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Kultur

Ein Einzelkämpfer, der sich oft unverstanden fühlte

Der «Vater» des Kindertheaters Uster geht. Zum Abschied hat er eine Botschaft - auch an die Stadt.

Für «Kufki-Vater» René Krebs ist Kultur wichtig für das Seelenleben von Gross und Klein.

Foto: Karin Sigg

Ein Einzelkämpfer, der sich oft unverstanden fühlte

Kufki-Nachfolge noch unklar

Am kommenden 5. Mai wird Kufki-Gründer René Krebs die Gäste zum letzten Mal im Kindertheater Uster begrüssen. Seine Nachfolge ist noch nicht geregelt. Doch nicht nur das enttäuscht den Kulturfreak.

In einigen Tagen wird René Krebs, der «Vater» des Kindertheaters Uster (Kufki), zum letzten Mal vor seinem Publikum im Schulhaus Pünt stehen und ein Kasperlitheater ankünden. Gemeinsam mit seiner Partnerin Krystyna Koller, die ihn seit gut vier Jahren in allen Belangen des Kufki tatkräftig unterstützt, sowie Leander Meier, einem Bewohner vom Wagerenhof, der dem Kufki ebenfalls seit vielen Jahren zur Seite stand.

Während 30 Jahren setzte sich Krebs dafür ein, Kindern das Kulturgut Theater näherzubringen. «1992 musste ich mit meinem damals fünfjährigen Sohn noch nach Zürich fahren, um ein Kindertheater zu besuchen», erzählt er, «das wollte ich den Kindern der drittgrössten Stadt des Kantons Zürich auch bieten.»

Gesagt – getan: Drei Jahrzehnte lang sorgte er mit ständig wechselnden Theatervorführungen für leuchtende Kinderaugen. Doch wenn er heute seinen Einsatz im Dienste der Kultur reflektiert, erfüllen ihn nicht nur positive Gedanken.

Von der Stadt Uster hätte sich Krebs mehr Unterstützung und Interesse erhofft. «In all den Jahren wäre nie jemand von der Kulturkommission freiwillig und offiziell vorbeigekommen», sagt er enttäuscht, «weder zum Zuschauen noch, um zu fragen, ob Kufki Hilfe brauche.»

Habe er sich bei Anliegen an die Stadt Uster gewandt, sei er häufig abgeblitzt oder nur bescheiden unterstützt worden. So auch mit seinem Engagement über das Kindertheater hinaus. «Ich habe noch andere Kulturprojekte für Uster realisiert, wie zum Beispiel in den Jahren 2008 (Knastart 1) und 2012 (KnastART 2). Beide Anlässe waren temporäre Umwandlungen des leer stehenden Bezirksgefängnisses, zuerst in ein Kunst-, später dann in ein Klanghaus, und sie waren defizitär.»

Präsentation von René Krebs’ «Kunst im Knast» im alten Bezirksgefängnis Uster.
Präsentation von René Krebs’ «Kunst im Knast» im alten Bezirksgefängnis Uster. (Archiv)

Die Stadt Uster unterstützte nach eigenen Angaben das Kufki kontinuierlich mit einem Leistungskontrakt. «Der Beitrag ist vergleichbar mit anderen Anbietern und entsprach unseren finanziellen Möglichkeiten», sagt Christian Zwinggi, Kulturbeauftragter der Stadt Uster. «Ob das Glas halb voll oder halb leer ist, liegt aber im Auge des Betrachtenden.»

Verein wäre offenbar erwünscht gewesen

René Krebs fühlte sich in den Jahrzehnten seines Kulturschaffens stets von der Stadt Uster dazu gedrängt, einen Verein zu gründen. Was für den «Macher» nie infrage gekommen wäre. «Einen Verein zu führen, hätte die Sache unnötig verkompliziert.» Er wollte seine Energie gebündelt der Kultur widmen.

Eine Entscheidung, die seiner Meinung nach wohl für die Distanz zwischen ihm und der Kulturkommission verantwortlich ist. Eine sachliche Begründung für die Zurückhaltung vonseiten der Stadt habe er jedoch nie erhalten.

