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Kultur

Rolf Knie kehrt als Charleys Tante auf die Bühne zurück

«Komik ist immer zeitlos – gute Komik jedenfalls», meint Rolf Knie. Warum man gute Komik aber nicht erklären kann, sagt er im Interview.

Rolf Knie will das Travestiestück nochmals auf die Bühne bringen: Es war damals die beste Zeit seines Lebens.

Foto: Eleanor Rutman

Rolf Knie kehrt als Charleys Tante auf die Bühne zurück

Mundart-Schwank geht auf Tournee

Nach 36 Jahren stürzt sich Rolf Knie wieder in Frauenkleider: in diejenigen von Charleys Tante. Im Gespräch erzählt er, was für ihn gute Komik ausmacht.

Rolf Knie schlüpfte für «Charleys Tante» schon in den Achtzigern in Frauenklamotten. Für den damaligen Clown, Akrobaten und Komiker etwas Neues. Er wollte mit einem Ensemble eine Komödie einstudieren.

Es war ein Erfolg: Der Mundart-Schwank wurde knapp 430 Mal aufgeführt. 36 Jahre später tut Knie es wieder.

Die Komödie basierte damals – wie heute – auf der Schweizer Version des Texts, geschrieben von Hans Gmür. Ursprünglich stammt das Travestiestück aber aus der Feder des Engländers Brandon Thomas, der die Farce «Charleys Tante» schon 1892, im vorletzten Jahrhundert, geschrieben hat.

Damals ein zeitloser Klassiker: 1963 wurde die Handlung in die damalige Gegenwart verlegt und mit Peter Alexander verfilmt. Heinz Rühmann brillierte nur sieben Jahre zuvor schon in der Rolle.

Rolf Knie, haben Sie für sich während der Proben eine neue weibliche Seite entdeckt?

Rolf Knie: Nein, ich fühle mich zu 200 Prozent als Mann. Ich spiele in dem Stück einfach eine Rolle. In dem Moment, wo ich voll geschminkt bin und auch die richtigen Kleider trage, schaue ich in den Spiegel, gehe auf die Bühne, und dann bin ich eine Frau. Das Stück lebt ja auch vom schnellen Wechselspiel zwischen der Frau Wiederkehr und der Rolle des Gottfrieds. Da muss ich ja zwischendrin auch sehr schnell switchen.

Wie ist es allgemein, eine Frau zu spielen?

Da gibt es so viele Möglichkeiten. Du kannst sie überspielen, parodieren, du kannst aber auch die Schwächen eines Mannes ausspielen. Zum Beispiel, wenn er auf dich steht, kannst du ihn lächerlich machen. Die meisten Männer fallen ja total ins Absurde, sobald sie um eine Frau balzen. Da werden sie verletzlich. In so einem Stück kann man das natürlich sehr plakativ zeigen.

Dragqueens und Transvestiten haben heute einen ganz anderen Stellenwert als noch in den 1980er Jahren. Ist das Stück denn heute noch zeitgemäss?

Komik ist immer zeitlos. Gute Komik jedenfalls. Zum Beispiel Charlie Chaplin finde ich noch immer viel besser als einiges, was man heute so zu sehen bekommt.

Aber Anstandsdamen gibt es – zumindest in unserem Kulturkreis – heute nicht mehr …

Wenn du die Leute zum Lachen bringst, muss auch nicht immer alles logisch sein. Zum Beispiel machen Stan Laurel und Oliver Hardy (Dick und Doof) Dinge, die überhaupt nicht logisch sind – und niemand fragt, warum, denn die Leute lachen einfach. Ich erinnere mich an eine Begegnung mit Thomas Gottschalk, als er noch junger Radiomoderator war. Gottschalk sagte, ich sähe doch gar nicht unbedingt wie ein Komiker aus, was denn so komisch an mir sei. Ich sagte ihm, er müsse einfach das Stück schauen kommen, denn ich könne ihm den Humor nicht erklären. Komik kann man nicht erklären. Das sind Emotionen.

Welche Szene in «Charleys Tante» liefert die beste Komik im Stück?

Zum Beispiel die Szene mit Christoph Wettstein in der Rolle von Roberto. Er verliebt sich sofort in Charleys Tante. Er bedrängt mich richtig unangenehm, und wir lösen das auf eine lustige Weise, indem ich ihm zum Beispiel immer wieder eins über die Rübe ziehe.

Wäre eine Frau in Männerkleidern genauso lustig?

Bestimmt. Der Rollentausch macht die Komik aus. Es gibt die genau gleichen Möglichkeiten, mit den Klischees zu spielen. Es gibt ja auch unzählige Filme, wo Frauen in Männerrollen schlüpfen.

Warum haben Sie sich entschieden, gerade dieses Stück nochmals auf die Bühne zu bringen?

Weil es einfach die schönste Zeit meines Lebens war und mich so viele Leute darauf angesprochen haben, ob ich es nicht wieder auf die Bühne bringen wolle. Was soll ich zu Hause sitzen, TV schauen und Rosen züchten, solange ich noch den Drang habe, etwas zu tun? Irgendwann werden mein Körper und mein Geist mir schon sagen: So, jetzt ist Schluss. Dann möchte ich mich nicht fragen müssen: Wieso hast du diese Zitrone nicht bis zum letzten Tropfen ausgepresst?

Rollentausch in der Kunst

Die schauspielerische Travestie bezeichnet die Darstellung einer Bühnenrolle durch Personen des anderen Geschlechts. Das Wort stammt aus der französischen Sprache: travestir bedeutet so viel wie verstellen oder verkleiden.

Hier geht es zu den besten zehn Filmen, bei denen sich alles um den Rollentausch dreht.

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