Der Fasnacht fehlen immer mehr engagierte Mitglieder
Nachwuchs eifrig gesucht
Oberländer Fasnachtsvereinen gehen die aktiven Mitglieder aus. Doch soll diese Tradition weiterhin bestehen bleiben, müssen sie jemanden organisieren.
An der Fasnacht kann man sich so richtig austoben. Die Kreativen mit Kostümen, die Musikerinnen und Musiker mit der Gugge. Die Feierlichkeiten sind familientauglich, und auch Nachteulen können bei Maskenbällen herumtollen. Konfetti, Süssigkeiten, Bratwürste. Hier trifft man Pingu, Höhlenbewohner und Clowns.
Es ist eine Tradition, die in der Gesellschaft geschätzt wird. Möglich sind Feste und Umzüge bloss dank Freiwilligen in Organisationskomitees (OK), die bereits Monate vorher Zeit und Kraft in die Planung investierten.
Schaut man sich aber um, so wird man immer öfters mit Aufrufen konfrontiert: Mitglieder gesucht. Anscheinend werden die Organisationskomitees immer kleiner und die Mitglieder passiver.
Leere Plätze im OK
Bei der Fasnacht haperts. Bisher aber bloss hinter den Kulissen. Die Fasnachten seien nämlich trotz allem weiterhin gut besucht, bestätigen die Mitglieder der Fasnachtsgesellschaften. «Es ist eben so, dass alle gerne mitfeiern. Mitanpacken will aber dann trotzdem keiner», sagt Roger Oberbeck, Verantwortlicher der Voletschwyler Lumpehäxe, die mit Rätschen und als Hexen verkleidet durch die Fasnachtsorte oder die Gegend ziehen.
In verschiedenen Vereinen konnte man in den letzten Jahren Abgänge beobachten. Diese haben unterschiedliche Gründe. In Wildberg beispielsweise wurde die Kinderfasnacht fast ausschliesslich von Müttern organisiert. «Aufgrund ihrer Familien haben sie ein spezielles Interesse gehabt, die Traditionen für ihre Kinder aufrechtzuerhalten», meint Melanie Diener, Mitglied des OK der Kinderfasnacht in Wildberg.
Doch nun widmen sich viele der Mamis ihrem Beruf. Die Kinder wurden grösser und verfolgen teilweise andere Freizeitbeschäftigungen.
Das Freizeitangebot ist heute vielseitig, für Kinder wie auch für Erwachsene. Es ist also nicht auszuschliessen, dass sich Abgängerinnen und Abgänger bei Fasnachtsgesellschaften anderweitig in den Gemeinden einsetzen. Auch das Familienbedürfnis hat sich in den letzten Jahren verändert, sodass die Zeit umdisponiert wird.
Anders war es bei der Fasnachtsgesellschaft Robenhausen, der Fagero. Dort gab es vor drei Jahren einen Umbruch: Die Jungen übernahmen das Zepter. «Die Oberbööggen, wie wir die Älteren nennen, sind noch immer an der Fasnacht dabei, aber nicht mehr aktiv im Verein», erklärt Alexandra Acker, Präsidentin der Fasnachtsgesellschaft Robenhausen.
Es braucht private Hände
Auch wenn sich die Gemeinden teilweise finanziell beteiligen, so braucht es Privatpersonen, die sich um die Bürokratie kümmern. Kurz gesagt, um die Bewilligungen. Platznutzungen, Festwirtschaft – jedes Detail, das an einem Umzug so selbstverständlich erscheint, muss im Voraus organisiert werden.
Da die Fasnacht in Robenhausen eine der grösseren ist, musste sich die Fagero extern vernetzen, um die Veranstaltung durchführen zu können. Die helfenden Hände kommen aus anderen Vereinen.
«Dank der Vernetzung mit der Feuerwehr Wetzikon, dem EHC Dürnten Vikings und weiteren Vereinen können wir die Tradition weitertragen. Ohne sie wäre das kaum möglich», erklärt Acker.

