit seinem sozialen Projekt wieder in der Schweiz. Die Premiere feiert er in Nänikon – einem Ort, den er seit Jahren kennt.
In Nänikon finden spannende Welten Platz: ein Shrimps-Start-up mit einer Vision, ein innovatives Velokino oder das alternative Festival Konkret. So steht auch dieses Wochenende ein spezielles Programm an.
Der Zirkus Filacro begrüsst einen Kumpel, den er seit elf Jahren kennt: den Circo Fantazztico. «Wir freuen uns sehr auf diese Aufführung», sagt Martin Henzi, Leiter des Zirkus Filacro. Denn der Zirkus aus Costa Rica kann viel mehr als nur eine Bühnenshow auf die Beine stellen.
Der Circo Fantazztico ist gleichzeitig eine Artistenschule und ein soziales Projekt. Eigentlich ist er in Cocorí zu Hause. Einem Armenviertel in der Provinz Cartago, mitten in Costa Rica.
In dieser sozialen Randzone fördert der Circo Kinder und Jugendliche auf eine künstlerische Art. Sozusagen eine Alternative zur Härte der Strasse.
Ein Zufluchtsort für Kinder und Jugendliche
«In Vierteln wie diesem ist die Priorität das Überleben. Den Familien fehlen die Ressourcen, um Kinder in Kunst oder auch Sport zu fördern», erklärt Carolina Gil, Pädagogin beim Circo Fantazztico.
Sie ist schon seit vielen Jahren mit dabei und weiss, wie wichtig ein solches Projekt für die Jugendlichen ist. Denn das Viertel hat verschiedene Probleme. Mit dem Circo haben die Mädchen und Jungen die Möglichkeit, sich auf etwas anderes zu fokussieren als beispielsweise Gewalt oder Drogen.
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Die Motivation der jungen Artistinnen und Artisten sei dadurch enorm. «Das sind Kinder, die sehr aktiv und lebendig sind. Sie lernen schnell und toben sich künstlerisch aus.» Insgesamt werden zehn Kinder und Jugendliche in der Schweiz und in anderen europäischen Ländern touren.
Die Jüngste ist gerade mal zehn Jahre alt. Der Älteste ist 24. «Er hat als Zwölfjähriger zu uns gefunden. Heute ist er ein wichtiger Teil des Zirkus. Er ist sozusagen unser Akrobatiklehrer», sagt Gil.
Von Abfallbergen und Nebelkuppen
Zusammen arbeitet die Zirkusgruppe an den Showelementen wie auch an der Geschichte, die sie auf ihrer Tour erzählt. Das Stück ist eine Mischung aus Zirkus und Theater. «Es heisst ‹Die Sprache der Wolken› und sammelt viele Anekdoten aus dem Viertel.»
Cocorí galt stets als gefährlich. Vor allem früher hätte sich niemand hineingetraut. Ausserdem sei es auch wegen der grossen Mülldeponie bekannt gewesen. Die Bevölkerung assoziierte Cocorí deshalb mit Bergen von Abfall.
Doch vor allem sei es auch schon immer eines gewesen: eine Heimat mit einer bezaubernden Aussicht. Die hügelige Landschaft habe viel zu bieten, so Gil. «Es gibt kaum etwas Schöneres, wenn der Nebel über den Bergkuppen schwebt.»
Und diese Schönheit wie auch die Echtheit von Cocorí will die Zirkusgruppe wiedergeben. Manchmal verfolgten die Kinder lachend die Müllabfuhr, manchmal suchten sie in allen Ecken der Stadt nach Abenteuern: Geschichten gibt es genug.
«Wir sind schon seit vielen Jahren in diesem Viertel aktiv und konnten eine grosse Veränderung miterleben», sagt die Zirkuspädagogin. So lebendig wie die Stadt soll auch das Stück auf der Bühne sein.
Darüber, ob sich das Publikum mit den Artistinnen und Artisten identifizieren kann, macht sich Gil keine Gedanken. «Spricht man Gefühle an, so spricht man eine universelle Sprache. Und diese verwenden wir in unserem Stück.»
Aber wieso genau die Aussenwacht?
Unterstützt wird der Circo Fantazztico von Ecosolidar. Einer Organisation, die sich für soziale Projekte auf der ganzen Welt einsetzt. «Wir sind sehr glücklich, dass wir diese Unterstützung erhalten. So können wir den Kindern und Jugendlichen das Programm kostenlos garantieren», sagt die Zirkuslehrerin.
Neben den grossen Städten wie Bern oder Basel wird der Circo Fantazztico in Nänikon auftreten – sogar dort die Schweizer Premiere feiern. Aber wieso ausgerechnet Nänikon?
Die Aussenwacht sei gut in der Nähe von Uster und Zürich gelegen, so komme ein grösseres Publikum infrage, erklärt Linda Schnetzler, Mediensprecherin von Ecosolidar. Das sei wichtig für die Vermittlung des Projekts. Die Verortung ist aber nicht alles.
«Der Zirkus bietet eine inspirierende Atmosphäre. Und wir pflegen seit Jahren eine freundschaftliche Beziehung zum Zirkusleiter Martin Henzi», sagt Schnetzler. Seine Unterstützung bei der Planung und seine wertvollen Kontakte seien für den Circo Fantazztico und für Ecosolidar von unschätzbarem Wert.
Der Circo Fantazztico wird am Samstag, 7. September, um 19 Uhr und am Sonntag, 8. September, um 16 Uhr in der Fabrikhalle des Zirkus Filacro auftreten. Der Barbetrieb startet jeweils eine Stunde vor Beginn der Aufführung, am Schluss der Vorstellung gibt es eine Kollekte. Platzreservationen können auf der Website filacro.ch gemacht werden.
