Fründe: Die Band mit Ohrwürmern über Landeier und Avocados
Hits vom Hittnauer Musiker
Mit seiner neuen Mundart-Band hat der zweifache Papi Marc Reichen ganz schön viel auf dem Schirm. Trotzdem bringt er alles unter einen Hut. Humor darf dabei nicht fehlen.
Zwischen elektrischen Gitarren, die in allen Farben glänzen, sitzt ein Typ, der von sich selbst behauptet, eine Bewegungslegasthenie für Feinmotorik zu haben. Gitarre spielt er nicht. Trotzdem ist Marc «Mäge» Reichen ein waschechter Musiker.
Er singt, er rappt, spielt Drums, Klavier und hat schon viele Auftrittsjahre auf dem Buckel, die er mit verschiedenen Bands hinter sich brachte – von der Rock-Coverband Buddies, Beer and Rock’n’Roll (BBR) bis zur fasnächtlichen Partymusik Gugge 3000.
Jetzt ist der 38-jährige Hittnauer in einer neuen Band: Fründe. Zusammen mit Rafael «Effe» Graf am Mikrofon, mit Marcel Munz am Schlagzeug, Janosz Prelicz an der Gitarre und Angela Glauser am Bass veröffentlichen die Musiker und die Musikerin neue Singles. Oder anders gesagt Lieder. Oder noch besser gesagt, schweizerdeutsche Ohrwürmer.

Stadt, Land, Avocado
«Anna» heisst der erste Song der Band, der im Frühjahr erschienen ist. Er erzählt vom Landei Anna, die in die Stadt Zürich zog und vom «Blumenmädchen zum It-Girl» mutierte: Sie trinkt Latte Macchiato, isst jeden Tag Avocado und ist eben nicht mehr dieselbe wie vor einem Jahr.
Aber was ist überhaupt so schlimm an Avocados? «Es ist ein Sinnbild für die Unterschiede zwischen Stadt und Land. Sozusagen ein Hipster-Merkmal», sagt der Sänger amüsiert. Dies meint er aber nicht wertend. Er spricht aus der Perspektive eines selbstkritischen Realisten. «Das ist mir auch passiert, als ich in die Stadt zog. Vorher trank ich Milchkaffee. Dann plötzlich hiess es Latte Macchiato», erklärt Mäge. Der Wandel, den man in einem neuen Umfeld, in einer neuen Gesellschaft macht, sei eben nicht zu umgehen. «Wieso auch? Es sind die Nuancen, die das Leben spannend machen.»
Mit diesem ersten Lied stimmt die Band darauf ein, was vom Album erwartet werden kann: poppige Mundarthits, die mit viel Humor und noch mehr Herz vom Leben erzählen – und den wenigsten fremd sein wird. Man kann sich ertappt fühlen, man darf lachen, und man kann hervorragend mitsingen. Die Songs schreibt Mäge zusammen mit seinem Sängerkumpanen Effe, mit dem er bereits in Gugge 3000 gespielt hat.
Der Name ist Programm
Ursprünglich sollten die Songs auch für Gugge 3000 geschrieben werden. Doch irgendetwas stimmte nicht. «Die neuen Lieder passten nicht zu Gugge 3000, sagt Mäge. Also liessen sich die beiden etwas anderes einfallen. Sie trommelten ihre Freunde zusammen und gründeten kurzerhand eine neue Band. Fründe eben. «Es haben sich nicht gleich alle gekannt, aber zwischenmenschlich hat es sofort gepasst», betont der Hittnauer. Abgesehen davon, hätte er sich keine bessere musikalische Leistung wünschen können.

Der Bandname ist nicht nur Programm, sondern auch eine wichtige Voraussetzung für die Musiker und die Musikerin. Die Mitglieder sind erwachsen, haben volle Terminkalender und müssen auf das gegenseitige Verständnis bauen können. «Wir sind keine zwanzig mehr, wo wir alles stehen und liegen lassen können, um auf Tour zu gehen.»
