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Kultur

Nägelis Jubiläumsfeier in Wetzikon macht Defizit

Der berühmteste Wetziker sollte gebührend gewürdigt werden. Doch auch wenn es kein Kassenschlager war, sollte es sich gelohnt haben.

Die Ausstellung lief schlechter als erwartet.

Foto: Tatiana Volmer

Nägelis Jubiläumsfeier in Wetzikon macht Defizit

Weniger Publikum als erwartet

Die Veranstaltungsreihe sollte Akzente in der regionalen Kulturlandschaft setzen. Doch sie zog nicht so viele Menschen an wie erhofft. Hätte ein einzelnes Konzert nicht ausgereicht?

Zu Ehren des wohl bekanntesten Wetziker Kulturschaffenden fand 2023 eine Reihe von Veranstaltungen unter dem Titel «250 Jahre Hans Georg Nägeli» statt. Ein Chorspektakel, Konzerte, Ausstellungen und noch mehr verknüpften nicht nur verschiedene Kunstsparten, sondern vernetzten auch viele Kulturschaffende.

Die acht Projekte schnitten finanziell nicht so gut ab, wie es sich der extra dafür gegründete Verein HGN250 gewünscht hätte. Der Verein schrieb einen Verlust von 37’000 Franken. Diesen übernimmt die Stadt Wetzikon, wie der Stadtrat mitteilte. Damit können alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler bezahlt werden.

Die Stadt förderte das Projekt insgesamt mit 142’000 Franken, das entspricht etwa 20 Prozent der Gesamtkosten. Denn ein Aspekt des Defizits ist, dass nicht so viele Gönner für die Fremdfinanzierung gefunden werden konnten. Ein anderer, dass das Publikum nicht so zahlreich erschienen ist, wie der Verein erhofft hatte.

HGN250 rechnete mit Ticketeinnahmen in Höhe von etwa 125’000 Franken. Verbucht werden konnten Einnahmen von bloss 95’000 Franken. «Kultur ist sehr selten selbsttragend und orientiert sich an der Qualität des Endprodukts», sagt Christophe Rosset, Wetziker Abteilungsleiter Kultur.

Nicht alles lief schlecht

Dass der Verein einen Verlust gemacht hat, heisst aber nicht, dass alles schlecht lief. Schaut man sich die einzelnen Veranstaltungen an, so gab es unter ihnen auch Höhenflüge, wie etwa die Theateraufführung «Nägeli-Nagel».

Das Stück, das eine Verbindung zwischen Nägeli und Friedrich Nagel, dem Besitzer der Spinnerei Schönau, herstellt, wurde gut besucht. Der Verein machte fast doppelt so viele Einnahmen als budgetiert. Ebenfalls gut lief das Festkonzert in der Tonhalle. «Da konnten wir auch Menschen aus Zürich erreichen, die nicht extra nach Wetzikon kommen wollten», sagt Beat Meier, Vereinspräsident von HGN250.

Zu viel des Guten?

Unter den Projekten gab es einige, die schlechter abschnitten. Wie etwa die Ausstellung. Der Verein rechnete mit 2600 Besuchenden, gekommen sind aber knapp 400. Etwas ähnlich lief es bei der Vortragsreihe «Revisiting Hans Georg Nägeli».

Meier erklärt: «Diese Veranstaltungen haben wir sorgfältig geplant und hatten ein gutes Gefühl. Doch es scheint, als hätte das Publikum nicht genau gewusst, ob es sich um einen Vortrag oder ein Konzert handelt, und es bleiben lassen.» Da man Hans Georg Nägeli als Chorvater und Komponisten kenne, so sei eine Musikveranstaltung viel zugänglicher, sagt er weiter.

Stellt sich also die Frage: Wollte der Verein zu viel mit all den Projekten? Hätte es nicht mit einem Konzert gereicht? «Es war sicherlich ein grosses Vorhaben. Doch Nägeli war eine solch bedeutende Persönlichkeit, der in seinem Leben sehr viel und nicht nur für die Kultur gemacht hat», erklärt Meier. Er hätte es vielleicht nicht wieder so gross werden lassen, doch er sei sich auch nicht sicher, was er weglassen würde.

So wurde Hans Georg Nägeli nicht nur mit seiner Musik dem Publikum vermittelt. Rosset sieht das ähnlich: «Heute ist kulturelle Teilhabe ein so wichtiger und erstrebenswerter Aspekt. Und Nägeli war zweifellos ein Vorreiter in diesem Gebiet.» Auch er betont, wie Nägeli nicht nur als Musiker und Chormensch, sondern auch als Pädagoge, Politiker und Verleger zu verstehen ist.

Schwerpunkt waren die Chöre

Die Veranstaltungsreihe wurde aber nicht nur zu Nägelis Ehren so gross, sondern hatte einen zusätzlichen Aspekt im Sinn: die Chöre im Oberland. «Es ist eine Tatsache, dass das Chorleben innerhalb der Kultursparten am allermeisten unter der Pandemie litt», sagt Rosset. Wahrscheinlich am meisten von allen, meint er. 250 Jahre Nägeli war nicht nur eine Jubiläumsfeier, sondern auch ein Transformationsprojekt, das den Chören im Oberland dienen sollte.

Was ist ein Transformationsprojekt?

Um Kulturbetrieben nach der Pandemie unter die Arme zu greifen, wurden Unterstützungsgelder für Transformationsprojekte vergeben. Der Fokus stand dabei auf einer strukturellen Neuausrichtung des Betriebs, also dass die Projekte sich vom Hauptgeschäft unterscheiden, und der Neugewinnung von Publikum.

Doch auch beim Chorspektakel war der Ansturm nur halb so gross wie erwartet. Nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Sängerinnen und Sängern.

«Die Chöre haben ein strukturelles Problem. So wie es fast überall in der Kultur ist, fehlt einfach der Nachwuchs», sagt Rosset. Doch um die Zukunft anzupacken, brauche man das Wissen aus der Vergangenheit. «Wir müssen wissen, woher wir kommen, um dorthin zu gelangen, wo wir wollen», sagt der Abteilungsleiter der Wetziker Kultur. Seines Erachtens sei darum die Jubiläumsfeier kein Fehler gewesen, sondern habe viele Erkenntnisse und eine Vielzahl grossartiger Chorerlebnisse geliefert.

Eine Errungenschaft gab es trotzdem. «Durch diese Veranstaltungen haben wir es wenigstens geschafft, dass die Nägeli-Büste auf der Hohen Promenade in Zürich dieses Jahr restauriert wird», sagt Meier.

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