Nach harter Arbeit wird für sie ein grosser Traum wahr
Oberländer Musizierende vor Japan-Reise
Junge Musizierende machen sich bereit auf die grosse Reise nach Ishigaki. Schon seit mehreren Monaten bereiten sich die Schüler auf das Projekt vor.
Sanft lösen sich die Finger von den Klaviertasten. Die fokussierten Blicke gleiten von den Noten weg in den Saal. Die Streicher halten mit den Bogen inne und verharren kurz in der Position, die Bläser lassen die Spannung los und atmen wieder ruhig und lautlos ein.
Ein Lächeln ziert die Lippen der Jugendlichen und Kinder. Die letzten Klänge haben den Saal der Musikschule Zürcher Oberland (MZO) mit einer warmen Atmosphäre gefüllt. Einheitlich bahnen sich die Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Fenster des Saals.
Start Ende April
Es war ein langer Weg, aber schon bald werden die 7- bis 16-Jährigen nach Monaten harter Arbeit nach Japan reisen – auf die Insel Ishigaki. Die Gruppe der Schülerinnen und Schüler rund um die Pianistin und Klavierlehrerin Alena Cherny von der Musikschule Zürcher Oberland sowie ein Teil der Eltern treten am 21. April ihre zweiwöchige Reise in die südlichste Stadt Japans an.
An einer der letzten Proben spielte das Ensemble sein ganzes Programm durch: Die Musik führte durch neue Dimensionen. Mit dem Einsatz von Elektropianos und Keyboards konnte jeder Pianist eine eigene Toneigenschaft übernehmen.
Im Zusammenklang wurde eine orchestrale Imitation kreiert. Das gesamte Programm mit dem Namen «One Blue Sky» nimmt die Zuhörer auf eine Reise mit: Eine Stimme erzählt ihre Geschichte, von einem Weg durch weite Landschaften begleitet.
Ein Zitat des «Götterfunkens» von Beethoven verweist die Zuhörer auf den Himmel und die Hoffnung. Der Weg des Konzertprogramms führt zu einem frechen, aber herzlichen japanischen Volkslied, bis sich das letzte Stück «Albatros» wie ein leichter Schleier auf die Erdoberfläche legt.
Ein Gedicht wird zum Projekt
Die Idee trägt ihre Wurzeln im Gedicht «One Blue Sky» von Takeru Masuda, einem 10-jährigen japanischen Schuljungen. Der Erzähler liegt im grünen Gras und schaut in den weichen, blauen Himmel, währenddessen der Wind ihn leicht streichelt. Wo auch Hunger, Not oder Freude liegen, haben alle Menschen denselben Himmel über sich. Die Geigerin Noriko Kawamura, eine Partnerin von Alena Cherny in einem musikalischen Trio, begegnete 2014 diesem Gedicht.
Der Zürcher Walther Giger komponierte auf Basis dieses Gedichts ein Stück. 2017 wurde dieses von Alena Cherny und zwei weiteren Künstlern sowie dem Kinderchor Ishigaki in Japan uraufgeführt. «Dieser Kinderchor hat uns damals sehr beeindruckt», sagt Cherny heute.
Ihre Disziplin und Professionalität wie auch ihre wunderschönen Interpretationen seien bemerkenswert gewesen. Nach dem erfolgreichen Auftritt kehrte das Trio in die Schweiz zurück. Allen Mitgliedern wurde klar, dass sie alles versuchen würden, um diesen Chor in die Schweiz zu bringen.
Der japanische Kinderchor kam 2019 in die Schweiz. Fünf Konzerte wurden im Vorfeld für den Chor und die Klavierschüler von Cherny organisiert. «Die Kinder haben grossartig gesungen», und das Publikum sei nach dem Auftritt fast schon erschlagen gewesen, berichtet die Klavierlehrerin. Nach dieser grossartigen Erfahrung war diskussionslos klar, dass nun die Schweizer Klavierschüler den Chor in Ishigaki besuchen werden.
Alle Pianisten ihrer Klasse sollten dabei sein, ohne deren Niveau zu berücksichtigen. Jeder sollte die Gelegenheit erhalten, dies zu erleben. Der Komponist Walther Giger machte es wiederum möglich: Auch einen Triangel hat er für die Kleinste in die Komposition integriert. Die gesamte Gruppe hatte sich 2020 sehr gut vorbereitet. Doch kurz vor dem Abflug kam der Schock für alle. Die Welt ging in den Lockdown.
Hilfe aus Japan
Im November 2023 wurde der Plan wieder in Angriff genommen. Es wurde eine neue Gruppe zusammengestellt, und Giger arrangierte die Stücke für eine neue Besetzung. Zwei Klaviere, zwei E-Pianos, vier Keybords, Geige, Viola, Cello, Klarinette, Querflöte und Trompete können nun auftreten. «Das könnte ein bisschen schwierig werden», hatte Cherny gedacht.
Denn die Pianisten sind es nicht gewohnt, in einem Orchester zu spielen. Das Klavier sei in dieser Hinsicht ein «asoziales» Instrument. Aber dieses Projekt helfe, das Klavier sozial zu machen. Von Ishigaki haben Cherny und Kawamura grosse Unterstützung in der Planung und Organisation der Reise erhalten.
Der Konzertsaal und alle Instrumente, die nicht in das Flugzeug passen, wurden vom japanischen Chor organisiert und bereitgestellt. Zum 160-Jahr-Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Japan findet zudem ein Auftritt in der Schweizer Botschaft statt.
Aber davor heisst es noch einmal alles geben. Denn am 12. April findet in Wetzikon im Saal der MZO der letzte Auftritt statt. Ein Konzert als Hauptprobe sozusagen.
Die Hauptprobe für die Japan-Tournee findet am Freitag, 12. April, um 19 Uhr im Saal der MZO an der Bahnhofstrasse 36 in Wetzikon statt. Kollekte zur Kostendeckung.
