Dieser Rundgang bringt Licht in die Dorfgeschichte Turbenthals
Schaudepot Tösstal
Auf einer historischen Führung durchs Dorf präsentierte der Museumsverein Turbenthal Geschichten zu bedeutenden Häusern und bemerkenswerten Persönlichkeiten von damals.
Das Schaudepot Tösstal öffnet aktuell einmal pro Monat seine Türen, um interessierten Menschen die rund 3000 Exponate aus historischer Zeit zugänglich zu machen.
Allerdings: «Es ist viel interessanter, wenn man direkt vor Ort vergleichen kann, wie es früher war und wie es heute ist, und so die Entwicklung erkennt», erklärt Christian Meier, Vorstandsmitglied des Museumsvereins Turbenthal, das Konzept seiner Führung.
Deshalb erkundeten die Teilnehmenden am Sonntag nicht nur die Gegenstände aus früheren Zeiten im Schaudepot, sondern liessen sich von Meier auf dem historischen Bummel durchs Dorf zeigen, wo sie hergestellt und gebraucht wurden.
Damals und heute im Direktvergleich
Meier freute sich sehr über den grossen Besucherzulauf an seiner Führung, auf der er als erste Station von der Einweihung des Risi-Schulhauses im Jahr 1915 erzählte.
Dieses steht in Hutzikon, damals noch ein eigenständiges Dorf, das in den 1930er Jahren erzwungenermassen auf Geheiss des Kantons in Turbenthal eingemeindet wurde.
Viele Schulklassen und Vereine haben diesen prachtvollen Schulhausbau im Lauf der Jahre als Kulisse für ihre Gruppenfotos verwendet.



Auf den Fotos, die Meier herumreichte, faszinierten heuer allerdings eher die Kleidermode und Frisuren von damals, und die alteingesessenen Turbenthaler werweissten eifrig, wer von ihren damaligen Gefährten alles abgebildet ist.
Unter dem schattenspendenden Ahornbaum verwies Meier zudem auf die in den 1920er Jahren erbaute Villa der Familie Boller. Früher thronte sie allein rechts vom Schulhaus über Turbenthal.
Heute führt sie einem im Vergleich mit den modernen Häusern an der Sonnhalde eindrücklich die Entwicklung der Bauweise in den letzten 100 Jahren vor Augen.
Berühmter Turbenthaler Erfinder
An der nächsten Station vor dem Gemeindehaus an der Tösstalstrasse folgten unter anderem Geschichten zur Spenglerei Gubler und zu Heinrich Gubler, der ein wahrer Erfinder war.
Er hat neben einer mit einer Handkurbel betriebenen Waschmaschine unter anderem einen 49 Kilogramm schweren, auf dem Rücken tragbaren Feuerlöscher erfunden – und hat damit 1878 an der Weltausstellung in Paris sogar einen Preis gewonnen.
Im Anschluss an die acht historischen Stationen gabs in der kühlen Beiz des Schaudepots Gelegenheit für die Teilnehmenden, sich zu verköstigen und Erinnerungen auszutauschen.
Das sagen die Teilnehmenden der Führung
Yvonne und Kurt Rusterholz

«Wir leben seit 50 Jahren in Turbenthal. Es ist schön, dass der Museumsverein diesen Ort in der ehemaligen Zivilschutzanlage gefunden hat für all diese Zeitzeugnisse der Dorfgeschichte. Besonders für ältere Menschen hat das eine hohe Bedeutung. Ich erinnere mich noch, wie meine Mutter mit einer Holzwaschmaschine gewaschen hat, und möchte das meinen Kindern und meinen fünf Enkeln gern mal zeigen im Schaudepot.»
Ernst Harr

«Ich bin ein Ur-Turbenthaler, schon mein Urgrossvater wirtschaftete hier. Mein Grossvater väterlicherseits hatte 1917 die Korbmacherei beim Bahnhof. Ich habe sehr Freude, all die Gegenstände aus meiner Familiengeschichte und Vergangenheit im Schaudepot anzutreffen. Die Erläuterungen zum Schulhaus Risi waren besonders interessant für mich, weil unsere Familie nun schon in der vierten Generation hier zur Schule geht. Erst kürzlich hatten wir eine Klassenzusammenkunft mit unserer Primarlehrerin von damals.»
Erika Üstün

«Ich lebe erst seit 1994 in Hutzikon und habe aus Interesse an der Dorfgeschichte schon an der Einweihung des Schaudepots im letzten September teilgenommen. Ich komme zwar aus dem Bündnerland, habe aber viele schöne Déjà-vu-Erlebnisse, wenn ich die Exponate sehe. Ich lag als Baby beispielsweise auch in einem hölzernen Kinderwagen, wie er hier ausgestellt ist. Und so eine Drehkurbelwaschmaschine hatte meine Mutter auch, und ich fände das auch heute noch praktisch für mein Ferienhaus.»
Ernst Hauser

«Ich habe an der Führung teilgenommen, um die Arbeit des Museumsvereins zu honorieren, und konnte wieder ein paar Mosaiksteinchen sammeln, die mir aus der Dorfgeschichte fehlten. Von Dr. Robert Gubler, der im Doktorhaus neben der Bibliothek wohnte, war mir das riesige Ausmass seiner Aktivitäten in Behörden und als Chronist, der das Geschehen im Dorf beobachtete und dokumentierte, nicht bekannt. Ich habe dem Museumsverein mal ein altes Pferdegeschirr unserer Familie übergeben, das jetzt auch im Schaudepot ausgestellt ist.»
