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«Wir wollen Diskussionen über die Kunst im Oberland anregen»

Ende August beginnt die zweite Ausgabe des Kunstlokal-Festivals. Die künstlerische Leiterin Linda Walter erklärt die Idee dahinter.

Die künstlerische Leiterin des Kunstlokal-Festivals, Linda Walter (links), tauscht sich mit Andrea Züllig und Heiko Schätzle vom Sound-Artist-Duo bittelangsam aus.

Foto: Joshua Gutenberg

«Wir wollen Diskussionen über die Kunst im Oberland anregen»

Kunstlokal-Festival

Ende August beginnt die zweite Ausgabe des Kunstlokal-Festivals. Die künstlerische Leiterin Linda Walter erklärt die Idee dahinter.

Joshua Gutenberg

Vor zwei Jahren feierte das Kunstlokal-Festival Premiere. Ende August beginnt nun die zweite Ausgabe unter dem Motto «(un-)produktive Freizeit». In mehreren Museen im Oberland sind während einem Monat verschiedene Veranstaltungen geplant.

Den Auftakt macht am Samstag eine Vernissage im Dürntner KMM Kulturzentrum. Dort haben wir die künstlerische Leiterin Linda Walter während der Aufbauarbeiten zum Gespräch getroffen.

Frau Walter, was kann man sich unter dem Kunstlokal-Festival vorstellen?

Linda Walter: In insgesamt sechs Museen des Zürcher Oberlands werden Kunstwerke ausgestellt, die von zehn verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern stammen. Es wird skulpturale Installationen und Videokunst zu sehen geben, aber beispielsweise auch eine Pop-up-Store-Verkaufsperformance namens Lifestyle Bullshit. Die Finissage des Festivals bildet eine den Alraunen gewidmete Chordarbietung.

Wir befinden uns im Kulturzentrum in Dürnten. Im ersten Stock wird gerade eine Installation aufgebaut. Worum handelt es sich dabei?

Das Sound-Artist-Duo bittelangsam ist gerade beim Aufbau seiner Klangskulptur aus Polyphon-Lochplatten, die aus dem KMM Kulturzentrum stammen. Einem Museum, das Ausstellungen zu Klängen, Menschen, Maschinen produziert.

Das Festival beschränkt sich auf Institutionen im Oberland. Gilt das auch für die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler?

Wir haben verschiedenste Kunstschaffende mit dabei, die nicht bloss im Oberland, sondern teilweise sogar international wirken. Bei der Auswahl war uns die thematische Nähe zu den jeweiligen Museen, die als Ausstellungsstätten dienen, besonders wichtig. Gleichzeitig wird auch mit der lokalen Kunstszene zusammengearbeitet, um Bezüge und einen Austausch herzustellen.

Worin sehen Sie das Potenzial, das Museum als Wissensstätte mit der Kunst zu verschmelzen?

Das Museum ist ein Ort, an dem Kultur archiviert und zugleich reflektiert wird. Dabei wird ein durchaus wissenschaftlicher Ansatz verfolgt – ein ordnendes Prinzip. Wir möchten zeigen, wie ein künstlerischer Ansatz dazu beitragen kann, dieselbe Materie in neuer Form auszustellen und zu diskutieren.

Wie kam es eigentlich zur Entstehung des Kunstlokals?

Cynthia Stucki, die Gründerin des Festivals, erhielt für ihr Konzept einen Förderbeitrag der Stadt Wetzikon, woraufhin das Organisationsteam ins Leben gerufen wurde. Teil des Entstehungsprozesses war mitunter, Partnerschaften mit regionalen Museen zu entwickeln und diesen darzulegen, inwieweit das Kunstlokal die Museumsangebote ergänzen kann. Gerade kritische und experimentelle Herangehensweisen an die Ausstellungsinhalte werden dabei begrüsst, um Diskussionen darüber anzuregen, was im Oberland bisher Repräsentation fand – und was nicht.

Linda Walter ist künstlerische Leiterin des Kunstlokal-Festivals und wohnt in Winterthur. Gegründet hat das Festival Cynthia Stucki. Zum Organisationsteam gehören auch Carole Bruderer-Blanchard und Markus Dubs, die im Oberland verankert sind.

Worauf lag der Fokus bei der Organisation des Festivals?

Dieses Jahr legen wir den Fokus darauf, zu jedem ausgestellten Kunstwerk ein Vermittlungsformat zu gewährleisten, seien es Workshops oder Gespräche. Die interaktive Dimension steht dabei im Zentrum. Die Kunst soll nicht für sich allein stehen, sondern gemeinsam erlebt und diskutiert werden.

Wie nahmen die Besuchenden die zur Schau gestellte Kunst bei der letzten Ausgabe wahr?

Ich weiss um Reaktionen, die aufgrund der Videoarbeit von Kira van Eijsden entstanden sind. Ihre Darbietung in «Quasikreatur (to try and irritate)» im Museum Wetzikon war ein Beispiel einer starken künstlerischen Ausdrucksform in einem musealen Kontext, in dem normalerweise keine Kunst gezeigt wird. Für einige Leute war das verwirrend, aber die meisten Besucher des Kunstlokals wussten es sehr zu schätzen.

Welche Bedeutung ist dem Festival für die Oberländer Kunstlandschaft beizumessen?

Wir hoffen, zu zeigen, welche neuen Vermittlungsformate durch die Zusammenarbeit zwischen regionalen Museen und dem Kunstschaffen entstehen und von den Museen über die Festivaldauer hinaus eingesetzt werden können. Für die Gäste gibt es viel Überraschendes zu entdecken. Gerade in Bezug auf das diesjährige Thema liefern die Formate interessante Ansätze, die Deutung von Produktivität und Unproduktivität zu ergründen.

Das Kulturlokal-Festival mit dem Titel «(un)produktive Freizeit» dauert vom 31. August bis zum 29. September und wird in sechs verschiedenen Museen in Dürnten, Bubikon, Pfäffikon, Wetzikon und in Neuthal abgehalten. Die Finissage wird im Ritterhaus Bubikon stattfinden. Weitere Informationen unter kunstlokal-festival.ch.

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