«Eine breite Trägerschaft und die Rechtsform des Vereins hätte die Stadt begrüsst», bestätigt der Kulturbeauftragte Christian Zwinggi. Voraussetzung für einen städtischen Förderbeitrag sind gemäss Zwinggi eine zivilgesellschaftliche Abstützung und die Transparenz über die Finanzen und die Organisation und somit eine Trennung von strategischer und operativer Führung. «Bei einem Verein ist dies gegeben.»

Nachfolgeregelung für Kindertheater

Besonders schwer ist es für den «Kufki-Vater» zu verstehen, weshalb sich die Kulturkommission nicht aktiver um seine Nachfolge gekümmert hat. Trotz mehrfachem Nachhaken von seiner Seite. «Mir sind vier Personen bekannt, die sich für meine Nachfolge interessiert hätten», sagt Krebs. Die Interessentinnen seien von der Stadt Uster vertröstet worden, die entsprechende Ausschreibung für die offene Stelle abzuwarten.

«Die Stadt Uster steht mit René Krebs schon lange in Kontakt für eine direkte Nachfolge», lautet die offizielle Aussage der Stadt. Eine solche habe sich aber nicht ergeben. «Die Ausschreibung ist ein guter Weg, eine neue Trägerschaft mit Ideen und Tatendrang zu finden», so Christian Zwinggi.

«Vor einer Woche erst habe ich diese Ausschreibung zur Einsicht erhalten», sagt Krebs. Was ihm dabei sauer aufstösst: «Der Förderbeitrag für die neue Kulturperson beträgt mit 40’000 Franken pro Jahr mehr als das Doppelte von dem, was ich in den letzten Jahren meines Engagements erhalten habe mit 16’000 Franken pro Jahr.» Sogar zum 25-Jahr-Jubiläum habe er von der Stadt lediglich schöne Worte und einen Händedruck erhalten.

Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP) wird gemäss Zwinggi das grosse Werk und Engagement von René Krebs an der letzten Vorstellung gebührend würdigen. Er selbst sowie eine Vertretung der Kulturkommission würden ebenfalls am Anlass teilnehmen.

Man sieht einen Mann mit Brille und leichtem Bartwuchs in die Kamera lächeln.
Christian Zwinggi, Kulturbeauftragter der Stadt User. (Archiv)

Kulturveranstaltungen für Kinder solle es aber weiterhin geben. In Uster wohnen viele Kinder und Familien. «Die Förderung ihrer Anliegen ist eine Kernaufgabe der Stadt», so Zwinggi. «Deshalb ist Kulturvermittlung auch ein Schwerpunkt des Kulturkonzepts 2020 bis 2028.» Die Stadt habe die Veranstaltungsreihe neu ausgeschrieben und den Förderbeitrag erhöht.

Beibehalten werden sollen die Regelmässigkeit der Veranstaltungen und der niederschwellige Zugang. «Wir möchten möglichst viele Kinder erreichen», sagt Christian Zwinggi. «Bezüglich des Programms und der Vermittlung sind wir aber auch offen für Neues.»

René Krebs räumt schmunzelnd ein: «Ich war immer einer, der gegen den Strom schwamm.» Dennoch bezeichnet er sich als umgänglich und offen für Ideen. «Die Kulturkommission und ich, wir waren einfach kein Liebespaar.»

Uster holt gemäss Christian Zwinggi im kulturellen Bereich auf. Dank einer höheren Unterstützung durch den Kanton könne die Stadt das Engagement ausbauen.

«Die Stadt Uster ist auf einem guten Weg. Die Politik bekennt sich zur Kultur, wir haben ein ordentliches Budget, eine vielfältige Szene und ein breites Angebot.» Wenn man nun auf dem Zeughausareal mit dem geplanten Kultur- und Begegnungszentrum, über das am 9. Juni abgestimmt werde, auch noch die Infrastruktur auf Vordermann bringen könne, sehe es für die drittgrösste Stadt des Kantons ganz gut aus.

Doch erst einmal wünscht sich der «Kufki-Vater», dass sein langjähriges Projekt nicht verloren geht. Damit Usters Kinder auch weiterhin einen spielerischen Zugang zur Kultur erhalten.

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