Der Tag hat für jeden 24 Stunden
Tja, als Erwachsener hat man noch andere Verpflichtungen. Wenn das einer weiss, dann ist das Mäge, der Musiker ist. Und Sozialpädagoge. Und zweifacher Papi. Schon eine oberflächliche Recherche legt an den Tag, dass Mäges Leben immer von Musik geprägt war – zwischen Alben, Auftritten und Bandprojekten.
Wie bringt man das alles unter einen Hut? Für Mäge ist das keine Frage des Wie, sondern des Wieso. Denn jedem Menschen stehen volle 24 Stunden am Tag zur Verfügung. «Ich bin einfach egoistisch und nehme mir die Zeit, die ich will, für das, was mir wichtig ist», sagt der Sänger. Wie etwa die Zeit mit seinen Kindern.
Meine Familie hat oberste Priorität.
Mäge, einer der Sänger der Band Fründe
«Ich will auf keinen Fall meine Kinder im Leben verpassen», betont Mäge. Zusammen mit seiner Frau führt er ein ausgewogenes Leben, wo beide arbeiten und sich, mehr oder weniger, gleich viel um das Familienleben kümmern. Ist er nicht mit seinen Kindern beschäftigt, so arbeitet er Teilzeit als Sozialpädagoge – und irgendwo hat dann auch die Musik Platz.
Eigentlich hatte der Sänger die Lehre als Elektriker absolviert. Seine Stärke drang auch definitiv durch, nur nicht in der Elektrik. «Ich war immer sehr gesprächig, und das Anliegen der Menschen war mir viel wichtiger als ihre elektrischen Probleme», erzählt Mäge. Nicht, dass er diese nicht gelöst hätte. Doch er merkte bald, dass er in einem anderen Umfeld besser aufgehoben wäre.
Als Sozialpädagoge baute er die Jugendarbeit in Hittnau mit auf und arbeitete schon früher viel an Schulen und mit Jugendlichen, wo er auch seine Leidenschaft für Musik einfliessen liess. 2012 organisierte er das Hip-Hop-Open-Air «Wisä Jäm» in Hittnau, wo er auch Effe kennenlernte. «Effe ist ein wahnsinnig guter Rapper, und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden», erzählt Mäge. Daraus entstand eine langjährige Freundschaft – und die musikalische Zusammenarbeit.
Spass muss sein, auch bei Death Metal
Dass man sich in einer Band gut verstehe, sei essenziell, sagt der Sänger. Man befindet sich immer auf engstem Raum und verbringt viel Zeit miteinander. Da müsse man es auch lustig haben können. Mäge kennt aber auch ganz andere Geschichten. «Ich bin mal aus einer Death-Metal-Band hinausgeworfen worden. Die meinten, ich lache zu viel und dass sich das mit Death Metal nicht kombinieren liesse», sagt er lachend.
Heute gehört das Klischee des wütenden Metal-Musikers glücklicherweise der Vergangenheit an. Und Fründe sei sowieso ganz anders. Die Band spielt nicht nur zusammen, sondern lacht auch zusammen. Schon bei ihrem Auftritt in den sozialen Medien weisen die fünf viel Humor auf. So, wie auch in ihren Liedern.
«Die Welt hängt sowieso schon schief, also versuchen wir, etwas Freude hereinzubringen», sagt Mäge. Das heisst aber nicht, dass die Band banale Songs macht. Ganz im Gegenteil. Mit ihren Liedern verarbeiten sie ihr Leben. Dann kann es auch zu traurigen Themen kommen wie in der neusten Single «Crazy», die über eine verflossene Liebe spricht.
Auch Balladen seien Teil des neuen Albums, das voraussichtlich im Spätsommer erscheint. Den Namen möchte Mäge noch nicht bekannt geben. So viel ist aber bereits sicher: Fründe wird ab Herbst mit ihrem Mundart-Pop die Stubete Gäng auf ihrer Tour unterstützen und durch die Deutschschweiz begleiten. Was heisst gute Stimmung auf Schweizerdeutsch? Fründe, ganz klar.