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Kultur

Kinobranche bleibt auch nach der Pandemie schwierig

Die Kinos in der Region schneiden auch dieses Jahr nicht gut ab. Die Pandemie ist aber nicht der einzige Grund, dass es im Oberland schwankt.

Das Publikum habe nach der Pandemie (noch) nicht ins Kino zurückgefunden. (Archivbild)

Foto: Thomas Bacher

Kinobranche bleibt auch nach der Pandemie schwierig

Kulturbetriebe im Oberland

Den Kinos ging es schon vor der Pandemie nicht besonders gut. Auch das letzte Jahr sei eher durchzogen gewesen. Aufgegeben wird aber nicht.

Die Pandemie forderte hohe Tribute: leere Sessel und geschlossene Kinos. Es hiess, Streamingplattformen seien des Kinos grösste Konkurrenz – gar der Tod der kinematischen Kultur.

Um den Zürichsee geschah 2023 aber das Undenkliche: Das Kino Wildenmann in Männedorf hatte das beste Jahr seit 25 Jahren. Die «Zürichsee-Zeitung» schreibt, dass einiges am Konzept getan wurde und das Kino sich so ein neues Publikum erarbeitet habe. Es setzte vermehrt auf spezifischere Veranstaltungen für Kinder und Frauen, wie auch auf lokale Produktionen.

Klingt nach einem simplen Erfolgsrezept, doch so einfach scheint es nicht zu sein. Im Kino Qtopia in Uster findet sich ein ähnliches Konzept wie im Kino Wildenmann. Frank von Niederhäusern, Vorstandsmitglied des Vereins Kino Qtopia, hebt die Vielfältigkeit des Kinos hervor: «Neben dem Hauptprogramm mit aktuellen Kinostarts gibt es eine separate Schiene für Kinder, Seniorinnen und Senioren sowie Veranstaltungen.» Damit bezieht er sich auf Sonntagsmatineen mit geladenen Gästen, auf Kurzfilmnächte oder Festivalretrospektiven.

Kino ist nicht gleich Kino

Spezialveranstaltungen ziehen auch andere Leute als das Stammpublikum des Qtopia an, meint von Niederhäusern. Trotzdem sei das letzte Jahr eher durchzogen gewesen, mit «teils sehr schlechten Phasen». «Das Publikum hat nach der Pandemie noch nicht zu den kulturellen Institutionen zurückgefunden.»

Jacqueline Falk ist Leiterin Geschäftsfeld Kultur und Gesellschaft von der Zürioberland Standortförderung. Sie meint, man könne nicht alle Kinos miteinander vergleichen, denn sie hängen von der Betriebsstruktur und ihrem Businessmodell ab.

«Ein Filmverein hat andere Voraussetzungen als ein kommerziell ausgerichteter, professionell geführter Kinobetrieb, weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem Verein meist ehrenamtlich tätig sind. Da können schnell mal Ressourcen fehlen.»

Es ist auch zwischen Arthouse-Kinos und kommerziell ausgerichteten Kinos zu unterscheiden: Arthouse-Kinos zeigen in der Regel Filme mit künstlerischem oder intellektuellem Anspruch und konzentrieren sich auf unabhängige, internationale oder regionale Produktionen, während Letztere auf Blockbuster setzen. Das Erlebnis des Publikums ist somit ein anderes und verlangt auch ein anderes Engagement. Über Arthouse beispielsweise gibt es öfters Gespräche im Vor- oder Nachhinein. Ein Blockbuster verlangt dies meistens nicht.

Schwankungen nach der Pandemie

Das Kino Palace in Wetzikon gibt es schon seit über hundert Jahren. Das kleine Landkino fokussiert sich auf die ganz grossen Streifen: Blockbuster aus Hollywood.

Nach der Pandemie sah es für das Palace schon einiges besser aus. Weltbewegend sei das letzte Jahr aber nicht gewesen, sagt Geschäftsführer Severin Brenner. Man sei mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert worden, die den Betrieb zum Schwanken brachten.

Streik machte zu schaffen

«Die Auswirkungen der Streiks in Hollywood drangen bis zu uns», betont Brenner. Viele Filme konnten nicht weiterproduziert werden und wurden auf unbestimmte Zeit verschoben.

Wieso kam es überhaupt zum Streik in Hollywood?

Die Writers Guild of America (WGA), die gewerkschaftliche Organisation der Autorinnen und Autoren für Fernseh und Film, traten am 2. Mai 2023 in den Streik. Es sollten neue, zeitgemässe Verträge ausgehandelt werden. Die WGA forderte unter anderem höhere Honorare, gerechtere Tantiemen bei Streamingplattformen und eine Konkretisierung des Mitbestimmungsrechts beim Einsatz von künstlicher Intelligenz. Besonders Netflix sei eine ungenügende Arbeitnehmerin gewesen. Der Streik dauerte 148 Tage und war der zweitlängste Streik der WGA seit 1960, wo er 153 Tage dauerte. Etliche Produktionen standen still, Kino- und Serienstarts mussten auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Am 14. Juli rief auch die Screen Actors Guild – American Federation of Television and Radio Artists (SAG-AFTRA), die Gewerkschaft von Schauspielerinnen und Schauspielern, zum Streik auf. Dieser dauerte 118 Tage. (mgp)

«Barbie» und «Oppenheimer» hätten Einnahmen generiert, auch «Bon Schuur Ticino» sei gut gewesen. Doch zwischendurch sei es «sehr wechselhaft und launisch» gewesen.

Und wäre da nicht die Teuerung

Auf den Streik folgte ein weiteres Problem: die Inflation. Das Palace versuchte die Preise so lange wie möglich niedrig zu halten. Doch um den Betrieb gewährleisten zu können, musste auch das Wetziker Kino seine Produktpreise anpassen – im Restaurant, am Kiosk und im Kino selbst. Die Vorstellungen sind zwei Franken teurer geworden.

Die Preise steigen bis zu 22 Franken. Der hohe Preis sei auch den erhöhten Strompreisen in Wetzikon geschuldet. «Besorgniserregend», meint Brenner. Denn die Preise nähern sich an den Stadtzürcher Standard – und so würde ihm das Publikum davonlaufen.

Hoffnung auf 2024

Trotzdem sieht Brenner dem neuen Jahr hoffnungsvoll entgegen, denn die Filmindustrie habe sich erholt. Dies verspreche gute Filme und besetze Kinosessel, wie etwa «Dune 2», «Ich – Einfach unverbesserlich 4» oder das kultige Comeback «Beetlejuice 2» mit Jenna Ortega.

Falk von der Standortförderung Zürioberland vermutet, dass das Kino Wildenmann in Männedorf auf die Bedürfnisse des regionalen Publikums eingegangen ist und damit Erfolg hatte. «Das Oberland hat Potenzial. Das Kino ist ein Erlebnis und mit Streamingplattformen nicht zu vergleichen. Man muss nur herausfinden, was das Publikum erleben will.»

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