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Dirigent Hanimann tritt nach 20 Jahren zurück

Zwischen Wehmut und Dankbarkeit. Dirigent Christof Hanimann verabschiedet sich nach 20 Jahren vom Kammerchor Zürcher Oberland.

Christof Hanimann: Nach 20 Jahren als Dirigent beim Kammerchor Zürcher Oberland gibt er seinen Taktstock ab.

Foto: Klaus Kriesel

Dirigent Hanimann tritt nach 20 Jahren zurück

Kammerchor Zürcher Oberland

Zwei Dekaden war Christof Hanimann Dirigent beim Kammerchor Zürcher Oberland. Nun ist es Zeit für ihn, den Taktstock abzugeben. Zum Abschied gibt es Werke von Franz Schubert.

Sanft klopft der Dirigent mit seinem Taktstock auf den Notenständer. Für einen Moment ist es still wie in einem Vakuum, bevor er das Orchester zum Spielen auffordert. Die Hände erheben sich, und kurz darauf füllen die Klänge der Instrumente den Raum mit Emotionen.

Es ist das Ende einer Ära für Christof Hanimann. Der Dirigent des Kammerchors Zürcher Oberland tritt nach 20 Jahren zurück. Diesem Umbruch steht er aufgewühlt gegenüber. Seine Gefühle bewegen sich «wie in einem Karussell» zwischen Wehmut, Trauer und Dankbarkeit. «Der Chor hat mir viel bedeutet, und ich kann auf eine ereignisreiche Zeit zurückblicken.»

Um sich gebührend vom Chor zu verabschieden, hat er sich für ein Konzert entschieden, das seiner Gefühlslage gerecht wird. Franz Schuberts Werk «Die Unvollendete» und seine Messe Nr. 5 sind die letzten Stücke, die Hanimann mit dem Chor aufführen wird.

«Schuberts Werke gehen mir persönlich sehr nahe. Er war ein aussergewöhnlicher Komponist, der ein weitreichendes Spektrum an Ausdruck kannte», bewundert ihn Hanimann, der vom Schaffen des österreichischen Komponisten wie auch von dessen kurzem Lebens fasziniert ist. So wie Hanimann von seinem letzten Konzert gerührt sein wird, so soll sich auch das Publikum fühlen, das ihn zu diesem Meilenstein begleiten wird.

Notenblätter und Taktstock

«Das Publikum ist ein wichtiges Element, wenn man Musik erlebt», erklärt der Dirigent. Es sei ein Zusammenspiel, welches sich intensiviere, wenn die Zuhörenden aufmerksam den Musizierenden lauschten. Und Hanimanns Ziel war es stets, dass das Publikum sich in der Musik verliert. Dass es die gleiche Leidenschaft teilt, wie er sie für sich empfindet.

Als Dirigent habe er sich aber nie in den Vordergrund stellen wollen. So stellt sich die Frage: Wieso genau braucht es den Dirigenten? Wenn in den Notenblättern doch Takt und Einsatz eingezeichnet sind. Die Antwort ist simpel, beinahe selbstverständlich. Der Dirigent vereint die vielen Musizierenden zu einem Ganzen.

«Wenn Sie zwei Dirigenten haben und ein Orchester, das dasselbe Stück spielt, so werden sie bestimmt Unterschiede wahrnehmen», erklärt er. Die Dynamik des Dirigenten fliesst in die Musik ein. Er beeinflusst das Stück, gibt ihm «Pfupf», Feuer oder lässt es im schlimmsten Fall sogar langweilig wirken.

Es braucht also den Dirigenten. Es braucht die Notenblätter, keine Frage. Und den Taktstock? «Dieser ist eine Verlängerung meines Arms», erläutert Hanimann. Er präzisiert die Bewegungen. Doch zum Einsatz komme er nicht immer. Bestimmt, wenn Romantik gespielt werde, meint Hanimann. Nicht aber im Barock. Damals gab es diesen noch nicht. Der Taktstock wurde erst in der Romantik von Felix Mendelssohn Bartholdy eingeführt.

Zeit für die Familie

In seinen 20 Jahren und rund 800 Proben als Chorleiter und Dirigent hat er einiges miterleben können. Wie etwa den Umschwung der Gesellschaft. Früher habe man mehr Zeit gehabt. Die Menschen seien nicht so verplant gewesen, wie sie es heute seien. «Im Chor sind engagierte Sängerinnen und Sänger dabei. Dass sie sich die Zeit nehmen konnten, um wöchentlich zu üben, erfüllt mich mit Freude», betont Hanimann.

Und auch wenn er seinen Kolleginnen und Kollegen nachtrauern wird, so macht sich in ihm auch Vorfreude breit. Erst kürzlich ist er 67 Jahre alt geworden und widmet sich neuen Prioritäten, beispielsweise Grossvater zu sein. Er wird seiner Berufung noch im Chor von Männedorf nachgehen und dirigieren. Dort singt auch seine Frau mit. Familiensache eben.

Kammerchor Zürcher Oberland: Abschiedskonzerte von Christof Hanimann

Samstag, 27. Januar, 19 Uhr, reformierte Kirche Rüti, 50/35 Franken.
Sonntag, 28. Januar, 17 Uhr, reformierte Kirche Rüti, 50/35 Franken.

Orchester Camerata Cantabile, Sarah Natalie Maeder (Sopran), Ingrid Alexandre (Mezzosopran), Philippe Jacquiard (Tenor), Matija Bizjan (Bass).

Franz Schubert: Sinfonie in h-Moll «Die Unvollendete» und Messe Nr. 5 in As-Dur.

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