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Beim Velo-Kino in Nänikon kommt der Strom von Muskelkraft statt aus der Steckdose

Velofahren statt Popcorn: In diesem Kino musste sich das Publikum ihr Bild auf der Leinwand erarbeiten.

Velofahren mal im Kino, statt im Freien.

Foto: Mel Giese Pérez

Beim Velo-Kino in Nänikon kommt der Strom von Muskelkraft statt aus der Steckdose

Nachhaltigkeitswochen in Uster

An diesem Kinoabend wurde Velo gefahren, statt Popcorn gegessen. Nicht nur die Profis traten in die Pedale, auch das Publikum wollte unbedingt Teil dieses Ereignisses sein.

Man könnte meinen, es sei schwierig, Menschen zum Sport zu animieren, während sie sich doch gemütlich einen Film anschauen könnten. Doch das Publikum am Velo-Kino in Nänikon bewies das Gegenteil: Ein solches Erlebnis wollte sich niemand entgehen lassen.

Im Rahmen der Nachhaltigkeitswochen in Uster fand dieses Wochenende in der Zirkusfabrik Filacro in Nänikon das Velo-Kino statt, ein Kinoerlebnis der anderen Art. Dafür schlossen sich Köpfe aus verschiedenen Kultureinrichtungen zusammen – der Zirkus Filacro, Transition Uster, das Kulturcafé Gleis 1 und der Radfahrer-Verein Uster (RVU) – und setzten ein klares Zeichen: Strom ist nicht selbstverständlich.

Das Konzept des Velo-Kinos ist simpel. Der Strom, der für Beamer und Musikanlage gebraucht wird, muss vom Trampeln in die Pedalen, und somit nachhaltig, erzeugt werden.

Zehn Velos für einen Film

Entwickelt hat das Velo-Kino Lukas Bernhard, ehemaliger Umweltingenieur-Student der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). «Damit alles einwandfrei funktioniert, habe ich noch bis in die frühen Morgenstunden Berechnungen angestellt», sagt er bei der Begrüssung des Publikums.

Zehn Rennvelos schloss er an seine Konstruktion an, die dann den gesamten Strom generierten. Pro Velo erzeugte jede fahrende Person 50 Watt – etwa 400 Watt wurde für das gesamte Kinoerlebnis gebraucht.

Die erste Vorführung fand am Samstagabend statt. Gezeigt wurde der zweistündige Schweizer Film «Vitus», der von einem jungen, klavierspielenden Wunderkind handelt. Das heisst: Ganze zwei Stunden mussten die Teilnehmenden fahren, um genügend Strom zu erzeugen.

Den Anfang machten Fahrerinnen und Fahrer des RVU, die auch die Velos mitbrachten. Fleissig fuhren sie eine volle Stunde durch und kamen dabei ins Schwitzen. «Das fühlt sich an, als würde man den Berg hinauffahren», hiess es von den Fahrenden.

Drei Frauen fahren Velos, die Strom erzeugen.
«Als würde man den Berg hinauffahren», beschrieben die Fahrerinnen ihr Erlebnis.

Martin Henzi, Leiter des Zirkus Filacro, kündigte vor dem Film an, dass es mehrere Pausen geben werde: «Nicht nur, damit wir aufs WC können, auch dass die Fahrerinnen und Fahrer zum Durchatmen kommen.» Und wer selbst auch mal fahren möchte, der dürfe das auch tun, fügte er hinzu.

Viele wollten selbst fahren

Und das musste sich das Publikum nicht zweimal sagen lassen. Nach der ersten Hälfte des Films meldeten sich viele Freiwillige. So viele, dass man es nicht nur bei einem Turnus belassen konnte, sondern gleich zweimal auswechseln musste. «Die Idee hat mir so gefallen, dass ich gleich teilnehmen musste», sagt eine freiwillige Fahrerin, die zufällig auf das Velo-Kino gestossen ist.

«Es ist schon erstaunlich, wie viel es braucht, um Strom zu erzeugen», sagt ein anderer Fahrer, der auch sonst gerne mit zwei Rädern unterwegs ist. Der Kinoabend war für alle Beteiligten besonders. Denn die stromerzeugenden Velos sind nicht ganz lautlos. Doch bei einem solchen Projekt spielt das keine Rolle. Das leichte Rattern der Velos ist Teil des ganzen Erlebnisses und spornt das Publikum an, teilzunehmen – so kommt auch mal eine Journalistin ins Schwitzen.

Nachdem 123 Minuten in die Pedale getreten wurde, verrät Lukas Bernhard auch, wie viel Wert der erzeugte Strom hat, der an diesem Abend produziert wurde: «Damit könnten wir auch all unsere Handys aufladen und zwei Liter Wasser kochen. Sprich: Wir haben einen Wert von 14 Rappen erzeugt.»

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