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Kultur

Rolf Knie stöckelt im Matrosengang auf hochhackigen Schuhen

«Charleys Tante» ist ein Klassiker. Als Film. Doch auf den Bühnen der Welt wird der Stoff immer wieder gespielt. Nun auch im Oberland.

Rolf Knie in der Rolle von Gottfried, der bemüht ist, Charleys Tante perfekt zu mimen.

Foto: PD

Rolf Knie stöckelt im Matrosengang auf hochhackigen Schuhen

Mundart-Schwank geht auf Tournee

Für den Boulevardklassiker «Charleys Tante» steigt Rolf Knie nach 36 Jahren wieder in Frauenkleider. Ein Probenbesuch in Wald.

Rolf Knie steht hinter dem Paravent, trägt eine leicht verschobene blonde Perücke und einen rosa Seidenjupe über einer Hose und sagt zur Journalistin: «Bitte nicht erschrecken.»

Alle lachen. Der mittlerweile 74-jährige Senior aus der Zirkusdynastie Knie versteht es, sich über sich selber lustig zu machen. Knie stöckelt mit abgeknickten Fussgelenken extra schräg über die Bühne, lässt sich akrobatisch zur Seite fallen und wird aufgefangen.

Er solle sich doch bitte weder wie ein Matrose noch wie ein Dinosaurier bewegen. «Wir sind hier nicht in ‹Jurassic Park›», ermahnt ihn seine Schauspielkollegin Myriam Mazzolini in der Rolle der Sonja – und zeigt ihm, wie man als Dame so richtig die Hüften schwingt.

Die Handlung des Stücks ist schnell erzählt: Zwei Studenten planen eine Verabredung mit ihren Freundinnen – eine davon ist Sonja. Kurzfristig kündigt sich aber Sonjas Onkel als Besucher an. Also braucht die Jugend dringend eine Anstandsdame. Die dafür vorgesehene Tante trifft jedoch nicht rechtzeitig ein. Deswegen wird ihr Freund (Rolf Knie) bekniet, sich als Frau zu verkleiden und in die Rolle der Tante zu schlüpfen. Das führt zu allerlei Komplikationen.

Hochkarätige Besetzung

Die Theaterprobe in der Walder Bleichibeiz ist schon seit morgens um neun Uhr im Gang. An den Tischen neben dem Catering sitzen in der Mitte der Regisseur Jan Bodinus und seine Regieassistentin.

Auf der Seite stehen Sängerin Maja Brunner, die mit dem Schlager «Das chunnt eus spanisch vor» berühmt wurde, Schauspielerin Alexandra Seefisch, die man aus der Vorabendserie «Verliebt in Berlin» kennen könnte, und Brigitte Oelke («We Will Rock You»). Die drei Frauen warten auf ihren Auftritt.

Geprobt wird eine Szene zu Beginn des Stücks, wo Rolf Knie alias Gottfried zum ersten Mal in Frauenkleider schlüpfen «muss» und damit in die Rolle von Charleys Tante. Diese soll als Anstandsdame herhalten. Es ist sozusagen die Feuertaufe, um zu sehen, ob die Täuschung funktioniert und der ungebetene Gast Roberto Vogel (Christoph Wettstein) darauf hereinfällt.

Wenn Amors Pfeil den Falschen trifft

Und ob er das tut. Vogel verliebt sich direkt in die grosse, imposante Tante. Dabei macht er ungehörige Annäherungsversuche, die man in Zeiten von #MeToo niemals mehr machen dürfte.

Zum Beispiel fasst er Charleys Tante ohne Konsens ans Knie. Knie – also Rolf in der Rolle der falschen Tante – öffnet einfach die Beine und lässt den Grobian auf dem Seidenrock durchrutschen. Somit landet der von Amor Geküsste direkt im Schoss von Charleys Tante. Aber nicht für lange.

Rolf Knie schlüpft für Charleys Tante in Frauenkleider.
Ungestraft darf auch Christoph Wettstein nicht an Knies Knie fassen.

Timing ist die halbe Miete. Alles muss punktgenau geprobt werden. Eine Boulevardkomödie scheint seichte Unterhaltung zu sein, aber um sie zu spielen, braucht es konkrete Abmachungen.

Es mache einfach Spass, lange an einer Szene zu feilen, sagt Knie. «Wenn wir im Team den Punkt erreichen, wo es perfekt ist und wir es genau so festhalten können.»

Noch einmal und noch einmal

Viele Boulevardkomödien leben davon, dass jemandem etwas vorgemacht wird, dass alle Figuren Bescheid wissen bis auf eine. Schauspieler Christoph Wettstein spielt Roberto Vogel, also diesen ungebetenen Gast, den alle übertölpeln. Während der Proben sagt er immer wieder: «Bitte lasst uns das nochmals machen.»

Für Wettstein ist es wichtig, vor allem dann, wenn sich etwas hinter seinem Rücken abspielt. Damit er sich im richtigen Moment umdreht und die Pointe sitzt.

Rolf Knie bringt das Stück nach bald 40 Jahren wieder auf die Bühne. Schon 1988 spielte er «Charleys Tante» in der Textversion von Hans Gmür. Das Stück war zwei Jahre lang unterwegs. Knie hatte in der Zeit knapp 430 Auftritte. «Es war die beste Zeit meines Lebens.» Das ist mit ein Grund, warum er das Stück noch einmal aufführt.

Etwas weniger Akrobatik

Vor 36 Jahren hat Knie als Charleys Tante noch einen Handstand gemacht. Den mache er heute nicht mehr, sagt er. Obwohl: «Technisch könnte ich ihn schon noch, aber das eine Handgelenk macht nicht mehr richtig mit.» Er könne von Glück sprechen, dass er mit bald 75 noch «so zwäg» sei.

Dieses Mal wird das Stück nicht so lange unterwegs sein. Dennoch ganze 33 Mal. Knie findet das weniger anstrengend. «Die Proben verlangen da viel mehr ab.» Das Ensemble musste sich erst mal neu kennenlernen, der Regisseur hat ein paar Dinge geändert. Es seien auch neue Gags dazugekommen. Zudem musste Knie den Text nochmals ganz neu pauken. «Was ich vor 36 Jahren gelernt habe, kann ich nicht mehr so einfach abrufen.»

Denn vieles gab es in den Achtzigern noch gar nicht: den Film «Jurassic Park», ja, auch Smartphones, denn einfache Mobiltelefone waren damals noch unbekannt.

Das Stück tourt von Wald bis Schaffhausen

Die Komödie «Charleys Tante» wird zwischen dem 26. Januar und dem 27. April ganze 33 Mal aufgeführt. Die ausverkaufte Vorpremiere findet in Wald statt, danach tourt der Mundart-Schwank nach Rapperswil, und am 7. Februar wird er in Uster im Stadthofsaal gezeigt. Weitere Vorstellungsdaten sind auf der Website zu finden.

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