Dies führt zu einer Wechselwirkung, wo beide Seiten profitieren können. Mal helfen die Vereine bei der Fagero mit, wie etwa beim Aufbau, bei Barschichten oder beim Kinderschminken, genauso wie sich die Fagero bei den Veranstaltungen der Partnervereine revanchiert. Auf lange Sicht ist dies aber ein instabiles Vorgehen.
Attraktivität steigern
Die Umzüge finden zwar im Winter statt, doch die Planungssitzungen müssen über das ganze Jahr gehalten werden. Um die Attraktivität zu steigern, werden bei der Fagero in Robenhausen auch Sommer- und Grillfeste gemacht. Solche Veranstaltungen ausserhalb der Saison pflegen auch die Voletschwyler Lumpehäxe und andere Vereine. Der soziale Aspekt ist dabei essenziell.
Zudem sollen Mitglieder bei Sitzungen ihre Bedürfnisse äussern können. Denn der Zusammenhalt in der Gruppe ist das A und O fürs weitere Bestehen. Trotzdem bleibe es schwierig, an neue Mitglieder zu gelangen. Die Mitglieder, Präsidentinnen und Präsidenten sind sich einig: Es will sich niemand mehr fest binden.
Bindungsängste bei den Jungen
Die Sitzungen werden schon zu Beginn des Jahrs festgelegt. Änderungen können selbstverständlich anfallen, doch die Vereine wollen die Termine so transparent wie möglich kommunizieren, sodass die Mitglieder sich einrichten können.
Doch dies scheint schon zu viel verlangt zu sein. Antworten wie «ich weiss noch nicht, ob ich dann kann» oder «das ist noch zu weit weg» geben den Verantwortlichen den Eindruck, dass es sich um eine Bindungsangst handelt – vor allem eine langfristige Miteinbeziehung sei unbeliebt.
Ein modernes Phänomen.
Alexandra Acker
Präsidentin Fasnachtsgesellschaft Robenhausen
«Es gibt bei uns passive Mitgliedschaften», erzählt Oberbeck von den Lumpehäxe. Diese würden zwar die Vereinsbeiträge zahlen, doch sie nähmen weder an Veranstaltungen noch an Versammlungen teil.
Um diesem «modernen Phänomen», wie es Acker von der Fagero bezeichnet, entgegenzuwirken, würde man sogar Kulanz zeigen. Nicht nur bei der Fagero, auch bei den Lumpehäxe und in Wildberg seien auch Fasnächtlerinnen und Fasnächtler willkommen, die sich noch nicht festlegen wollten. Quasi, um zu schnuppern.
Ruhe bewahren und Situation beobachten
Trotz Schwierigkeiten bleibt die Fasnacht eine Tradition, die nicht wegzudenken ist. Die Personen, die sich noch engagieren, sind mit viel Leidenschaft dabei. «Darum ist die Kinderfasnacht auch so wichtig», sagt Acker von der Fagero. So würde man den Nachwuchs animieren. Sie selbst ist eine Fasnachtsliebhaberin. Diese Passion habe sie schon als Kind gehabt und trage sie bis heute mit.
Die Vereine sind auf jeden Fall alarmiert und «müssten diese Situation genau beobachten», wie Oberbeck von den Lumpehäxe meint.
Für unser Jubiläum 2025 wären einige Mitglieder mehr ein Traum.
Tamara Hauser
Präsidentin Note-Furzer Hinwil
Ganz hoffnungslos ist es aber noch lange nicht, denn es gibt auch Vereine und Guggen, die sich weniger um den Nachwuchs kümmern müssen. Tamara Hauser, Präsidentin der Gugge Note-Furzer aus Hinwil, bestätigt, dass es bei ihnen aktuell gut läuft. «Wir hatten in den letzten Jahren kaum Abgänge, aber natürlich heissen auch wir weitere Mitglieder herzlich willkommen. Für unser Jubiläum 2025 wären einige Mitglieder mehr ein Traum.»
Künftig haben sie weiterhin einen vollen Terminkalender mit Auftritten an Chilbenen, Hochzeiten und sonstigen Veranstaltungen sowie natürlich auch an der Fasnacht selbst. «Das Wichtigste ist, flexibel zu bleiben», sagt sie.