Fünf Auserwählte aus dem Oberland zeigen ihre Fotokünste
Werkschau «Photo Schweiz 2024»
An der Ausstellung «Photo Schweiz» präsentieren dieses Jahr fünf Fotografinnen und Fotografen aus der Region ihre Werke und zeigen ihre Welten in Bildern.
An der Werkschau «Photo Schweiz» stellen mehr als 200 Fotografinnen und Fotografen aus – fünf davon aus dem Oberland. Vom 12. bis 16. Januar können die Arbeiten in der Halle 550 in Oerlikon betrachtet werden. Die Ausstellung fängt den Puls der Zeit auf und verschafft einen Überblick über die nationale Fotografiebranche.
Daniel Bolliger ist seit 2019 der Lead-Kurator, einer von drei Kuratierenden. Er selbst ist, neben Künstler, Art Director und Dozent, internationaler Fotograf und seit 25 Jahren im Business. Was ihn besonders interessiert, sind progressive Arbeiten. «Die Fotografie ist stark im Wandel. Als Fotograf muss man heute vielseitig arbeiten können», erklärt er.
Neben der klassischen Fotografie, einem Bild im Rahmen, werden an der Werkschau auch Installationen und bewegte Bilder gezeigt. Doch das sei kein Kriterium, um für die «Photo Schweiz» angenommen zu werden. «Ein gutes Bild bleibt ein gutes Bild», meint Bolliger. Bilder sollten berühren, und in einer Serie merke man, ob jemand die Fähigkeit habe, Geschichten zu erzählen. «Es geht darum, dass Fotografinnen und Fotografen ihren Mikrokosmos finden und sich individuell ausdrücken.»
Michael Eggenberger, Turbenthal



Michael Eggenberger aus Turbenthal fotografiert vor allem gerne Porträts. Der 44-jährige Familienvater interessiert sich für Menschen und deren Geschichten. Für seine Bildserie hat er sich die einzigartige Autorin und Satirikerin Patti Basler ausgesucht. Sie ist für ihre Schlagfertigkeit und ihre scharfzüngigen Bemerkungen bekannt. Das Fotoshooting zwischen Eggenberger und Basler soll laut dem Fotografen sehr kurzweilig gewesen sein – mit viel Gelächter.
Olesya Lisovskaya, Dübendorf


Olesya Lisovskaya ist professionelle Fotografin und lebt seit zwei Jahren in Dübendorf. Die 22-jährige Ukrainerin experimentiert in ihrer Arbeit gerne mit Licht und Farben, um ihre Sujets in eine fesselnde Szenerie zu setzen. Wenn sie ihre künstlerischen Porträts oder Portfolios schiesst, kommen ihr Persönlichkeiten vor die Linse, die ihr interessant scheinen – Künstler, Musiker, Performer oder Schauspieler.
Sandra Stamm, Dübendorf



Fotografin Sandra Stamm kontextualisiert ihre Bildserie mit einem Tagebucheintrag: «Juni 1982. Ein Verkehrsunfall verändert alles. Ich bin 7 Jahre alt. Meine Mutter erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und ist seitdem emotional aus dem Gleichgewicht. Sie ist distanziert, abweisend, unberechenbar, aggressiv und kalt. Die Ohnmacht, in einer solchen Situation hilflos ausgesetzt zu sein und darin aufzuwachsen, ist der Grundstein meiner Selbstporträts.» Nach ihrer Ausbildung in Vancouver begann Stamm ihre Karriere als selbständige Fotografin. Nun widmet sie sich verstärkt der Kunstfotografie und befasst sich mit dem Wandel, dem Kommen und Gehen oder der Metamorphose.
Silvia Trüssel, Tagelswangen



Silvia Trüssel ist Pfarrerin und fand durch ihre vielen Reisen und die Liebe zu Tieren zur Wildlife-Fotografie. Sie fotografiert Wildtiere in deren natürlicher Umgebung, vor allem in Namibia. In den letzten Jahren entdeckte sie die Reportage- und Dokumentarfotografie für sich. Sie sieht in diesen Stilen Parallelen. «Man beobachtet das Geschehen und muss dabei sein, um den richtigen Moment zu erwischen», betont Trüssel.
Ihre diesjährige Fotoserie ist in der Hutwerkstatt Risa entstanden, wo sie die Arbeiterinnen und Arbeiter bei verschiedenen Tätigkeiten fotografierte. Mit der Kamera fing Trüssel deren Konzentration ein. Obwohl es für die Fotografie viel Geduld brauche, sei sie eher eine ungeduldige Person, meint sie. Doch die Arbeit mit Menschen sei deutlich einfacher als die mit Tieren: «Mit Menschen kann man kommunizieren. Bei Tieren muss man einfach abwarten, und manchmal verpasst man einen Moment trotzdem.» Dies trägt sie aber mit Fassung. Trüssel wird an der «Photo Schweiz» neben dem Seminar «Die Kunst des Handwerks festhalten» auch einen Artist Talk über Handwerksfotografie halten.
Daniel J. Wehrli, Uster


«Erst kam das Hobby der Fotografie, dann das Architekturstudium», sagt Daniel J. Wehrli. Über die Jahre hat er die zwei Felder verbinden können und den Ausdruck gefunden, den er für seine Fotografie braucht. In seiner Bildserie zeigt er das ehemalige Maggi-Industrieareal, auch als The Valley in Kemptthal bekannt. «Ich kenne viele Industrieareale, aber keines ist so wie The Valley», schwärmt Wehrli. In seinen Studienjahren sei er wöchentlich daran vorbeigefahren. Damals habe es noch nichts gegeben, doch heute habe sich das Areal enorm verändert. Aktive Künstler, innovative Betriebe und alte Gebäudestrukturen: Der Fotograf drückt seine Faszination in Bildern aus, die er bei ausgewählten Gelegenheiten schoss.
